Kommunalpolitiker vor Gericht

Ex-Bürgermeister soll Ehefrau erdrosselt haben

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Foto: Ermittler durchsuchen am 25. Januar 2012 das Wohnhaus des Ex-Bürgermeisters von Ludwigsfelde in Brandenburg.

Ludwigsfelde - Der Kommunalpolitiker galt als Ehrenmann, als Macher der Region. Doch er soll seine Frau ermordet haben. Er bestreitet die Tat. Familie und Gemeinde zweifeln. Nun soll ein Prozess Klarheit bringen.

Fast 18 Jahre lang saß Heinrich Scholl bis zum Jahr 2007 als Bürgermeister im Rathaus des brandenburgischen Ludwigsfelde. Der SPD-Politiker galt als Ehrenmann und Macher in der Region. Doch seit Januar sitzt der 69-Jährige in Untersuchungshaft, weil er seine Frau Brigitte (67) erdrosselt haben soll. Seine Verhaftung am 25. Januar hat die rund 24.000 Einwohner der Gemeinde schockiert und ratlos zurückgelassen.

Die Menschen in Ludwigsfelde suchen nach einem Motiv. „Es sind so viele Fragen aufgetaucht“, sagt Amtsnachfolger und Parteikollege Frank Gerhard. Vor dem Landgericht Potsdam sollen diese nun geklärt werden. An diesem Donnerstag (18. Oktober/9.00) beginnt der Prozess - ein Indizienprozess, denn Scholl bestreitet die Tat.

„Es ist ein Drama und für alle Ludwigsfelder eine bedrückende Situation“, beschreibt Gerhard die Situation in dem Städtchen südlich von Berlin. Viele Einwohner wollen nach Potsdam zum Prozess kommen. Das Gericht hat sich auf zahlreiche Zuschauer und Medienvertreter eingestellt, berichtet Sprecher Ralf-Dietrich Schulz. Der Platz ist jedoch begrenzt.

Das große Interesse wird für einen Menschen zusätzlich belastend sein: Scholl Junior. Der 48 Jahre alte Sohn des Paares ist als Nebenkläger in dem Verfahren zugelassen worden. „Er möchte sich ein eigenes Bild machen - dafür braucht er Einblick in die Akten“, erklärt sein Anwalt Sven Rasehorn. Als Sohn der Ermordeten erhält der Familienvater sonst nicht mehr Informationen als Außenstehende auch. Mehr als jeden anderen aber quälen den Sohn des Opfers und des mutmaßlichen Täters Fragen.

Der Sohn will den Fall selbst beurteilen können, sagt Rasehorn. Sein Anwalt beschreibt die Zerrissenheit: Scholl Junior hat seinen Vater in der Untersuchungshaft besucht. Er kümmert sich um organisatorische Dinge, wie beispielsweise die Betreuung des Elternhauses. Er selbst lebt mit seiner Familie einige hundert Kilometer entfernt von Ludwigsfelde. Er muss den Verlust der Mutter verkraften. Zugleich versucht er sich zu erinnern, wie sich der Vater in den Tagen nach dem Mord bis zu seiner Verhaftung verhalten hat. Ob ihm Widersprüche aufgefallen sind.

Scholl bestreitet die Tat vehement. Per Annonce suchte er nach Zeugen, die ihn in einer Therme gesehen haben und entlasten könnten. Eine recht einzigartige, bislang aber auch erfolglose Aktion. Ob er nun vor Gericht aussagen wird, bleibt abzuwarten.

„Das wird man sehen“, so sein Anwalt Stefan König aus Berlin. Vermutlich wird Scholl aber zunächst schweigen. Denn das Gericht will bereits eine Stunde nach dem Prozessauftakt erste Zeugen vernehmen - zunächst war dies erst für den Nachmittag geplant.

König wird Scholl gemeinsam mit der Potsdamer Juristin Heide Sandkuhl verteidigen - wie zuletzt den Hotelier Axel Hilpert, der im vergangenen Juni wegen Millionenbetrugs verurteilt worden war. Ihre zahlreichen Beweisanträge hatten damals das Verfahren in die Länge gezogen. Ob Ähnliches bei Scholl zu erwarten ist, läßt König offen. „Natürlich wird es aber Anträge geben - das ist bei einem Indizienprozess nicht zu vermeiden“, sagt er.

Das Landgericht Potsdam hat zunächst 29 Verhandlungstage eingeplant, so Sprecher Schulz. In dieser Zeit will der Vorsitzende Richter des Schwurgerichts, Frank Tiemann, mehr als 70 Zeugen hören. Am 28. Februar 2013 könnte dann das Urteil gesprochen werden.

dpa

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