Nach Terroralarm in Bremen

Experten fordern Dialog mit Islamisten

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Nach dem Terroralarm in Bremen haben sich Islamexperten für einen Dialog mit Islamisten in der Hansestadt ausgesprochen.

Bremen - Nach dem Terroralarm in Bremen haben sich Islamexperten für einen Dialog mit Islamisten in der Hansestadt ausgesprochen. Nach Razzien und vorläufigen Festnahmen im Islamischen Kulturzentrum wies der Vereinsvorsitzende Mohammad Omar Habibzada jeglichen Terrorverdacht zurück und signalisierte Gesprächsbereitschaft.

Auch wenn der Bremer Innensenat das von einem Sondereinsatzkommando der Polizei durchsuchte Islamische Kulturzentrum (IKZ) als salafistisch einstufe, müsse man zwischen Gewaltbereiten und Friedfertigen differenzieren, sagte der Religionswissenschaftler Hans-Ludwig Frese der HAZ. Er fände es jedenfalls sinnvoll, wenn der Staat Gesprächsangebote von Fundamentalisten „nicht generell ausschlagen würde“. Denkbar wäre zum Beispiel eine Kontaktaufnahme über Vermittler. „Viele jugendliche Muslime sehen sich ohnehin schon im gesellschaftlichen Abseits und fühlen sich als Opfer von Diskriminierung“, meint Frese. Und diese Selbstwahrnehmung, ob berechtigt oder unberechtigt, könne zu einer Radikalisierung führen. Deshalb sei in vielen Fällen ein Dialog sinnvoller als eine weitere Ausgrenzung.

Am vorvergangenen Wochenende hatte es Warnungen vor einem möglichen Handel mit Maschinenpistolen in der islamistischen Szene in Bremen gegeben. Es folgten Razzien, unter anderem im IKZ, und zwei vorübergehende Festnahmen. Der Vereinsvorsitzende Mohammad Omar Habibzada hatte jeglichen Terrorverdacht zurückgewiesen und dem Bremer Senat Gesprächsbereitschaft signalisiert.

Das Gesprächsangebot des Vereins sei eine große Chance, findet auch ein Islamkenner aus der Bremer SPD, der nicht namentlich genannt werden möchte. Statt undifferenziert Etiketten aufzukleben, „wäre es wichtig, sich zu öffnen für diese Leute“, meint er. Sonst müsse man damit rechnen, dass „einsame Wölfe, die sich hier nicht willkommen fühlen, einem Rattenfänger nachlaufen und dann wirklich gefährlich werden“. Doch kurz vor der Bürgerschaftswahl am 10. Mai dürfte sich kaum ein Politiker trauen, ausgerechnet mit mutmaßlichen Salafisten zu reden. Die Sprecherin des Innenressorts sagt dazu nur: „Wir haben das Gesprächsangebot zur Kenntnis genommen und prüfen es.“

Senator Mäurer goss kürzlich sogar noch Öl ins Feuer: Mit Blick auf das IKZ behauptete er pauschal, Salafisten lehnten die Demokratie ab, propagierten die Vollverschleierung der Frau und befürworteten ihre körperliche Züchtigung. Habibzada widerspricht dem vehement. „Wir halten uns an deutsche Gesetze“, sagt er. Und: Manche Frauen in der Moschee seien voll verschleiert, andere nicht. Wer ohne Schleier beten wolle, werde nicht ausgeschlossen. „Das muss sie mit sich selber und mit Gott ausmachen.“

Von Eckhard Stengel

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