Transplantationsskandal

Ermittler schließen Organhandel nicht aus

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Die Ermittler im Organspendeskandal schließen nicht aus, dass es auch unfreiwillige Organspenden oder Organhandel gegeben haben soll.

Göttingen/Regensburg - Für eine Lebertransplantation kurz nach Jordanien: Die Aktivitäten von Transplantationsmedizinern der Regensburger Universitätsklinik am Jordan-Hospital in Amman waren ethisch fragwürdig und mit deutschen Standards kaum zu vereinbaren.

Dies ergibt sich aus dem damaligen Bericht der Prüfungskommission, die nach einer unzulässigen Lebertransplantation in Jordanien im Jahr 2005 sowohl den einzelnen Fall als auch die deutsch-jordanische Kooperation insgesamt untersucht hat. Die Leberverpflanzung hatte damals ein Regensburger Oberarzt vorgenommen, der 2008 Leiter der Transplantationschirurgie in Göttingen wurde. Die Göttinger Universitätsmedizin hat sich Ende vergangenen Jahres von dem Arzt getrennt, nachdem Ermittlungen ergeben hatten, dass es zu Manipulationen gekommen war. Inzwischen ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen ihn wegen des Verdachts der Bestechlichkeit und der fahrlässigen Tötung in 23 Fällen. Er soll Krankendaten manipuliert haben, um Patienten bevorzugt zu einer Spenderleber zu verhelfen.

Der Oberarzt hatte die Kooperation mit der jordanischen Privatklinik Mitte 2004 gemeinsam mit seinem damaligen Chef aufgebaut, dem seit vergangener Woche beurlaubten Direktor der Chirurgie in Regensburg. Offiziell sollte sie dem Aufbau eines Lebertransplantationsprogramms in Amman dienen. Außerdem konnten die Regensburger Ärzte weitere Erfahrungen mit Lebendtransplantationen sammeln. Tatsächlich ging es offenbar nur um Letzteres: Kein jordanischer Arzt war zur Ausbildung in Regensburg, und auch in Amman gab es keine systematische Schulung der dortigen Ärzte.

Stattdessen beschränkten sich die beiden Regensburger Mediziner darauf, zumeist an Wochenenden nach Amman zu fliegen, dort einem Lebendspender ein Stück der Leber zu entnehmen und dieses einem Patienten einzupflanzen. Nach dem Eingriff kehrten die Operateure am selben oder am nächsten Tag nach Deutschland zurück.

Besonders problematisch war nach Ansicht der Prüfer, dass nicht auszuschließen war, dass es auch unfreiwillige Organspenden oder sogar Organhandel gegeben haben könnte. Zwar soll es in Jordanien eine örtliche Ethikkommission gegeben haben, um die Herkunft der Spender zu überprüfen. Allerdings hatten die Prüfer Zweifel, ob diese nach den in Deutschland geltenden Standards arbeitete. Erstaunt waren sie über die Aussagen des Oberarztes hierzu. Nach dessen Angaben gehörte auch ein Minister der Ethikkommission an, die im Übrigen an manchen Tagen mehr als 20 Spender-Empfänger-Paare anhöre.

Die Prüfer bezweifelten, dass sich die Regensburger Mediziner selbst mit den einzelnen Organspendern und den Empfängern befasst haben. So war bei einer Transplantation, die sie Ende März 2005 bei einer Patientin in Jordanien vornahmen, die Herkunft des Organs unklar. Die Regensburger Klinik habe mal eine Schwester, mal eine Tochter als Spenderin genannt.

Nach dieser Transplantation waren die beiden Regensburger Chirurgen wie immer kurz darauf wieder abgereist. Als später bei der Patientin schwere Komplikationen auftraten, brach der Oberarzt seinen Familienbesuch in einem arabischen Land ab und veranlasste, dass die Leber eines in Wien verstorbenen Patienten nach Amman geschafft wurde. Um den unzulässigen Organexport zu vertuschen, gab er fälschlicherweise gegenüber der zuständigen Organisation Eurotransplant an, dass sich die Patientin in Regensburg befinde.

Abgesehen von diesem klaren Verstoß hätten nach Ansicht der Prüfer die Mediziner die Patientin vor dem Eingriff darüber aufklären müssen, dass sie beim Ausfall der Teilleber kein Organ von einem toten Spender aus dem Eurotransplant-Raum erhalten könnte. Vor allem aber hätten sie etwas Grundsätzliches nicht beachtet: Mitarbeiter deutscher Kliniken dürften sich bei der Mitwirkung an Organtransplantationen im Ausland nicht damit zufriedengeben, „dass ihr naturwissenschaftlich-medizinisches Können und Wissen gefragt und erwünscht ist“. Vielmehr hätten sie dort nach den gleichen rechtlichen und ethischen Grundsätzen zu handeln wie in Deutschland.

Heidi Niemann

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