Prozess wegen Untreue

Ex-Bundesminister Funke als Angeklager wortkarg

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Foto: Karl-Heinz Funke (l.) berät sich mit seinem Anwalt Peter Koch.

Oldenburg - Als Politiker gilt Karl-Heinz Funke als jemand, der gern und auch deftig redet. Bei Landwirten kommt der 66-Jährige noch heute gut an. Seine populistische Art wird von Kritikern aber oft bemängelt. Als Angeklagter ist Funke schweigsam.

Ein einziges Wort kam über seine Lippen: „Ja“, sagte Karl-Heinz Funke auf die Frage des Richters, ob es seine Erklärung gewesen sei, die Verteidiger Manfred Koch vorgelesen hatte. Der frühere Bundeslandwirtschaftsminister muss sich wegen Untreue in zwei Fällen vor dem Landgericht Oldenburg verantworten. Das politische Urgestein ist bekannt für wortgewaltige Reden und deftige Sprüche. Doch zum Prozessauftakt am Mittwoch vor dem Landgericht Oldenburg schwieg der 66-Jährige.

Funke ist angeklagt, weil er sich als damaliger Vorsteher des Oldenburgisch-Ostfriesischen Wasserverbandes (OOWV) 2007 seine Silberhochzeitsfeier hat vom Verband bezahlen lassen. Außerdem soll er das Jahresgehalt des mitangeklagten früheren OOWV-Geschäftsführers auf 270 000 Euro brutto erhöht haben. Dadurch habe der Wasserverband 86 000 Euro mehr ausgezahlt als durch die Satzung gedeckt war, sagte der Staatsanwalt.

Funke kam im hellgrauen Anzug mit Krawatte und setzte sich neben seine beiden Verteidiger. Das minutenlange Blitzlichtgewitter der Medienvertreter schien ihn nicht im geringsten zu stören. Er wirkte entspannt, hörte aufmerksam zu und flüsterte das eine oder andere Mal mit einem seiner Verteidiger. Viel reden wollte Funke auch am Ende des ersten Verhandlungstages nicht: „Ich will mich dazu nicht äußern“, sagte er der dpa, lächelte und verschwand.

Funke, der gut mit dem ehemaligen niedersächsischen Ministerpräsidenten und ehemaligem Kanzler Gerhard Schröder konnte, hatte als Landwirtschaftsminister im Land und im Bund immer mal wieder für Schlagzeilen gesorgt. Während der BSE-Krise 2001 reimte der Hobby-Poet: „Wenn der Korn kalt ist, das Essen gut ist und es nicht reinregnet, soll man nicht die Kneipe wechseln“ - und wehrte sich damit gegen Rücktrittsforderungen, musste schließlich aber Wochen später zurücktreten.

Auch mit dem Gesetz kam Funke schon in Konflikt. So mussten er und ein Bauunternehmer eine Geldbuße wegen ungenehmigten Bauens bezahlen. Dabei ging es um den Einbau von Dachgauben in das Wohnhaus Funkes sowie um eine Fahrzeug-Remise auf dem Grundstück. Ein Verfahren gegen ihn und seine Frau wegen Verstoßes gegen Schwarzarbeit wurde eingestellt. Ein Ermittlungsverfahren wegen Verdachts auf Spesenbetrug wurde 1994 ebenfalls eingestellt.

Im jetzigen Untreue-Prozess vor der Wirtschaftsstrafkammer hat Funkes Verteidiger Manfred Koch die Vorwürfe gegen seinen Mandanten zurückgewiesen. „Unser Ziel ist ein Freispruch, dafür sehe ich gute Chancen“, sagte er nach dem ersten Verhandlungstag. Von einst 28 Vorwürfen der Staatsanwaltschaft seien nur diese zwei übriggeblieben.

dpa

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