Erlass von Landwirtschaftsminister

Experten streiten über Ferkeltötung

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Foto: Ferkel betäuben – und dann? Der Ministererlass steht in der Kritik.

Hannover - Erhöht Ausbluten die Seuchengefahr? Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Grüne) hat seinen Erlass zum besseren Schutz von Ferkeln gegen Kritik verteidigt.

„Rot-Grün zieht die notwendigen Konsequenzen“, sagte Meyer am Mittwoch im Landtag. CDU und FDP hatten ihm vorgeworfen, den Erlass, der die Tötung von Ferkeln lediglich in Ausnahmefällen erlaubt, vor wenigen Wochen nur wegen einer TV-Reportage veröffentlicht zu haben. Die ARD hatte in einem Beitrag gezeigt, wie Ferkel auf den Boden oder an Mauerkanten geschlagen und so getötet werden. Mittlerweile hätten sich andere Bundesländer dem niedersächsischen Erlass angeschlossen, sagte der Minister.

Unterdessen diskutieren Experten weiter über die Frage, ob die in dem Erlass vorgeschriebene Tötungsmethode von Ferkeln die Seuchengefahr erhöht. Der Erlass schreibt im Namen des Tierschutzes vor, dass Ferkel nicht mehr wie bislang mit einem Schlag ins Genick getötet werden. Stattdessen werden sie mit einem Hieb auf den Kopf zunächst betäubt und sterben anschließend durch einem Halsschnitt. Der Schweinegesundheitsdienst der Landwirtschaftskammer Niedersachsen hatte das Verfahren kritisiert, da er eine leichtere Verbreitung von Seuchen befürchtet.

„Blut ist ein guter Erreger von Seuchen“, betont auch Prof. Karl-Heinz Waldmann, Leiter der Klinik für kleine Klauentiere an der Tierärztlichen Hochschule in Hannover (TiHo). Er will eine Methode erarbeiten, mit der Ferkel durch einen Stromschlag sterben. „Die Tiere werden zunächst mit Strom betäubt und in einem zweiten Schritt ebenfalls mit Strom getötet“, sagte Waldmann. „Wir müssen dies aber noch wissenschaftlich erforschen und auf sichere Füße stellen.“ Waldmann bezweifelt darüber hinaus, dass jeder Landwirt in der Lage ist, ein Schwein zunächst mit einem gezielten Schlag zu betäuben und dann per Schnitt in den Hals ausbluten zu lassen.

Waldmanns TiHo-Kollege Prof. Paul Becher, Direktor des Instituts für Virologie, betont, dass das Ausbluten von Tieren niemals gänzlich ohne Kontamination der Umwelt gelingen könne. „Dass dies zur Ausbreitung von Seuchen beitragen kann, ist nicht wegzudiskutieren.“ Allerdings dürften auch die ethischen Aspekte nicht vergessen werden. Man müsse sowohl den Tierschutz als auch die Tiergesundheit in die Entscheidung, wie Ferkel zu töten sind, einbeziehen. Matthias Kramer hingegen sieht nicht, dass vom Ausbluten eine erhöhte Gefahr ausgeht. „Ich gehe davon aus, dass die Landwirte das Blut ordnungsgemäß entsorgen“, sagt der Abteilungsleiter Tiergesundheit des Landesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES). Die Flüssigkeit müsse in einem Behälter aufgefangen und dann einem Unternehmen zur Tierkörperbeseitigung übergeben werden. Wenn jeder Landwirt sich den Vorschriften gemäß verhält, bestehe keine Seuchengefahr, sagt Kramer. Auch Lars Schrader, Leiter des Instituts für Tierschutz und Tierhaltung am Friedrich-Löffler-Institut in Celle, hält die Diskussion über eine vermeintliche Seuchengefahr für „nicht nachvollziehbar".

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