Costa Concordia

Experte fürchtet die stürmische See

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Bereit zur letzten großen Reise: Das Wrack der „Costa Concordia“ liegt aufgerichtet vor der Küste der Insel Giglio.

Giglio - Ihre Reise endet dort, wo sie begonnen hat. Mehr als zweieinhalb Jahre nach ihrer folgenschweren Havarie soll die „Costa Concordia“ in ihrem Heimathafen Genua in einem aufwendigen Verfahren verschrottet werden. Zuvor steht dem Kreuzfahrtriesen aber noch seine letzte Reise durch das Mittelmeer bevor. Es ist die letzte Etappe der rund 1,5 Milliarden teuren Bergung des Schiffes – mit vielen Risiken. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Wann geht die letzte Fahrt des Kreuzfahrtschiffes los? Alle sind derzeit zuversichtlich. Dennoch könnte sich der Abtransport der havarierten „Costa Concordia“ von der Küste der Insel Giglio um einen Tag auf kommenden Dienstag verschieben. Der italienische Chef des Zivilschutzes, Franco Gabrielli, sagte, schlechtes Wetter und mögliche Probleme mit der technischen Stabilisierung des Schiffes könnten eine Verschiebung notwendig machen.

Wie gelangt das Schiff nach Genua? Die „Costa Concordia“ wurde in der letzten Bergungsphase vor der Insel Giglio auf den Abtransport vorbereitet. Dort pumpen die Ingenieure Pressluft in die 30 Schwimmtanks an den Seiten des Schiffs, damit es Auftrieb bekommt. Für die Fahrt soll der Kreuzfahrtriese dann einen Tiefgang von etwa 17 Metern haben. Insgesamt vier Schlepper – zwei am Bug und zwei am Heck – werden die „Costa Concordia“ begleiten.

Wie lange dauert die Fahrt nach Genua und wer begleitet das Schiff? Etwa vier bis fünf Tage soll der 114 500-Tonnen-Riese für die 350 Kilometer lange Strecke bei einer Geschwindigkeit von zwei Knoten (rund 3,7 Kilometer pro Stunde) brauchen. Begleitet wird er auf seiner letzten Reise von mehr als zehn weiteren Schiffen. Darunter sind Umweltschützer, die Küstenwache, zahlreiche Spezialboote mit Werkzeug und einem Kran sowie ein Schiff, das Öl aufnehmen kann. Zudem begleitet ein Hubschrauber den Transport, der Luftraum wird geschlossen und das Meer rund um das Schiff abgesperrt.

Welche Risiken gibt es jetzt noch? Nach Angaben der Reederei sind die Risiken klein im Vergleich zu dem, was in den vorherigen Phasen der Bergung hätte geschehen können. Die Experten hoffen, dass Öl und andere gefährliche Flüssigkeiten in dem Schiff bleiben und bei der Verschrottung entsorgt werden können. Dennoch begleiten Umweltschützer den Transport, sie achten vor allem auf eine mögliche Wasserverschmutzung. Eine weitere Gefahr könnte ein Wetterumschwung sein – das Wrack der „Costa Concordia“ könnte hohen Wellen und Belastungen nicht standhalten. Projektleiter Nick Sloane bereitet vor allem das Wetter auf dem Meer Sorgen. Er erwarte keine Probleme, bis das Wrack mit seinen vier Schleppschiffen und zehn Begleitschiffen, die nördliche Spitze Korsikas erreichen werde, sagte Sloane. „Aber danach sind wir auf dem offenen Meer und das werden die schwierigsten 48 Stunden.“

Was geschieht in Genua mit dem Schiff und wie wird es verschrottet? Das Verschrotten des Schiffs soll noch einmal rund 22 Monate dauern. Wie italienische Medien berichten, sollen 700 Arbeiter den Kreuzfahrtriesen zerlegen. Im Containerterminal Voltri des Hafens in Genua ist eine 14 500 Quadratmeter große Fläche vorbereitet, wo Container und Geräte für die Arbeiten untergebracht werden. Im Wasser wird eine Fläche von 28 000 Quadratmetern benötigt. In der ersten Phase soll die Inneneinrichtung des Schiffs entfernt werden. Danach wird die „Costa Concordia“ in ein Bassin in einem Bereich für Schiffsreparaturen gebracht, wo die einzelnen Decks nach und nach demontiert werden. Für das endgültige Verschrotten kommt das Schiff dann noch einmal in einen anderen Bereich des Hafens. Insgesamt sollen etwa 80 Prozent der Materialen recycelt werden.

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