Schiff mit 459 Passagieren kentert

Fährunglück schockiert Südkorea

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Foto: Nach abweichenden Angaben waren 474 oder 477 Menschen an Bord der „Sewol“.

Seoul - Eine Fähre mit 459Menschen an Bord ist vor der Küste Südkoreas gesunken. Noch während die Fähre „Sewol“ sinkt, versuchen Rettungskräfte, Passagiere per Boot und Hubschrauber zu retten.

Ein Schulausflug endet in einer Katastrophe: Beim Untergang der Fähre „Sewol“ vor Südkorea am Mittwoch könnten fast 300 Menschen ums Leben gekommen sein, darunter viele Schüler. Etwa 280 der 460 Passagiere wurden bis zum späten Abend noch vermisst. Das teilte der Krisenstab des Ministeriums für Sicherheit und Öffentliche Verwaltung mit. 180 Menschen seien gerettet worden.

Die Helfer rechneten am Abend kaum damit, dass es noch Überlebende gibt. Die Behörden befürchteten, dass zahlreiche Passagiere im Inneren des Schiffs eingeschlossen wurden. Offiziell bestätigt war bis zum Abend der Tod von sechs Menschen. Mehr als 50 wurden verletzt. Aufgrund der Wassertemperatur von zwölf Grad seien die Überlebenschancen für die Vermissten sehr gering, zitierte die Zeitung „The Korea Herald“ Einsatzkräfte. Die Ursache des Unglücks war noch unklar, möglicherweise lief das Schiff auf einen Felsen auf. Auch ein Motorschaden wurde nicht ausgeschlossen.

Gerettete Passagiere berichteten von einem lauten Schlag, bevor das Schiff Schlagseite bekommen habe. Die „Sewol“ war auf dem Weg von Incheon zur südlichen Ferieninsel Cheju in Seenot geraten. Nachdem die Besatzung um etwa 9 Uhr einen Notruf abgesetzt hatte, lief eine großangelegte Rettungsaktion an, an der sich auch Fischerboote beteiligten. Starke Strömung und schlechte Sicht unter Wasser behinderten die Rettungsarbeiten. Auf Fernsehbildern war zu sehen, wie Mitglieder einer Marine-Spezialeinheit nach dem gesunkenen Schiff tauchten. Die Suche dauerte bis spät in die Nacht. Mehr als 100 Schiffe und Flugzeuge hätten das Gebiet um die Unglücksstelle abgesucht, die rund 20 Kilometer vor der Insel Chindo lag, berichtete die nationale Nachrichtenagentur Yonhap. Staatspräsidentin Park Geun Hye drängte wegen der heranbrechenden Nacht zur Eile. Sie sei „tief bestürzt“, sagte Park.

Bei den Todesopfern handelt es sich unter anderem um eine Angestellte des Schiffsbetreibers und zwei Schüler. Die Kinder gehörten zu einer Ausflugsgruppe der Danwon-Oberschule aus der Seouler Vorstadt Ansan. Das Fernsehen zeigte Bilder verzweifelter Väter und Mütter, die sich in der Schule versammelten oder in den Hafen im Südwesten des Landes eilten. Sie hofften auf Lebenszeichen ihrer Kinder.

„Ich hörte ein laut pochendes Geräusch, bevor das Schiff stoppte“, sagte ein Schüler per Telefon dem Kabelsender YTN. Nach dem Sprung ins Meer sei er zusammen mit anderen zu einem Rettungsboot geschwommen, sagte ein anderer Schüler.

Über die Wetterlage herrschte Unklarheit: Einige Medien berichteten, es sei zur Unglückszeit neblig gewesen. Der Rundfunksender KBS berichtete unter Berufung auf einen Beamten der Küstenwache, dass das Schiff aus noch ungeklärten Gründen auf der vielbefahrenen Fährstrecke möglicherweise außerhalb der normalen Route gefahren sei.

Auf dem Schiff waren nach jüngsten Angaben des Krisenstabs 459 Menschen – anfangs war von mehr als 470 die Rede gewesen. Auch hatten die Behörden kurz nach dem Untergang zunächst von etwas mehr als 100 Vermissten gesprochen. Die Zahl habe aufgrund von Fehlberechnungen nach oben korrigiert werden müssen, hieß es dann. Die 1994 gebaute Fähre konnte den Berichten zufolge mehr als 900 Passagiere und 130 Autos aufnehmen.

Chronik schwerer Fährunglücke

■  August 2013: Eine Fähre mit 870 Passagieren an Bord stößt in der philippinischen Provinz Cebu mit einem Frachter zusammen und sinkt. 55 Menschen sterben, 65 werden vermisst. ■  Oktober 2012: Im Hafen Hongkongs sterben mindestens 37 Menschen, als ihr Ausflugsboot mit einer Fähre zusammenstößt. ■ Februar 2012: Eine überladene Fähre sinkt in Bangladesch auf dem Fluss Meghna nach der Kollision mit einem Frachter. Von 250 Passagieren können sich nur rund 40 ans Ufer retten. Ende 2010 waren bei drei Fährunglücken in Bangladesch binnen eines Monats mehr als 160 Menschen gestorben. ■ Juni 2008: Vor der philippinischen Insel Sibuyan läuft eine Fähre mit mehr als 800 Menschen an Bord auf Grund und sinkt. Etwa 250 Leichen werden an umliegende Strände geschwemmt, mehr als 550 Menschen werden vermisst. ■  Dezember 2006: Bei stürmischem Wetter sinkt eine Fähre zwischen den indonesischen Inseln Java und Kalimantan. Mehr als 380 der 628 registrierten Menschen an Bord werden vermisst, 230 überleben.■  Februar 2006: Im Roten Meer sinkt eine brennende Fähre zwischen Saudi-Arabien und Ägypten. Mindestens 1027 der 1400 Passagiere sterben.

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