Zu viele Dung- und Gärreste

Wer fährt die Gülle durchs Land?

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Hannover - Im Land sind von Juli 2013 bis Juni 2014 rund 2,6 Millionen Tonnen mehr Dung und Gärreste angefallen als noch im Vorjahreszeitraum. In manchen Regionen des Landes leiden die Böden und das Grundwasser. Das hat der neue Nährstoffbericht ergeben, den Landwirtschaftskammer und Landwirtschaftsministerium vorgestellt haben.

„Niedersachsen hat in einigen Teilen zu viele Tiere und Biogasanlagen auf zu wenig Fläche“, sagte Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Grüne). Das betreffe vor allem die Landkreise Cloppenburg und Vechta. Das, was die Tiere hinterlassen, kann nicht allein auf den Flächen der Weser-Ems-Region verteilt werden. In fünf Kreisen der Weser-Ems-Region seien die Überschüsse derart hoch, dass 65.000 Hektar Ausbringungsflächen fehlen. „Das ist 20-mal so groß wie das Steinhuder Meer“, sagte Meyer.

Zudem fehle es an einer systematischen Verteilung der Düngemittel im Land. „Zu wenige Nährstoffe werden in andere Landesteile gebracht“, sagte Meyer weiter. Das führe unweigerlich zu einer Überdüngung. „Das müssen wir in den Griff bekommen.“ Eigentlich sei die Lösung ganz einfach: Aus den Überschussregionen mit vielen Tieren müssten einfach die Nährstoffe in die Ackerbauregionen des Landes gebracht werden. Dann gäbe es keinen Überfluss an Gülle mehr und die Landwirte in den tier- und damit güllearmen Gebieten wie der Region Hannover oder Wolfenbüttel könnten sich das Geld für Mineraldünger sparen. Weil aber überflüssige Gülle zuweilen nicht exportiert, sondern heimlich auf den heimischen Boden gekippt wird, leide das Grundwasser genauso wie die Böden unter einem Übermaß an Nitrat und Stickstoff.

Minister Meyer machte deutlich, dass „Appelle nicht mehr fruchten und die Datentransparenz zur Überwachung sowie das Ordnungsrecht verschärft“ werden müssten. Er kündigte für die nahe Zukunft einen neuen Runderlass an. Dieser solle „die Grundlage für eine bessere Überwachung von Neu- und Bestandsanlagen sein“, sagte Meyer. So wolle man die schwarzen Schafe der Branche erwischen. Wie Sozialministerin Cornelia Rundt (SPD) mitteilte, gebe es aber noch Gesprächsbedarf, was den Datenschutz angehe.

Bislang fehlten noch ausreichende Lagermöglichkeiten bei den Ackerbauern, um den Dünger flexibel abnehmen zu können, betonte der Präsident des niedersächsischen Landvolks, Werner Hilse. „Hier könnte das Land bei der einzelbetrieblichen Investitionsförderung einen Ausgleich herstellen.“ Der Bund für Umwelt und Naturschutz Niedersachsen (BUND) hatte bereits am Montag vor einem ausufernden „Gülle-Tourismus“ gewarnt. Der BUND-Landwirtschaftsreferent Tilman Uhlenhaut hatte gefordert, die Nährstoffüberschüsse dort zu reduzieren, wo sie entstehen.

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