Engpässe bei Lehrgängen

Feuerwehr kämpft mit massivem Ausbildungsstau

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In der Warteschleife: Feuerwehrleute müssen teilweise Jahre auf Lehrgänge an der Akademie für Brand- und Katastrophenschutz warten.

Hannover - Niedersachsens Kommunen schlagen Alarm: Weil an der landeseigenen Akademie für Brand- und Katastrophenschutz nicht genügend Ausbildungsplätze angeboten werden, müssen Feuerwehrleute teilweise jahrelang auf Weiterbildungen warten. Sie fordern deshalb dringend Abhilfe durch die Landesregierung.

Feuerwehrleute in Niedersachsen müssen teilweise Jahre auf Lehrgänge an der Akademie für Brand- und Katastrophenschutz warten. In den Städten und Gemeinden fehlen sie den Feuerwehren deshalb als Führungs- und Spezialkräfte, etwa für ABC-Einsätze. Der Niedersächsische Städte- und Gemeindebund fordert daher das Innenministerium auf, kurzfristig Abhilfe zu schaffen. „Es wird nur die Hälfte des Bedarfs gedeckt“, sagt Berthold Ernst vom Städte- und Gemeindebund. „Wenn junge Kräfte zwei bis drei Jahre auf einen Lehrgang warten müssen, ist das kontraproduktiv“, so Ernst. Die Gefahr sei groß, dass der Frust der Wartezeit dazu führe, dass die Anwärter sich von der Feuerwehr verabschiedeten. Zumal manche Ausbildungen bis zu vier Lehrgänge benötigten, die einzeln beantragt werden müssten.

Der Landesregierung ist das Problem im Grunde nicht neu. „Die gegenwärtige Schulkapazität kann seit Jahren den Bedarf der Kommunen nicht decken“, erklärte Innenminister Boris Pistorius (SPD) in einer Antwort auf eine Anfrage der CDU-Landtagsfraktion vom Januar. Die Nachfrage nach Lehrgängen sei in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Seit 2010 könne man daher nur 50 bis 63 Prozent der beantragten Lehrgänge anbieten. „Um die Schulkapazität zu erhöhen, ist die Vergrößerung des Personalkörpers der Niedersächsischen Akademie für Brand- und Katastrophenschutz insgesamt erforderlich“, so Pistorius.

Die Akademie

Die Niedersächsische Akademie für Brand- und Katastrophenschutz verteilt sich auf zwei Standorte: Celle und Loy (Kreis Ammerland). Dort können sich Angehörige der Freiwilligen, Berufs-, Pflicht- und Werksfeuerwehren sowie des Katastrophenschutzes aus- und weiterbilden lassen. Zum Angebot der Akademie zählen unter anderem Kurse zum Leiten einer Feuerwehr, zum Führen im ABC-Einsatz, zur Absturzsicherung oder zur Notfallseelsorge. Der Standort Loy wurde 1930, der Standort Celle 1931 gegründet. Insgesamt können an beiden Schulen 220 Lehrgangsplätze angeboten werden. Bis heute wurden nach Angaben der Akademie rund 325 000 Teilnehmer geschult. Die Feuerwehrausbildung sowohl in Theorie und Praxis werde durch moderne Medientechnik und spezielle Übungsanlagen umgesetzt, heißt es weiter. In Celle werden auch die kommunalen Feuerwehrfahrzeuge geprüft und abgenommen.

Doch das ist nicht so einfach, denn die Fluktuation bei den Ausbildern ist sehr hoch. Auch Pistorius spricht von einer „starken Abwanderung“ von der Brandschutzakademie zu den kommunalen Berufsfeuerwehren. Diese zahlen oftmals bessere Gehälter und haben auch die attraktiveren Ruhestandsregelungen, sodass sich die Ausbilder schnell abwerben lassen. Im Umkehrschluss bedeutet das, dass oftmals gerade angelernte Ausbilder nach kurzer Zeit schon wieder ersetzt werden müssen. Deren Nachfolger müssen dann wiede­rum aufwendig ausgebildet werden.

Bis zum 1. April sollen vier neue Ausbilder für den Akademie-Standort Loy (Kreis Ammerland) bereitstehen. Danach plant die Akademie, fünf weitere Ausbilder anzulernen. Doch den Kommunen reicht das nicht. Die beschriebenen Maßnahmen reichten gerade aus, um die Ausbildungskapazität zu halten, tatsächlich werde der Bedarf in den nächsten Jahren aber noch steigen. Das bedeute, dass sich die Situation sogar noch verschlechtern werde. Das Innenministerium habe sich bislang auf die Nachwuchsgewinnung und die Förderung des Ehrenamtes konzentriert, diese „rudimentär skizzierten Lösungsansätze“ seien „nicht ausreichend“, kritisiert der Städte- und Gemeindebund in einer Erklärung.

Die Niedersächsische Akademie für Brand- und Katastrophenschutz hat unlängst erklärt, sie wolle im Jahr 2020 die Landesfeuerwehrschule erweitern. Ab dann sollen Lehrgänge auch auf dem ehemaligen Bundeswehrgelände im Celler Stadtteil Scheuen stattfinden können. „Das liegt aber noch zu weit in der Zukunft“, hatte Hannovers Regionsbrandmeister Karl-Heinz Mensing unlängst der HAZ gesagt. Der Städte- und Gemeindebund drängt daher die Landesregierung zu schnellen Lösungen.

Mit Imagekampagnen wirbt die Landesregierung seit Jahren um Freiwillige, vor allem im ländlichen Raum. Massiv ausgebaut wurden auch die Kinder- und Jugendfeuerwehren, um auf diesem Weg die Nachwuchssorgen der parallel zur Bevölkerung alternden Feuerwehren zu mildern. Tatsächlich erwiesen sich diese Programme als sehr erfolgreich: Die Zahl der Kinder- und Jugendfeuerwehren ist zuletzt jährlich gestiegen.

Von Heiko Randermann 
und Jörn Kießler

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