Streit um Finanzierung

Fährt die Harzer Bahn bald aufs Abstellgleis?

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Bald nicht mehr unter Dampf? Die Harzer Schmalspurbahn könnte Probleme bekommen, wenn Nordhausen nicht mehr zahlt.

Hannover/Wernigerode - Möglicherweise können Harzurlauber bald nicht mehr mit der Dampflok zum Brocken fahren. Der zweitgrößte Anteilseigner der Harzer Schmalspurbahnen, der thüringische Landkreis Nordhausen, will aussteigen.

Für viele Urlauber sind die schwarzen Dampflokomotiven, die zum Brocken hochtuckern, die Hauptattraktion des Harzes. Doch jetzt fährt die Harzer Schmalspurbahn (HSB) in eine ungewisse Zukunft. Der thüringische Landkreis Nordhausen, mit 20 Prozent zweitgrößter Anteilseigner der kommunalen GmbH, überlegt, sich aus der Finanzierung zurückzuziehen und als Gesellschafter auszusteigen. Am 28. Mai entscheidet der Kreistag darüber.

Laut Kreissprecherin Jessica Piper unterstützt Nordhausen die HSB jährlich mit 153.000 Euro, das Stammkapital liegt bei knapp 307.000 Euro. Ungleich höher sind allerdings die jährlichen Zuschüsse, die von den Länder Sachsen-Anhalt (4,1 Millionen Euro) und Thüringen (1 Million Euro). Der Landkreis Nordhausen begründet seine Rückzugsüberlegungen nicht nur mit der klammen Kassenlage, sondern auch mit der Ausrichtung des Unternehmens. Vor allem mit der geplanten „gläsernen Werkstatt“ in Wernigerode werde der Schwerpunkt weiter nach Sachsen-Anhalt verlagert, hieß es. Bei den Mitgesellschaftern stößt die Ankündigung des Kreises auf Unverständnis. „Wir betrachten einen möglichen Ausstieg Nordhausens mit Sorge“, heißt es vonseiten des Kreises Harz, der mit 42 Prozent größter Anteilseigner ist und jährlich 322100 Euro an die HSB zahlt. Man habe die Kreistagsmitglieder in Nordhausen angeschrieben, um miteinander ins Gespräch zu kommen und Lösungen zu finden.

Die Stadt Wernigerode, mit 13 Prozent drittgrößter Gesellschafter, denkt nach Auskunft von Sprecher Andreas Meling überhaupt nicht an den Ausstieg. Im Gegenteil, die Harzer Schmalspurbahn sei der wichtigste Betrieb im gesamten Harz, sagte Meling - mit einer großen Wertschöpfung, nicht nur für die Bahn, sondern auch für die Kommunen an der Strecke. Ihre Förderung verbuche Wernigerode auch nicht als Betriebszuschuss. Es sei vielmehr eine touristische Investition.

Das Unternehmen selbst reagierte geschockt auf die Meldungen aus Nordhausen. „Wir sind beunruhigt“, sagte Dirk Bahnsen von der HSB gestern. Jährlich nutzen rund 1,2 Millionen Fahrgäste die Nostalgiezüge, die meisten die Verbindung zum Brocken. Auf der Strecke zwischen Nordhausen und Wernigerode („Harzquerbahn“) sind es rund 230000 Fahrgäste.

Seit 1991 besteht die kommunale GmbH, die die HSB trägt. „Bislang hat noch kein Kreis und noch keine Kommune diese Solidargemeinschaft aufkündigen wollen“, sagt Bahnsen. Von den zehn Gesellschaftern stammt nur einer aus Niedersachsen, die Braunlage Tourismus GmbH. Auch wenn frühere Pläne, die Schmalspurbahn bis nach Braunlage zu verlängern nach Auskunft des niedersächsischen Wirtschaftsministerium erstmal auf Eis liegen, hat die Zukunft des thürginischen-sachsen-anhaltinischen Verkehrsunternehmens auch Folgen für Niedersachsen. Der Harz und die Schmalspurbahnen gehören zusammen - über Ländergrenzen hinaus.

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