Verdacht auf Brandstiftung

Familienvater soll Haus angezündet haben

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Obwohl die Feuerwehr gleich zur Stelle war, brannte das Haus fast völlig aus.Gossmann

Diekholzen - Mutter und vier Kinder werden aus dem brennenden Gebäude gerettet, während der Mann apathisch im Garten sitzt: Ein Familienvater soll das Mietshaus der Familie angesteckt haben. Das Paar hatte angeblich oft Streit.

Nach einem Feuer in einem Einfamilienhaus im Dorf Barienrode bei Diekholzen (Kreis Hildesheim ) ist der Mieter ins Visier der Ermittler geraten. Der Mann steht im Verdacht, den Brand am Montag selbst gelegt zu haben. Ob der 53-Jährige auch seiner Frau und vier Kindern etwas antun wollte, ist noch unklar. Laut Staatsanwaltschaft gehen die Ermittler aber auch dieser Frage nach. Es gibt offenbar Zeugenaussagen, die darauf hindeuten.

Dass die sechsköpfige Familie lediglich mit Verdacht auf leichte Rauchvergiftung in Krankenhäuser gebracht werden musste, ist drei Frauen zu verdanken. Sie waren etwa um 18.30 Uhr am Montagabend auf dem Heimweg vom Sport, als sie auf einem schmalen Fußweg an dem Haus vorbeikamen und den Brandgeruch bemerkten. Jenseits des Eisenzaunes, auf dem Außengelände, soll sich zu diesem Zeitpunkt der Familienvater aufgehalten haben. Seine 43-jährige Frau, ihr Enkelkind sowie die drei gemeinsamen Kinder des Paares waren da offenbar noch im brennenden Haus. Die Passantinnen schlugen sofort Alarm. Rechtzeitig, wie sich herausstellte. Denn die Frau und die Kinder, die zwischen sechs und zwölf Jahre alt sind, konnten das Haus noch rechtzeitig verlassen. Die Feuerwehr, deren Spritzenhaus nur 100 Meter entfernt liegt, war in vier Minuten zur Stelle, konnte aber nicht mehr verhindern, dass das Mietshaus ausbrannte.

Der 53-jährige Vater wollte wiederholt selbst in die Flammen laufen, wurde am Ende zu seiner eigenen Sicherheit in Handschellen gelegt. Der Mann wurde vorübergehend in einem psychiatrischen Krankenhaus behandelt. Seine Familie fand in der Nachbarschaft Unterschlupf. Zeugen berichteten gegenüber der Redaktion, dass die panischen Kinder schreiend aus dem Haus liefen und sinngemäß riefen, ihr Vater habe sie und ihre Mutter umbringen wollen.

Während die Löscharbeiten liefen, kümmerten sich Nachbarn und Augenzeugen um die Frau und die vier Kinder, gaben ihnen Brause und hüllten sie in warme Decken. Auch ein Notfallseelsorger versuchte, die Kinder und die 43-Jährige zu trösten.

Gegen den Vater wird wegen des Verdachts der schweren Brandstiftung ermittelt, sagte Oberstaatsanwalt Bernd Seemann. Das mögliche Motiv steht noch nicht fest, allerdings habe es Auseinandersetzungen zwischen den Eheleuten gegeben. So heftige, dass laut Seemann in der Vergangenheit auch schon die Polizei eingeschaltet wurde. Im Ort lebte die Familie eher zurückgezogen. Der 53-Jährige hat bei Bosch gearbeitet, soll aber zuletzt meist zu Hause gewesen sein.

Von Christian Wolters und Alexander Raths

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