Mord an Souzan B.

Ermittler verkaufen Täterauto mit Mordwaffe

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Foto: Ermittler haben das Auto des mutmaßlichen Mörders von Souzan B. verkauft und die Tatwaffe darin nicht entdeckt.

Stolzenau - Peinliche Panne: Die Staatsanwaltschaft Verden hat das Fluchtfahrzeug eines mutmaßlichen Mörders einschließlich der darin unentdeckten Mordwaffe verkauft.

Im Mordfall der von ihrem Vater erschossenen Souzan B. aus Stolzenau im Kreis Nienburg hat es eine Ermittlungspanne gegeben. Die Polizei stellte nach dem Mord im Dezember 2011 das Fluchtfahrzeug des Vaters sicher und durchsuchte es zweimal, übersah dabei jedoch die Tatwaffe. Erst ein Fahrzeughändler, der das Auto Monate später der Staatsanwaltschaft abkaufte, fand die Waffe im Fahrzeuginneren. Die Behörden sprechen von menschlichem Versagen.

Bei dem Käufer des Fahrzeugs handelt sich um Uwe Wegener, einem Autohändler aus Nienburg-Langendamm, bei dem der Wagen seit der Untersuchung wegen Platzmangels untergestellt war. Für 748,50 Euro kaufte der Mann das Fluchtauto. Grund für die Veräußerung: Die Behörde wollte die Unterstellkosten nicht mehr zahlen. „Es handelt sich um eine Notveräußerung“, sagte Oberstaatsanwalt Jann Scheerer. Das Gesetz erlaubt den Verkauf, wenn die „Aufbewahrung mit unverhältnismäßigen Kosten verbunden ist“. Weil der Vater Ali B. noch nicht gefasst und die Hauptverhandlung nicht absehbar sei, hätten die Unterstellkosten den Wert des Fahrzeugs überstiegen, sagte Scheerer.

Das Fluchtfahrzeug, ein silberfarbener VW Golf Kombi, wurde bereits einen Tag nach dem Mord im nordrhein-westfälischen Minden gefunden und wenig später gleich zweimal von Nienburger Polizeibeamten untersucht. „Die Beamten haben alles umgedreht“, sagte der Leiter der Polizeiinspektion Nienburg/Schaumburg, Frank Kreykenbohm. Jedoch war die Polizei nicht gründlich genug, wie es scheint. Der neue Fahrzeughalter entdeckte die Waffe unmittelbar nach dem Kauf im August bei einer gründlichen Fahrzeugreinigung hinter einer Verkleidung im Fußraum des Pkw - den er mittlerweile weiterverkauft hat. Ob weitere Beweismittel durch den Autohändler vernichtet worden sind, kann Oberstaatsanwalt Scheerer nicht ausschließen. Anhaltspunkte gebe es aber nicht. „Immerhin hat der Händler die Waffe sofort den Ermittlungsbehörden übergeben.“

Warum die Beamten die Tatwaffe nicht entdeckten, können sich weder Kreykenbohm noch Scheerer erklären. Nach der kriminaltechnischen Untersuchung ist sicher, dass es sich um die Mordwaffe handelt. DNA-Spuren seien an der Pistole gefunden worden, aber nicht zu gebrauchen. „Mit den Fehlern der Polizisten müssen wir leben“, sagt der Oberstaatsanwalt. Von einem „Individualfehler der beauftragten Beamten“ spricht auch Kreykenbohm. „Innerdienstliche Konsequenzen für die Beamten sind vorstellbar.“ Wie die aussehen werden, dazu will der leitende Beamte nichts sagen. „Es wurden kleine Spuren gesichert, aber die Waffe nicht gefunden, das darf nicht passieren.“

Ali B. steht im Verdacht seine 13-jährige Tochter im vergangenen Dezember erschossen zu haben.

Bevor der Iraker Ali B. im Dezember 2011 zur Waffe griff und vor den Augen der Mutter seine Tochter erschoss, gab es immer wieder Versuche, die zerstrittene kurdische Familie zusammenzuführen. Bis zu ihrem Tod lebte die 13-jährige Souzan in einer Jugendhilfeeinrichtung des Landkreises Nienburg. Offenbar war die Entscheidung, nicht zu ihren Eltern zurückzukehren, Grund für die Tat.

Auch die Mutter geriet zu Jahresbeginn ins Visier der Ermittler. „Es gilt zu klären, ob sie in die Tat involviert ist“, sagt Scheerer. Bereits seit August sei Souzans Mutter mit ihren zwei Kindern nicht mehr auffindbar. Gegen sie liegt kein Haftbefehl vor.

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