Gymnasium Sarstedt

Ermittlungen gegen Schüler nach Messerstich

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Sarstedt - Die Staatsanwaltschaft Hannover ermitteltwegen fahrlässiger Körperverletzung gegen den Schüler, der einen Mitschüler im Gymnasium Sarstedt schwer verletzt hat. Bei einem Filmdreh für den Kunstunterricht hatte der Schüler mit einem mehr als 30 Zentimeter langen Fleischermesser versehentlich zugestochen.

Nach dem Unfall mit einem Messer am Gymnasium Sarstedt ermittelt nun die Staatsanwaltschaft Hannover gegen einen 16-Jährigen wegen fahrlässiger Körperverletzung. Das 15-jährige Opfer liegt unterdessen weiter im Hildesheimer St.-Bernward-Krankenhaus. Der 16-Jährige hatte den 15-Jährigen bei Filmaufnahmen im Rahmen des Kunstunterrichts versehentlich mit einem Fleischermesser in den Bauch getroffen.

Der Vorfall am Montag hat im Sarstedter Gymnasium für große Bestürzung gesorgt. Vor allem die Schüler aus der neunten Klasse, die bei dem Filmdreh dabei waren, stehen immer noch unter dem Eindruck des Ereignisses, berichtet Susanne Strätz, Sprecherin der Landesschulbehörde: "Aber auch die Lehrkraft ist sehr, sehr betroffen."

Die Schüler hätten die Möglichkeit, die Erinnerungen an den Vorfall in Gesprächen mit ihren Lehrern sowie mit dem Beratungslehrer der Schule zu verarbeiten. Auch Mitarbeiter der Landesschulbehörde stünden grundsätzlich für die Betreuung der Jugendlichen zur Verfügung. "Das scheint aber im Moment nicht notwendig zu sein." Schulleiterin Christine Klein hat sich am Dienstag in einem Brief an alle Eltern gewandt und über den Vorfall informiert, wie Strätz berichtet. Klein selbst will sich inzwischen gar nicht mehr öffentlich zu dem Vorfall äußern.

Opfer ist außer Lebensgefahr

Zu dem Unfall war es am Montagmittag auf dem Außengelände der Schule gekommen. Die Schüler drehten für den Kunstunterricht einen Krimi. In einer Szene sollte der 15-Jährige das Opfer darstellen. Er lag dazu auf dem Rasen. Sein ein Jahr älterer Mitschüler sollte mehrfach neben ihm mit dem Messer in den Rasen stechen, um so einen Angriff zu simulieren. Doch offenbar rutschte der Schüler ab und traf den 15-Jährigen im Bauch. Die Schüler setzten für den Dreh nicht wie sonst im Film und am Theater üblich eine Atrappe besorgt, sondern ein echtes 34 Zentimeter langes Fleischermesser mit einer 21 Zentimeter langen Klinge.

Für das 15-Jährige Opfer sei der Vorfall "unter den gegebenen Umständen glimpflich ausgegangen", sagte Behördensprecherin Strätz. Sie wollte sich zum genauen Gesundheitszustand des Schülers allerdings nicht äußern. "Er ist noch im Krankenhaus", sagte sie. Der 15-Jährige schwebe allerdings nicht in Lebensgefahr.

Staatsanwaltschaft Hannover ermittelt

Die Staatsanwaltschaft Hannover hat inzwischen ein Ermittlungsverfahren gegen den 16-Jährigen eingeleitet. Die Behörde in Hannover ist zuständig für den Fall, weil der mutmaßliche Täter aus Jeinsen in der Region Hannover kommt. Bei Jugendstrafsachen gilt für die Zuständigkeit - anders als im sonstigen Strafrecht - das Wohnort-Prinzip, nicht das Tatort-Prinz.

Mit welcher Strafe der Schüler nun wegen des Unfalls rechnen muss, ist noch völlig offen. Im Jugendstrafrecht wird eine Strafe verhängt, um auf einen Täter erzieherisch einzuwirken, wie Thomas Klinge, Sprecher der Staatsanwaltschaft Hannover, erläuterte. Das Jugendgerichtsgesetz bietet auch die Möglichkeit, von einer Verfolgung abzusehen oder das Verfahren einzustellen.

Lehrerin wusste offenbar von nichts

Unklar ist weiterhin, ob die Lehrerin wegen des Vorfalls zur Rechenschaft gezogen wird. "Wir haben im Moment noch keinen Anfangsverdacht gegen sie", sagte Oberstaatsanwalt Klinge. Die Ermittler gehen derzeit davon aus, dass sie nichts davon wusste, dass die Jugendlichen die Szene mit einem echten Messer drehten. Offenbar hielt sich ein Teil der Schüler zu den Dreharbeiten auf dem Außengelände des Gymnasiums auf, während sich die Lehrerin mit dem Rest der Klasse im Klassenraum befand.

Sollten sich allerdings Anhaltspunkte dafür ergeben, dass die Lehrerin von der Verwendung des Fleischermessers wusste, müsste das Verfahren auch auf sie ausgeweitet werden, sagte Klinge. Susanne Strätz geht aber "ganz stark" davon aus, dass die Lehrerin in die Pläne der Schüler nicht eingeweiht war: "Kein normaler Mensch würde dabei zusehen, wie Schüler mit einem Küchenmesser hantieren."

Von Sebastian Knoppik

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