Gefahr am Gleis

Experten warnen vor explosiven DB-Fahrkartenautomaten

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Foto: Um an Geld zu kommen, leiten Kriminelle explosives Gas in die Fahrkartenautomaten, das auch erheblich später erst zur Explosion führen kann.

Berlin - Sie kommen mit Klebeband, explosivem Gas und jeder Menge krimineller Energie: Diebe jagen Fahrscheinautomaten in die Luft. Das könnte auch für Kunden und Passanten gefährlich werden, warnen Kriminalexperten.

Nach einer Warnung der Polizei vor möglicherweise explodierenden Fahrkartenautomaten will die Bahn die Geräte stärker kontrollieren. „Es ist nun kein Anlass zur Panik, aber doch zu verstärkter Beobachtung der Automaten“, sagte ein Sprecher der Deutschen Bahn am Donnerstag in Berlin. „Gerade auch in Bahnhöfen, die nicht so stark vom Publikum frequentiert sind.“ Das hessische Landeskriminalamt (LKA) und die Bundespolizei warnen vor manipulierten Geräten, weil diese explodieren könnten.

Unbekannte Täter hatten in den vergangenen Monaten mehrfach Automaten abgeklebt und mit Gas gefüllt. Sie jagen die Geräte in die Luft, um an das Geld zu kommen. Das Gas-Luft-Gemisch zündet aber nicht immer, die Automaten könnten womöglich später explodieren. „Das könnte tatsächlich schon beim Bedienen des Automaten passieren“, sagte LKA-Sprecher Udo Bühler der Nachrichtenagentur dpa. „Das ist sehr gefährlich.“ In Hessen seien bislang 16 Tatorte bekannt, in sechs Fällen seien die Geräte nicht explodiert.

Landesweit Automaten betroffen

Attacken auf Fahrscheinautomaten gibt es nach Angaben der Bahn in ganz Deutschland. Missglückte Zündungen seien aber Einzelfälle, berichtete der Konzern-Sprecher. Sicherheitsleute und Polizisten nähmen die Automaten bei ihren Streifen nun stärker ins Visier. „Wir bitten auch die Fahrgäste um erhöhte Aufmerksamkeit“, sagte er. Die Täter dichten alle Spalten, Schlitze und Öffnungen der Automaten mit Klebestreifen ab. Die Ermittler raten, verdächtige Geräte weiträumig zu meiden und die Polizei zu informieren.

Die Kriminellen schlagen eher auf dem Land zu, weniger in Metropolen. Zum Beispiel ließen Täter in der Nacht zum Donnerstag einen Automaten im hessischen Runkel-Arfurt hochgehen. Erst am Dienstag hatten Spezialisten ein manipuliertes Gerät im mittelhessischen Karben entschärft. Doch wer steckt hinter der Masche? „Bisher haben wir noch keine Spur von den Tätern“, berichtete Bühler. Die Ermittler gehen aber davon aus, dass zumindest einzelne Taten zusammenhängen.

Die Ganoven erbeuten nicht unbedingt hohe Summen, richten aber großen Schaden an. „Es ist nicht nur ärgerlich, weil den Kunden Automaten verloren gehen, die nicht verfügbar sind, sondern es kostet auch eine Menge Geld“, sagte der Bahn-Sprecher. Die Geräte müssten repariert und in vielen Fällen ersetzt werden, das koste jeweils fünfstellige Summen. „Das ist ein wesentlich größerer Schaden als der Schaden, der durch entwendete Geldkassetten entsteht.“

dpa

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