Ex-NPD-Chef Apfel serviert am Ballermann

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Foto: „Bei Jasmine und Holger“: Apfel serviert in seinem Restaurant in Palma.

Palme de Mallorca - Holger Apfel hetzte als NPD-Chef gegen Ausländer. Jetzt ist er selbst einer – als Restaurantbesitzer auf Mallorca. In seiner „Maravillas Stube“ sei jeder willkommen, so der 43-Jährige.

Schwitzende Leiber, alkoholgeschwängertes Gegröle, dröhnende Musik – das Bild vom unangenehmen Deutschen im Ausland ist auch am Strand von Palma auf Mallorca entstanden. Vielleicht ist das ein passender Ort für jemanden, der schon in Deutschland unangenehm auffiel: Holger Apfel, ehemals Parteichef der rechtsradikalen NPD, ist seit einer Woche mit seiner Ehefrau Restaurantbesitzer an der spanischen Partymeile. „Maravillas Stube – Restaurant bei Jasmin & Holger“ heißt das kleine Lokal, in dem, so erzählte der 43-Jährige nun der „Mallorca Zeitung“, „jeder willkommen ist, auch Linke oder Menschen anderer Nationalitäten“.

Vor nicht langer Zeit beschimpfte er Ausländer in Deutschland als „arrogante Wohlstandsneger“. Jetzt ist Apfel selbst zum Ausländer geworden – und findet nichts dabei, dass der Auswanderer bis zu seinem Rücktritt als NPD-Chef für „Auswanderung stoppen. Fachkräftemangel bekämpfen.“ stritt. Ein Patriot sei er gewesen, einer, der die NPD hin zur bürgerlichen Partei reformieren wollte, aber an ihr und ihren Intrigen gescheitert sei, sagt er. Vergessen, dass er Rudolf-Heß-Gedenkmärsche zur Erinnerung an Hitlers Stellvertreter organisierte, der Jugend Wehrmacht und Waffen-SS als Vorbilder empfahl und von der „Volksgemeinschaft“ redete.

In der NPD kam das lange gut an; sein Privatleben weniger. Seine mehr als 40 Urlaube auf der Mittelmeerinsel brachten ihm den Spottnamen „Malle-Holger“ ein. Ende 2013 kam es zum Bruch; die Partei bezichtigte den gebürtigen Hildesheimer des homosexuellen Übergriffs gegen einen Parteifreund.

Jetzt will Apfel nur noch nach vorn schauen und hofft, dass dies auch seine Gäste tun. Die „Maravillas Stube“ solle kein Treffpunkt der rechten Szene werden, sagt er. Vielmehr hofft er auf möglichst viele internationale Gäste. Schließlich habe es auch Molotowcocktail-Werfer gegeben, die Außenminister wurden, sagt er in Anspielung auf den Grünen Joschka Fischer. Trotzdem: Nicht jedem wird in der beginnenden Urlaubssaison Sangria und Schnitzel „bei Holger“ schmecken.

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