Abdichtung und Verfüllung vorgeschlagen

Experte: Bergung von Atommüll ist „Mission Impossible“

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Foto: Die Bergung der Fässer in der Schachtanlage Asse ist laut dem Vorsitzenden der Entsorgungskommission des Bundes ein aussichtloses Unterfangen.

Hannover - Das Bundesumweltministerium streitet mit seinem eigenen Berater über die Zukunft des Atommülls in der Asse bei Wolfenbüttel. Michael Sailer, Vorsitzender der Entsorgungskommission des Bundes, hält die Rückholung der 126.000 Fässer für eine „Mission impossible“, eine unmögliche Mission.

Die Asse drohe abzusaufen, sagte der Atomexperte am Wochenende der „Frankfurter Rundschau“. Besser sei es, die Kammern mit Barrieren abzudichten und die Hohlräume des Bergwerks mit Beton zu verfüllen. Dagegen sagte die Staatssekretärin im Bundesumweltministerium, Ursula Heinen-Esser in Interviews am Wochenende, die Räumung der Asse bleibe die bevorzugte Option. Sailers Argumente seien nicht neu, man werde sich damit auseinandersetzen.

SPD-Chef Sigmar Gabriel forderte ein Machtwort von Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU). Sailer versuche seit Jahren die Rückholung der Asse-Fässer mit Ferndiagnosen zu verhindern. Er sprach von einer „schwer erträglichen Verunsicherung“ der Bürger. Nach Meinung Gabriels fordere Sailer sogar zum Rechtsbruch auf. „Seine Betonvariante ist nicht in der Lage, die gesetzlich vorgegebenen Schutzziele des Atomrechts zu gewährleisten“, sagte Gabriel am Sonntag. Der Experte sei zudem befangen, weil er sich schon 2008 darauf festgelegt habe, dass es unmöglich sei, den Atommüll wieder aus der Asse zu holen.

Umweltstaatssekretärin Heinen-Esser entgegnete, dass Sailer und seine Kommission die Bundesregierung unabhängig beraten solle. Daher sei Kritik erlaubt.

Bei Politikern in Niedersachsen und Asse-Anwohnern stieß Sailers Vorschlag auf scharfe Ablehnung. Landesumweltminister Stefan Birkner (FDP) betonte: „Unser Ziel ist und bleibt es, die Abfälle da rauszuholen.“ Ähnlich äußerte sich sein Parteifreund Björn Försterling, der auch Mitglied im Asse-Untersuchungsausschuss des Landtages ist: Bislang sei die Rückholung die sicherste Lösung für die Anwohner. Sailer müsse glaubhaft darlegen, wie sicher eine Verfüllung für die nachkommenden Generationen sei. Solange er dies nicht könne, solle er sich lieber konstruktiv einbringen. Grünen-Fraktionschef Stefan Wenzel nannte Sailers Einlassung „olle Kamellen“. Neue Informationen und Fakten sehe er in dem Vorstoß, „Fässer weiter zu vergraben“ nicht.

Der niedersächsische Landtag hatte sich vor Kurzem einstimmig für eine Rückholung der Fässer ausgesprochen. Bundesumweltminister Altmaier war kurz nach seiner Ernennung im Mai in Remlingen gewesen und hatte den Anwohnern eine schnelle Lösung versprochen. Ähnliches hatte im März auch sein Amtsvorgänger Norbert Röttgen angekündigt. Der erste Entwurf eines Asse-Gesetzes sieht vor, atomrechtliche Vorgaben für eine schnellere Bergung aufzuweichen.

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