Grün, sozial, engagiert

Festivals wollen nachhaltig sein

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Festivals in Norddeutschland sollen nachhaltig sein.

Hannover - Sie werben nicht nur für ihre Stars, Festivalorganisatoren in Norddeutschland machen sich auch stark für „Green Camping“ oder „Grüne Energie“.

An einem Wochenende 640 Tonnen Müll zu hinterlassen - das haben allein im vergangenen Jahr rund 95.000 Festivalbesucher des „Wacken Open Air“ in Schleswig Holstein geschafft. Schmutz gehört zu jedem Festival, genau wie laute Live-Musik. Eine Umfrage der Nachrichtenagentur dpa ergab, dass Strategien für eine nachhaltige Gestaltung der Festivals mittlerweile aber fest zur Planung der norddeutschen Festivalbetreiber gehören. Mit Angeboten wie „Green Camping“ oder Slogans wie „Grüne Energie rockt“ werben sie pünktlich zu Beginn der Festivalsaison über die Musik hinaus für ein umweltbewussteres Erlebnis.

Seit vergangenem Jahr können Besucher des „Hurricane“-Festivals in Scheeßel „Grüner Wohnen“. In einem abgesperrten Bereich soll die Festivalgemeinde ruhiger und vor allem sauberer zelten können. „Die hohen Anmeldezahlen untermauern unsere Auffassung, dass das „Grüner Wohnen“ ein wichtiger Schritt in eine bessere Campingerfahrung für viele Besucher ist“, sagt Sprecher von FKP Scorpio, Carsten Christians. Wegen des großen Zulaufs gebe es in diesem Jahr einen zweiten Platz. Mülltrennung sowie Recyclinginseln auf den Campingplätzen gehören darüber hinaus zum Nachhaltigkeitsprogramm der Veranstalter.

Ein vergleichbares Angebot hat das „Deichbrand“-Rockfestival bei Cuxhaven. Auf dem 4,5 Hektar großen „GreenCamp“ gibt es Platz für etwa 3000 Camper. „Wir glauben, dass sich dieser Trend fortsetzen wird“, meint Geschäftsführer von ESK Events & Promotion, Marc Engelke. Unter dem Slogan „Grüne Energie rockt“ stellen die Veranstalter zudem gemeinsam mit dem Unternehmen The Electric Hotel einen umfunktionierten amerikanischen Wohnwagen als mobile Ladestation auf. Der Strom komme komplett aus regenerativen Energien.

„Wir verstehen Nachhaltigkeit mehrdimensional“, sagt der Sprecher des „MS Dockville“, Jean Rehders. Auf dem Hamburger Stadtfestival würden nicht nur Pfandbecher aus nachwachsenden Rohstoffen ausgegeben und Müll getrennt. „Wir nutzen unsere Gewinne, um kulturelle Projekte zu unterstützen“, sagt Rehders. Eine Ferienfreizeit für 150 Kinder solle die Lücke des lokalen Freizeitangebots in den Sommerferien schließen. Glücklich sind die Veranstalter über die umweltfreundliche Anreise: „Unserem Standort ist geschuldet, dass viele per Rad oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln statt mit dem Auto anreisen.“ Im vergangenen Jahr seien rund 4000 Fahrräder gezählt worden.

Auch das „Wacken Open Air“ sorgt sich um die Nachhaltigkeit: Ein mit der Universität Osnabrück entwickeltes Konzept sorge dafür, dass Grünflächen sich nach dem Festival schnell regenerieren könnten. „Außerdem wird der Müll getrennt von der Fläche gesammelt“, berichtet die Sprecherin des ICS Festival Services, Britta Kock. Gemeinsam mit den Behindertenwerkstätten aus der Region sei organisiert worden, dass während des Festivals Müllautos unterwegs sind. „Die Mentalität der Besucher in Bezug auf Müll hat sich auf jeden Fall verändert“, meint Kock.

Doch nicht nur die großen Festivals setzen auf Nachhaltigkeit: Bei der Planung des „BootBooHook“-Festivals in Hannover sollen lokale Anbieter dabei helfen, unnötige Transporte zu vermeiden, berichtet Sprecher Jörg Smotlacha. Das Festival werde zudem mit Ökostrom versorgt. „Ein Festival mit 10.000 Besuchern braucht fast so viel Strom wie ein Stadtteil an einem Wochenende“, begründet er. Die im Ticket integrierte Fahrkarte für die Öffentlichen Verkehrsmittel soll zudem Besucher motivieren, auf das Auto zu verzichten.

Das „Brocken am Rocken“-Festival im Harz bittet seine Facebook-Freunde um Vorschläge für mehr Sauberkeit. Innerhalb eines Tages meldeten sich mehr als vierzig User. Vorgeschlagen wird unter anderem, die Abgabe von zwei Kilo Müll mit Bier zu belohnen. Doch nicht alle Fans glauben an die Möglichkeit eines grüneren Festivals. „Ich sag’s mal ganz salopp, ein Festival ohne Müllberge gibt es nicht und ist nicht zu realisieren, wo Tausende Menschen feiern, voll sind und zelten“, meint User Tom Becks.

jhf/dpa

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