Internes Papier des Kultusministeriums

Fehlen 1000 Lehrer in Niedersachsen?

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Foto: Niedersachsens Ministerpräsident David McAllister Kultusminister Bernd Althusmann erläuterten noch am Dienstag gut gelaunt die Beschlüsse der Landesregierung zur Unterrichtsversorgung.

Hannover - Niedersachsen droht möglicherweise ein großer Lehrermangel. Ein internes Papier des Kultusministeriums sieht für nächstes Schuljahr ein Minus von 1000 Stellen.

In Niedersachsen könnten im kommenden Schuljahr gut 1000 Lehrerstellen fehlen. Dies geht aus einem internen Papier des Kultusministeriums hervor, das der HAZ vorliegt. Danach sind Hauptursachen für das Loch der Abbau der von den Lehrern angesammelten Überstunden und die Einführung der Oberschulen. Ab Sommer müssen rund 20.000 Lehrer ein bis zwei Stunden in der Woche weniger unterrichten als eigentlich vorgeschrieben. Der Grund: Sie bummeln Überstunden ab, die sie von 1998 bis 2008 angehäuft hatten. Die von der Landesregierung eingeführte neue Form der Oberschule, eine zusammengefasste Haupt- und Realschule, kostet rund 510 Lehrerstellen. Denn sie ist anders als die meisten anderen Ganztagsschulen teilweise verpflichtend und hat nicht nur freiwillige Nachmittagsangebote für die Schüler. Der Lehrermangel wird nach dem Papier nicht durch die demografische Rendite ausgeglichen - dies meint durch den Schülerrückgang freiwerdende Lehrerstellen.

Vom Kultusministerium gibt es keine Bestätigung dafür, ob die Berechnung, die Ende Oktober 2011 erstellt worden ist, noch gilt oder nicht. „Wir werden im kommenden Schuljahr eine gute Unterrichtsversorgung an allen Schulformen sicherstellen“, sagt eine Sprecherin. Die Regierung sieht sogar noch den Spielraum, die Klassen zu verkleinern. So sollen im 10. Jahrgang ab Sommer nur noch 26 statt 32 Schüler sitzen. An den Grundschulen sinkt die Klassenobergrenze in den Jahrgängen 1 und 3 um zwei auf 26 Schüler.

Die kleineren Klassen an Gymnasien könnten Gesamtschulen Lehrerstellen kosten. Diese Befürchtung hegt die SPD. Bildungsexpertin Frauke Heiligenstadt sprach am Donnerstag von „Wortbruch und Stellenklau“. Hintergrund ist die Anweisung der Landesschulbehörde an Integrierte und Kooperative Gesamtschulen vom Donnerstag, aus dem Bezirk Braunschweig, Stellen für Gymnasiallehrer abzutreten, die in erste Ausschreibungsrunde nicht besetzt werden konnten.

Bislang sei es üblich gewesen, diese Stellen an den Schulen zu lassen, aber umzuwidmen, sagt der Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, Eberhard Brandt. So konnten Schulen, die etwa zunächst vergeblich einen Mathematik- und Physiklehrer gesucht hatten, in zweiter Runde eine Stelle für Mathematik und Englisch ausschreiben. Es wäre ein Skandal, wenn an einer Schulform Stellen gestrichen würden, damit an einer anderer Schulform Klassen kleiner werden könnten, sagte Brandt. Auch der Vorsitzende des Schulleitungsverbandes, Thorsten Frenzel-Früh, warnt davor, Schulformen gegeneinander auszuspielen.

Davon könne gar keine Rede sein, entgegnet die Ministeriumssprecherin. Richtig sei aber, dass es Änderungen bei den Ausschreibungen gibt.

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