Festnahme in Hameln

Falscher Therapeut betreute Klinik-Patienten

+
Der 47-Jährige sitzt inzwischen in Untersuchungshaft.

Hameln - Ein falscher Psychotherapeut ist in Hameln aufgeflogen. Rund ein Jahr lang untersuchte er im Sana-Krankenhaus Patienten, erstellte Gutachten und kassierte dafür Geld.Bei der Festnahme des Mannes entdeckte die Polizei in seiner Wohnung auch Waffen.

Ein falscher Psychotherapeut hat Mitarbeiter und Patienten in einer Klinik in Hameln monatelang an der Nase herumgeführt. Der 47-Jährige habe im Sana-Krankenhaus Kranke untersucht, begutachtet und dafür Geld kassiert, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Hannover, Thomas Klinge, am Mittwoch. Die „Deister- und Weserzeitung“ berichtete, der Mann habe der Klinik gefälschte Urkunden über seine berufliche Qualifikation vorgelegt. Er war freiberuflich für das Krankenhaus tätig.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft soll der Mann zudem an seinem Wohnort in einem Ortsteil von Hessisch Oldendorf im Kreis Hameln-Pyrmont trotz fehlender Ausbildung und Approbation jahrelang eine psychologische Praxis betrieben haben. Auch dort habe er unzulässigerweise Patienten behandelt. Außerdem soll er zum Beispiel über Fettsucht-Patienten Gutachten erstellt haben, die dann bei Krankenkassen eingereicht wurden.

Falscher Therapeut besitzt Waffenarsenal

Für die Polizei ist der 47-Jährige kein Unbekannter. Weil er früher auch im Zusammenhang mit Waffendelikten aufgefallen war, rückte zur Festnahme das Spezialeinsatzkommando (SEK) an. In der Wohnung des Mannes stellten die Beamten zahlreiche Waffen sicher, darunter Pistolen und Gewehre sowie Munition und Granatgeschosse. Der 47-Jährige sitzt inzwischen in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm gewerbsmäßigen Betrug und Titelmissbrauch vor. „Insgesamt werden dem Mann 188 Straftaten zur Last gelegt“, sagte Sprecher Klinge.

Für die Hamelner Klinik sei der falsche Psychotherapeut beratend tätig gewesen, sagte Kliniksprecherin Natalie Arnold. So sei er ins Haus gerufen worden, wenn Patienten psychisch auffällig waren. Der 47-Jährige habe die Ärzte beraten, aber nie die Verantwortung für die Patienten gehabt.

Niemand schöpfte Verdacht

Rund ein Jahr lang habe niemand Verdacht geschöpft, sagte Arnold. Erst als die Klinik Hinweise aus der Bevölkerung über die fehlende berufliche Qualifikation des angeblichen Psychotherapeuten erhalten und danach genauere Erkundigungen über den Mann eingeholt habe, sei der Schwindel aufgeflogen.

dpa

Kommentare