Falsche Entsorgung

Feuchttücher legen Kanalisation lahm

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Hannover - Sie sind praktisch, sorgen aber in den Kanalsationen der Städte für große Probleme: Feuchttücher. Das reißfeste Material lässt die Abflussrohre verstopfen.

Ob Bodenreinigung, Babypflege oder Badputz - das Feuchttücher-Sortiment ist üppig. Doch der Griff nach dem reißfesten Wegwerf-Vlies hat auch Schattenseiten. Neben dem hohen Ressourcenverbrauch sorgt die unsachgemäße Entsorgung über die Toilette in vielen Abwassersystemen für Probleme. Die Folgen müssen alle Verbraucher tragen - über die Gebühren. Feuchttücher bestehen aus Materialien wie Polyester, Viskose, Zellstoff oder Baumwolle. Sie sind mit Pflege- oder Reinigungslösungen getränkt. "Die Tücher stellen zunehmend ein Problem dar", seufzt Bianca Nitsch, Betriebsleiterin beim Kreisverband für Wasserwirtschaft in Nienburg. "Sie verknoten sich ineinander." Und dann verstopfen sie die Pumpen, wie André Haase vom Wasser- und Abwasserverband Wesermünde Nord ergänzt.

Bereitschaftsdienste müssen deswegen auch feiertags und nachts ausrücken, um Pumpen auszubauen und zu reparieren. "Feuchttücher sind wahre Pumpenkiller", sagt Andreas Körner vom Oldenburgisch-Ostfriesische Wasserverband (OOWV). "Fast täglich sind Pumpen verstopft, die das Abwasser ganzer Ortsteile zu den Kläranlagen befördern sollen."

Im flachen Norden ist die Behebung des Schadens dabei aufwendiger als beispielsweise in Göttingen. Während im Flachland häufig mit Druckentwässerung gearbeitet werden müsse, könnten in Göttingen die topografischen Höhenverhältnisse genutzt werden. Das Abwasser "läuft schon im Freigefälle ab", erläutert Werner Rusteberg von den Göttinger Entsorgungsbetrieben. Feststoffe wie die Feuchttücher könnten per Rechen herausgefiltert, geräumt und gepresst werden.

Die Fachleute appellieren an die Verbraucher, Feuchttücher stets über den Hausmüll zu entsorgen. "Selbst wenn auf manchen Verpackungen was anderes draufsteht", sagte der OOWV-Sprecher. "Grundsätzlich schaffen Feuchttücher viel Abfall und sollten daher am besten nur auf Reisen verwendet werden und nicht auch noch zuhause", rät Ann-Katrin Sporkmann vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland. Feuchttücher sind nicht allerdings nicht die einzigen Irrläufer im Kanal. Die Palette reicht von Kondomen, Wattestäbchen und Tampons bis hin zu Katzenstreu, Unterhosen, Medikamenten, Lösungsmitteln, Essensresten und Fett. Durch Fett und Essensreste könne sich der Kanal zusetzen, warnt Nitsch. Zudem würden Ratten angelockt, sagt Oliver Ladeur von Hansewasser Bremen. "Wanderratten fressen Küchenabfälle, die fälschlicherweise über die Kanalisation 'entsorgt' werden."

Probleme gibt es freilich nicht nur, weil in die Toilette geworfen wird, was nicht reingehört. Zu schaffen macht den Abwasserexperten auch ein geringer werdender Wasserverbrauch. "Die Leitungen sind für einen anderen Verbrauch dimensioniert. Aber der Frischwasseranteil geht immer mehr zurück", sagt Nitsch. Und weil nicht mehr genug Wasser durch die Rohre fließt, komme es häufiger zu Geruchsbelästigung und Verstopfungen. Die Kanalisation müsse öfter durchgespült werden. "Sparen ist ja gut und schön", meint Haase. "Aber die Kanäle sind für andere Mengen ausgelegt. Eigentlich müsste man die Rohre austauschen." Das würde allerdings teuer.

lni

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