Lothar Lammers

Erfinder von „6 aus 49“ gestorben

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Lothar Lammers starb am Dienstag im Alter von 86 Jahren.

Münster - Lothar Lammers musste viele Klinken putzen, bis jemand seine Idee von “6 aus 49“ auf den Markt bringen wollte. Es wurde das erfolgreichste Glücksspiel Deutschlands. Jetzt starb Lammers mit 86 Jahren.

Der Erfinder des modernen Lottospiels “6 aus 49“, Lothar Lammers, ist tot. Wie ein Unternehmenssprecher am Freitag in Münster mitteilte, starb der frühere Westlotto-Geschäftsführer am Dienstag nach längerer Krankheit im Alter von 86 Jahren. „Die Lebensgeschichte von Lothar Lammers (...) ist eng mit der Entstehung des erfolgreichsten Glücksspiels in Deutschland verknüpft.“

Die Formel wurde weltweit ein Exportschlager: Lammers stand meist persönlich Pate beim Aufbau von Lottogesellschaften - zum Beispiel in Kanada, Griechenland, Irland, Australien, vielen Bundesstaaten der USA, in Finnland und in Frankreich, wo er von Staatspräsident François Mitterrand mit dem nationalen Verdienstorden ausgezeichnet wurde und noch heute unter dem Namen „Père du Loto“ („Vater des Lotto“) bekannt ist.

Gemeinsam mit dem Journalisten und späteren Präsidenten des 1. FC Köln, Peter Weiand, hatte Lammers die Idee eines nicht an den Sport gebundenen Glücksspiels entwickelt, das alle Bevölkerungsschichten ansprechen sollte. „Denken Sie nur an die Millionen Frauen und nicht Sportinteressierten, die vom Toto praktisch ausgeschlossen waren - eindeutig die Bevölkerungsmehrheit“, hatte Lammers einmal im Gespräch mit dpa gesagt. „Auf dieser Grundlage schmiedeten wir Pläne.“

Die beiden boten die Formel für das moderne Lottospiel in den 50er Jahren ihren Chefs bei der Westdeutschen Fußball-Toto GmbH in Köln an, die damals den Glücksspielmarkt beherrschte. „Wochenlang haben wir Geschäftsführer und Verwaltungsrat mit unserem Gesamtkonzept förmlich auf der Brust gekniet. Erhört wurden wir nicht.“ Zu sehr seien „die hohen Toto-Herren“ überzeugt gewesen, das Zahlenlotto mit Hilfe der Fußballverbände verhindern zu können.

Dann wechselten Lammers und Weiand zu einem Bankenkonsortium, das die Nordwestdeutsche Klassenlotterie betrieb. „Wir bauten ein völlig neues Unternehmen auf“, schilderte Lammers damals im dpa-Interview. „Und hatten Riesenerfolg: Schnell sprach sich herum, dass die Lotto-Gewinne selbst bei kleinem Einsatz auch in den unteren Klassen breit gestreut waren. Trotzdem konnten in den oberen Gewinnklassen sehr hohe Gewinne ausgeschüttet werden.“ Lammers’ Mitstreiter Weiand starb bereits im Jahr 1990. Der amtierende WestLotto-Geschäftsführer Theo Goßner bezeichnete Lammers als „einen der profiliertesten Vordenker und Gestalter der Glücksspielwelt“.

Die historischen Anfänge des Zahlenlottos gehen bereits auf das 16. Jahrhundert zurück: In Genua wurden aus den Namen von 90 Bürgern fünf gezogen, die den bestehenden Großen Rat der italienischen Stadt ergänzen sollten. Die Bewohner schlossen Wetten ab, und “5 aus 90“ etablierte sich als Spiel. Vom 18. Jahrhundert an breitete es sich im übrigen Europa aus. Die moderne Variante - mit Gewinnklassen und Jackpot - wurde laut Westlotto aber erst von Lammers geprägt.

dpa

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