Nach Durchsuchungen

Erstmals Hells Angels in Niedersachsen verboten

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Adelebsen - Ermittlungen gegen Mitglieder der Hells Angels hat es bereits häufig gegeben. Doch die Vereine waren davon bislang unberührt. Am Freitagmorgen wurde zum ersten Mal ein Charter der Hells Angels in Göttingen verboten.

Niedersachsens Innenministerium hat das Göttinger Charter der Hells Angels verboten. Der Verein sei für Straftaten genutzt worden, begründete Landespolizeipräsident Uwe Binias den Schritt. Bei Durchsuchungen in Klubräumen und Wohnungen beschlagnahmten die Beamte am Freitagmorgen Computer und Waffen. Es ist das erste Mal, dass in Niedersachsen ein Rockerklub verboten worden ist.

„Bislang hatten wir einzelne Ermittlungen gegen einzelne Mitglieder der Rockerklubs. Es gelingt aber in der Regel nicht, einem Verein die Begehung von Straftaten polizeilich nachzuweisen“, sagte Binias. In diesem Fall aber könnten die Beamten mehreren Mitgliedern des Göttinger Charters unter Beteiligung des Anführers eine versuchte räuberische Erpressung nachweisen.

Die Verbotsverfügung gegen den Klub wurde am frühen Freitagmorgen überbracht. 16 Häuser und Wohnungen wurden durchsucht, allein zwölf in der Gemeinde Adelebsen, in der sich das Klubheim befand, die weiteren im Einzugsbereich der Polizeidirektionen Braunschweig und Hannover. 330 Beamte waren im Einsatz, darunter auch ein Spezialeinsatzkommando und ein Mobiles Einsatzkommando.

Die 14 Klubmitglieder leisteten bei den Durchsuchungen keinen Widerstand. Es gab keine Festnahmen, der Anführer des Charters sitzt aber bereits im Gefängnis. Die Ausbeute der Polizei war groß: „Es war die Ladung eines 7,5-Tonners“, die man allein im Klubhaus sichergestellt habe, sagte Binias. Außer Computern, Handys, Laptops und USB-Sticks wurden auch Kutten, Hieb- und Stichwaffen wie Macheten, Butterfly-Messer sowie Schlagringe beschlagnahmt. Auch einige Deko-Schusswaffen wurden konfisziert, bei einigen werde noch geprüft, ob sie auch als scharfe Waffen einsetzbar seien, sagte Binias. Die Polizei stellte zudem Reste von Drogen sicher. Außerdem wurden sechs Motorräder, darunter fünf der Marke Harley-Davidson, konfisziert, weil sie dem Vereinsvermögen zugerechnet wurden.

Durch das Verbot ist der Verein aufgelöst, sein Vermögen wird eingezogen, jede weitere Aktivität ist verboten. Die Embleme und Kennzeichen des Vereins dürfen nicht mehr gezeigt oder verbreitet werden. In Niedersachsen gebe es derzeit noch zehn weitere Rockerklubs, unter anderem in Celle, Oldenburg, Wolfsburg und Hildesheim, teilte der zuständige Referatsleiter im Innenministerium, Axel Brockmann, mit. Das in Niedersachsen lange Zeit größte Charter der Hells Angels in Hannover hatte sich bereits 2012 aufgelöst.

Heiko Randermann

Hintergrund: Verbote von Hells-Angels-Clubs in Deutschland

Seit 1983 sind bundesweit mehrere Ortsclubs der Rockergruppe Hells Angels, sogenannte Charter oder Chapter, verboten worden. Auch von anderen Motorrad-Rocker-Organisationen wurden Ortsgruppen aufgelöst. Das Bundesinnenministerium verfügte im Juli 2013 mit dem Verbot der Gruppe Gremium MC in Sachsen erstmals die Auflösung eines kompletten Regionalverbands.

Verbote von Ortsgruppen der Hells Angels:

Oktober 1983: Das Bundesinnenministerium verbietet den Hells Angels Motor Club (MC) Germany Charter Hamburg.

Dezember 2000: Das nordrhein-westfälische Innenministerium erlässt ein Verbot gegen die Hells Angels in Düsseldorf.

April 2010: Schleswig-Holstein verbietet die Hells Angels in Flensburg.

Juni 2011: Das baden-württembergische Innenministerium spricht ein Verbot aus gegen die Pforzheimer Rockergruppe Hells Angels MC Charter Borderland und ihren Unterstützerclub Commando 81 Borderland.

September 2011: Das hessische Innenministerium verbietet die Ortsclubs Hells Angels Frankfurt und Westend (Frankfurter Stadtteil).

Januar 2012: Schleswig-Holstein verbietet die Hells Angels in Kiel.

April 2012: Das nordrhein-westfälische Innenministerium verfügt die Auflösung des Vereins Hells Angels MC Cologne in Köln.

Mai 2012: Die Hells Angels Berlin City müssen sich auflösen.

Juni 2013: Bremens Innensenator verbietet die Hells Angels in der Hansestadt.

Juli 2013: Das Brandenburger Innenministerium verbietet den Verein Hells Angels MC Oder City und die Unterorganisation Oder City Kurmark.

Oktober 2014: Erstmals wird in Niedersachsen ein Rockerclub verboten - die Hells Angels in Göttingen.

dpa

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