Zerstörte „Rote-Rosen-Kulisse“

Feuer in Lüneburg war wohl Brandstiftung

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Foto: Das Feuer im Lüneburger Hafenviertel war mit hoher Wahrscheinlichkeit Brandstiftung.

Lüneburg - Das Feuer im Lüneburger Hafenviertel ist mit hoher Wahrscheinlichkeit gelegt worden. Polizei und Staatsanwaltschaft ermitteln nach Polizeiangaben vom Dienstag wegen schwerer Brandstiftung und elffachen versuchten Totschlags.

Das verheerende Feuer im historischen Wasserviertel Lüneburgs ist wahrscheinlich von einem Brandstifter gelegt worden. Die Ermittler haben Brandbeschleuniger in der Ruine gefunden. „Es gibt noch weitere Indizien, die wir aber aus ermittlungstaktischen Gründen zurzeit nicht nennen können“, sagt der Sprecher der Polizei Lüneburg, Kai Richter. In der Nacht zum 2. Dezember war in einem vierstöckigen Fachwerkhaus am Lüneburger Stintmarkt ein Feuer ausgebrochen. Der Straßenzug ist beliebt bei Touristen und bekannt aus der ARD-Serie „Rote Rosen“. Rund 500 Einsatzkräfte waren vor Ort, um den Brand zu löschen. Verletzt wurde niemand.

Die Brandursache war zunächst unklar. Nach und nach wurden Teile des einsturzgefährdeten Hauses abgetragen, damit die Brandermittler Spuren sichern konnten. „Als sich die Indizien für Brandstiftung verdichtet haben, wurde eine 15-köpfige Sonderkommission eingesetzt“, sagt Richter. Die Beamten ermitteln wegen schwerer Brandstiftung und elffachen versuchten Totschlags. Einen Tatverdächtigen gibt es bisher aber noch nicht.

„Es ist erschütternd, dass hier jemand kaltblütig das Leben der Bewohnerinnen und Bewohner aufs Spiel gesetzt hat“, sagt Lüneburgs Oberbürgermeister Ulrich Mädge. In dem Fachwerkhaus befanden sich ein italienisches Restaurant, ein Irish Pub und zwei Wohngemeinschaften in den Obergeschossen. Insgesamt mussten rund 80 Menschen aus den umliegenden Gebäuden und Hotels evakuiert werden. „Ich möchte mir gar nicht ausmalen, was passiert wäre, wenn das Feuer aufangrenzende Gebäude übergegriffen hätte“, sagt Mädge.

Der Lüneburger Stintmarkt

Mit seinem alten Kran und den pittoresken Häusern gehört das alte Wasserviertel Stintmarkt zu einer der beliebtesten Sehenswürdigkeiten Lüneburgs. Zu seinem Namen kommt das historische Viertel am Fluss Ilmenau durch den im Mittelalter beliebten Fisch Stint, der damals dort verkauft wurde. Statt Fischhändlern haben sich heute Wirte am Stintmarkt angesiedelt, die Gaststätten bilden die größte zusammenhängende Kneipenmeile der norddeutschen Hansestadt. Bekanntheit erlangte der Stintmarkt auch als Schauplatz der ARD-Fernsehserie „Rote Rosen“. Seit 2006 drehen die Regisseure der Telenovela im Hotel Bergström und nutzen auch die angrenzende Straße mit Fachwerkhäusern als Kulisse.

dpa

Der Brand war vermutlich durch eine Explosion in der Küche des Restaurants „La Trattoria“ im Erdgeschoss des Gebäudes ausgelöst worden. Als die Einsatzkräfte den historischen Stintmarkt am Ufer der Ilmenau erreichten, stand das Gebäude nach Polizeiangaben schon voll in Flammen. Der finanzielle Schaden wird auf 3,5 Millionen Euro geschätzt. Auch die angrenzenden Häuser wurden in Mitleidenschaft gezogen. Ob es sich dabei lediglich um Schäden durch die starke Rauchentwicklung handelt oder ob auch die Statik der Häuser betroffen ist, müssen laut Richter noch Gutachter prüfen.

Dort, wo jetzt eine hässliche Lücke klafft, soll nach dem Willen von Stadtverwaltung und Eigentümer bald wieder ein originalgetreues Fachwerkhaus stehen. Es gebe schon Gespräche mit einem Architekten, berichtet Oberbürgermeister Mädge. Auch aus der Landesregierung wurde bereits Unterstützung signalisiert. Ziel sei der Erhalt des schützenswerten Wasserviertels in vollem Umfang, sagte Sozialministerin Cornelia Rundt kurz nach dem Brand.

Anne Grüneberg

dpa

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