Michelle Obama wird 50

Ein Fest für „Flotus“

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Washington - First Ladies stehen in den USA immer im Rampenlicht. Michelle Obama ist da keine Ausnahme. Ihr Engagement für gesunde Ernährung und für die Familien von US-Soldaten beeindruckt viele. Sie ist eine Stil-Ikone und wird jetzt 50 Jahre alt.

Der Politikbetrieb in der US-Hauptstadt sollte an diesem Freitag eigentlich auf Barack Obamas Rede zur Spionageaffäre konzentriert sein. Der Präsident will am Vormittag erklären, wie die massenhafte Datensammlung mit dem Schutz der Bürgerrechte in Einklang zu bringen ist. Doch die Aufmerksamkeit gilt an diesem Tag vor allem "Flotus". Zum 50. Geburtstag der "First Lady of the United States" spüren unzählige Autoren der Frage nach, wie es Michelle Obama zu eine der populärsten Persönlichkeiten Amerikas gebracht hat - und warum gerade unter Feministen die Enttäuschung über die Präsidentengattin so groß ist.

Auf der Absolventin der renommierten Universitäten von Princeton und Harvard ruhten von Beginn an große Hoffnungen. Mit Obama zog nicht nur der erste afroamerikanische Präsident in das Weiße Haus ein, auch seine Ehefrau erschien als Ausnahmetalent, die selbst in Nebenrollen Bemerkenswertes leisten könnte. Ohnehin stand sie in dem Ruf, ihre politischen Ziele leidenschaftlicher und im Zweifelsfall aggressiver zu vertreten. So kanzelte Michelle Obama zu Beginn der Präsidentschaft die Berater ihres Ehemanns schon mal als "Bengeltruppe" ab, die zu wenig auf Veränderungen pochen würde. Ihr zum Teil ruppiger Umgang mit dem damaligen Stabschef und dem Pressesprecher der Machtzentrale brachten ihr allerdings auch scharfe Kritik ein, die am Image des glamourösen Paares kratzte.

Michelle Obama stand kurzzeitig im Ruf, eine "wütende schwarze Frau" ("angry black woman") zu sein, die sich für Benachteiligungen rächen wollte, die sie und ihre Eltern und Großeltern früher erleiden mussten. Die politische Aktivistin, die sich ähnlich wie Hillary Clinton als First Lady nicht nur zur Repräsentation verpflichtet sah, nahm sich jedoch überraschend schnell zurück. Die Frau, die gemeinsam mit ihrem Mann angetreten war, politische und gesellschaftliche Grenzen zu überwinden, schwieg plötzlich zu den aktuellen Debatten. Sie schien sich künftig mehr mit ihrem Äußeren beschäftigen zu wollen - und posierte zweimal für das Titelblatt der Modezeitschrift "Vogue".

Wie sehr es weiterhin unter der Oberfläche brodelte, deutete sich erst wieder im Wahlkampf 2012 an. Die Frau, die vier Jahre zuvor noch mit dem Einzug in die 1600 Pennsylvania Avenue gehadert hatte, erwies sich als eine der stärksten Rednerinnen des Obama-Teams. Ihr Grundtenor lautet damals wie heute: Wer hart arbeite, soll es in den USA zu etwas bringen können. Entscheidend dürfe weder die Hautfarbe, noch die soziale Herkunft oder die sexuelle Orientierung sein.

Vor den unzähligen Gästen des Parteitags 2012 in Charlotte wusste sie ebenso die Werbetrommel für ihren Mann zu rühren wie in diversen Talkshows. Demokraten wie Republikaner ahnten gleichermaßen, dass sich diese Frau nicht auf die Rolle einer Mode- und Stilikone reduzieren lässt. Stärke demonstrierte Michelle Obama auch in der Zeit, bevor sie zur "Flotus" aufstieg. Langjährige Begleiter erinnern gern an eine Begebenheit, die bereits 13 Jahre zurückliegt: Die Juristin hatte sich damals als Geschäftsführerin des Universitätsklinikums von Chicago beworben und musste sich einem strengen Auswahlverfahren stellen. Zu dem entscheidenden Vorstellungsgespräch trat sie gemeinsam mit ihrer Tochter Sasha an, um zu demonstrieren, dass sie nicht nur eine Spitzenkraft ist, sondern auch Mutter. Das Krankenhaus stellte die Bewerberin trotz ihres ungewöhnlichen Auftritts ein - und Frau Obama sollte über mehrere Jahre deutlich mehr Geld verdienen als ihr Mann, der als Senator von Illinois im Washingtoner Kongress saß.

Es sind allerdings genau diese Vorzeichen, die nun die Kommentare der Frauenrechtlerinnen so negativ ausfallen lassen: Die First Lady soll endlich die Strickjacke ausziehen und den Hosenanzug aus dem Schrank holen, um für ihre politischen Ziele zu streiten, schreibt die Kolumnistin Keli Goff in dem Magazin "Root". Da sich der Präsident keine Sorgen mehr um seine Wiederwahl machen müsse, soll sie endlich auf den Tisch hauen. Und die renommierte Autorin Leslie Morgan Steiner fragt: "Michelle Obama ist die gebildetste First Lady in der Geschichte der Vereinigten Staaten. Können wir von ihr nicht mehr erwarten als Ernährungs- und Fitnesstipps?"

Zumindest kann man der Dame im höchsten Repräsentationsamt keinen mangelnden Geschäftssinn unterstellen: Ihr Mann erzielte mit seiner Biografie Einnahmen in Millionenhöhe. Ihr eigenes Buch über die Geschichte des Küchengartens am Weißen Haus kommt immerhin auf eine Auflage von mehr als einer Viertelmillion. Und ihr Engagement gegen die Fettleibigkeit, die in Amerika einer Volkskrankheit gleichkommt, erscheint vielen keineswegs als unpolitisch.

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