Voll Straßen wegen des Streiks

Experten warnen vor Stau-Rekorden zu Pfingsten

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Foto: Der Streik der Lokführer wird am Pfingstwochenende für besonders volle Straßen sorgen.

Hannover/Duisburg - Das Pfingstwochenende droht für Millionen Reisende zu einem Albtraum zu werden. „Autofahrer sollten für ihre Touren eineinhalb- bis zweimal so viel Zeit wie normal einplanen“, sagt der Stauforscher Prof. Michael Schreckenberg von der Universität Duisburg-Essen.

Der Streik der Lokführer, der bereits Mittwoch wieder den Personenverkehr empfindlich traf, macht die Pläne vieler Kurzurlauber zunichte. Wer auf das Auto ausweicht, muss sich auf massive Verkehrsbehinderungen einstellen. „Wir rechnen mit Stau-Rekorden“, sagt der Stauforscher Prof. Michael Schreckenberg von der Universität Duisburg-Essen. „Autofahrer sollten für ihre Touren eineinhalb- bis zweimal so viel Zeit wie normal einplanen.“

Hier kann es sich stauen

Vor allem auf den Autobahnen 1, 2 und 7 sind nach Aussage des ADAC in Niedersachsen Staus zu erwarten. „Das gilt besonders an den Baustellen, etwa an der A 2 zwischen Bad Nenndorf und Wunstorf-Luthe und an der A 2 zwischen Rennau und Helmstedt-Marienborn“, sagt ADAC-Sprecherin Christine Rettig.

Zudem staue sich im südlichen Niedersachsen an der A 7 häufig der Verkehr, etwa bei Hannoversch Münden. „Weitere Brennpunkte sind die A 7 bei Soltau in Richtung Süden und am Walsroder Dreieck in Richtung Norden, wenn sich jeweils die Zahl der Spuren verringert“, sagt Rettig. Auch zwischen Nörten-Hardenberg und Seesen gebe es an der A 7 eine akute Verkehrsgefährdung. Dazu kämen Ballungsräume wie der Großraum Hamburg, mehrere Stellen an der A 1 bei Osnabrück sowie die Straßen rund um Bremen. Bundesweit gelten außer Hamburg die Räume Köln, Frankfurt und München als Stauschwerpunkte.

Experten wie der Duisburger Hochschullehrer schätzen, dass vor allem zwischen Freitag und Sonnabendmittag sowie zur Rückreisezeit am Pfingstmontag und dem darauf folgenden Dienstag etwa zehn Prozent mehr Verkehr auf den Straßen sein wird als sonst während der Pfingsttage. „Der Freitag vor Pfingsten ist schon ohne Bahnstreik der höchstbelastete Tag im ganzen Jahr“, betonte Schreckenberg. Anders als an den Feiertagen dürfen morgen auch noch Lastwagen auf den Autobahnen fahren. Schreckenberg hält ein Lkw-Verbot an derartigen Hauptreisetagen für sinnvoll. „Eine solche Regelung würde helfen“, sagt der Physiker, der unter anderem den Verkehrsausschuss des Bundestages berät.

Auch der ADAC Niedersachsen warnt vor langen Wartezeiten auf den Straßen. „Die Autofahrer werden Geduld haben müssen. Wir merken ja jetzt schon die Auswirkungen des Bahnstreiks“, sagte ADAC-Sprecherin Christine Rettig. Schon Mittwoch hat der Ausstand der Lokführer Reisende in Hannover und andernorts erneut auf eine Geduldsprobe gestellt. Die Lokführer hatten in der Nacht zuvor ihre mittlerweile neunte Streikwelle auf den Personenverkehr in ganz Deutschland ausgedehnt. Im Norden konnten nach Angaben der Bahn nur ein Drittel aller fahrplanmäßigen Züge fahren. In der niedersächsischen Landeshauptstadt war im Fernverkehr besonders die Nord-Süd-Achse von Hamburg Richtung München betroffen. Bei der S-Bahn verkehrte etwa jede zweite Bahn, bei den Regionalzügen waren es noch etwas weniger.

S-Bahn:

  1. S1 Minden - Hannover - Haste: Die Züge fallen auf dem gesamten Weg aus.Die RegionalExpress-Züge zwischen Hannover und Minden halten zusätzlich in Lindhorst und Kirchhorsten.
  2. S 3 Hannover - Lehrte - Hildesheim: Keine Einschränkungen, einzige Ausnahme: Zwischen Lehrte und Hildesheim entfallen ersatzlos folgende Fahrten: Lehrte – Hildesheim um 6:36 Uhr, 7:36 UhrHildesheim – Lehrte um 7:01 Uhr
  3. S 4 Bennemühlen - Hannover - Hildesheim: Die Züge fallen auf dem gesamten Weg aus. Reisende von Emmerke fahren mit der NWB und dem Metronom über Nordstemmen. Der erixX hält zusätzlich in Bennemühlen, Bissendorf, Langenhagen-Kaltenweide.
  4. S5 Hannover-Flughafen - Hannover - Paderborn: Die Bahn fährt im Stundentakt zwischen Hannover-Flughafen und Hameln.Zwischen Hameln und Paderborn verkehren täglich 5 Zugpaare.
  5. S 6 Hannover - Celle: Alle Züge fallen aus.
  6. S7 Hannover - Lehrte - Celle: Die Züge fahren im Stundentakt. Die erste Fahrt startet ab Celle um 6:08 Uhr.
  7. S 21 Barsinghausen - Hannover: Ausfall
  8. S 51 Hameln - Seelze: Ausfall

Regionalverkehr:

  1. RE1/RE8 Bremen Hbf - Hannover: Zusätzlicher Schienenersatzverkehr mit Bussen
  2. RB 76/RB 78 Minden – Nienburg – Rotenburg: Zwischen Minden und Nienburg erstazlos Ausfall aller Fahrten.

IC/ICE:

  1. ICE München - Hannover - Hamburg: Fährt nur alle zwei Stunden
  2. ICE Köln - Hannover - Berlin: Fährt stündlich
  3. ICE Zürich - Hannover - Hamburg: Fährt alle zwei Stunden

Quelle: Deutsche Bahn

Individuelle Informationen zu Fahrten finden Sie auf der Webseite der Bahn.

Entlastung brachten die nicht vom Streik betroffenen Privatbahnen; auch stiegen viele Reisende auf Fernbusse um. „Wir verzeichnen seit Beginn des Streiks viermal so viele Buchungen wie davor“, sagte Marie Gloystein, Sprecherin von Mein Fernbus – Flixbus. Von Hannover aus seien etwa die Verbindungen nach Berlin und Hamburg stark frequentiert. „Am Wochenende werden wir Zusatzbusse einsetzen“, kündigte sie an. Von einer großen Nachfrage berichtet auch das Mietwagenunternehmen Sixt. Während des letzten Streiks sei die Flotte zeitweise nahezu ausgebucht gewesen, sagte eine Sprecherin. „Zusätzliche Autos haben wir nicht, aber wir versuchen die Flotte so zu steuern, dass mehr Fahrzeuge zur Verfügung stehen.“

Die Gespräche zwischen Deutscher Bahn und Lokführergewerkschaft GDL über eine Schlichtung im Tarifkonflikt liefen Mittwoch weiter. „Wir hoffen auf ein Zeichen der Bahn, damit das Pfingstwochenende noch gerettet werden kann“, sagte der Bezirksvorsitzende der GDL Nord, Hartmut Petersen.

Die Streiks der GDL

Im Tarifkonflikt bei der Deutschen Bahn hat die Lokführergewerkschaft GDL erneut einen Streik angekündigt - dieses Mal mit offenem Ende. Die bisherigen Verhandlungsrunden zwischen der Bahn und der GDL brachten keine Annäherung. Eine Übersicht über die Aktionen:

  1. 1. Warnstreik am 1. September 2014: dreiStunden im Personen- und Güterverkehr
  2. 2. Warnstreik am 6. September: drei Stunden im Personen- und Güterverkehr
    1. 1. Streik nach Urabstimmung am 7./8. Oktober: neunStunden im Personen- und Güterverkehr
    2. 2. Streik am 15./16. Oktober: 14 Stunden im Personen- und Güterverkehr
  3. 3. Streik vom 17. bis 20. Oktober: 50 Stunden im Personenverkehr und 61 Stunden im Güterverkehr
  4. 4. Streik vom 6. bis 8. November: 64 Stunden im Personenverkehr und 75 Stunden im Güterverkehr
  5. 5. Streik vom 21. bis 23. April 2015: 43 Stunden im Personenverkehr und 66 Stunden im Güterverkehr
  6. 6. Streik vom 4. bis 10. Mai: bislang längster Streik in der Geschichte der Deutschen Bahn AG - 127 Stunden im Personenverkehr und 138 Streikstunden im Güterverkehr
  7. 7. Streik vom 19. Mai: Ab 15 Uhr wollten die Lokführer im Güterverkehr die Arbeit niederlegen. In der Nacht zum Mittwoch sollte ab 2 Uhr dann der Personenverkehr bestreikt werden.

von Kristian Teetz und Bernd Haase

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