Brandschutzgesetz

Feuerwehr: Schluss mit 62?

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„Wir brauchen mehr junge Mitglieder“: Ob die Alten länger ran oder die Jungen früher angeworben werden sollen, darüber streiten Politiker und Feuerwehrleute seit Monaten.

Hannover - Freiwillige Feuerwehrleute dürfen nur bis zu einem Alter von 62 Jahren im Einsatz sein. Egal, ob sie körperlich noch fit sind. So steht es im Brandschutzgesetz des Landes – und das stößt auf Widerstand.

Löschen, retten, bergen, helfen - spätestens mit 62 Jahren ist damit in Niedersachsen Schluss. Dann müssen auch die engagiertesten freiwilligen Feuerwehrleute ihre aktive Karriere beenden, auch wenn sie sich noch fit genug für den Einsatz fühlen. So steht es im Brandschutzgesetz des Landes - und derzeit noch in der Novelle, die im Juli den Landtag passieren soll. Ob es dabei bleibt, ist offen.

Die Opposition - und auch die FDP - sieht in der Anhebung der Altersgrenze ein Rezept gegen den demografischen Wandel. Die Freiwilligen Feuerwehren haben in vielen Teilen des Landes seit Jahren mit einem Mitgliederschwund zu kämpfen. Andere Länder im Norden, wie Schleswig-Holstein oder Mecklenburg-Vorpommern, schicken darum ihre Brandbekämpfer erst mit 67 in den Ruhestand. Damit argumentieren die Befürworter. Entscheidend sei die Leistungsfähigkeit und nicht das Alter, sagt etwa der FDP-Innenpolitiker Jan-Christoph Oetjen. Grüne und Linke sehen das ähnlich. Klaus-Peter Bachmann von der SPD schlägt vor, die Regelung der Altersfrage den Kommunen vor Ort zu überlassen. Es sei „Blödsinn“, freiwillige Feuerwehrleute mit 62 in den Ruhestand zu schicken.

Damit scheint sich eine Mehrheit im Landtag gegen den ausdrücklichen Wunsch der Mehrheit im Landesfeuerwehrverband zu positionieren, in dem die knapp 130.000 Freiwilligen organisiert sind. „Sie können schon einen 62-Jährigen nicht mehr mit Atemschutzmaske in ein brennendes Haus schicken“, sagt dessen Präsident Hans Graulich. 72 Prozent haben auf dem Verbandstag dafür votiert, alles beim Alten zu lassen. Der CDU-Innenexperte Fritz Güntzler wirbt dafür, dass sich seine Fraktion dem anschließt: „Wir sind gut beraten, uns in einer so schwierigen Frage an die Fachleute zu halten.“

Feuerwehrpräsident Graulich glaubt auch nicht, dass mit der Anhebung der Altersgrenze das Problem gelöst würde: „Uns fehlen nicht die 60-Jährigen, uns fehlen die 40-Jährigen.“ Das Problem erledige sich nicht, indem die Älteren noch länger in die Einsätze gingen. „Wir brauchen mehr junge Mitglieder.“ Deshalb müssten die Kommunen dafür sorgen, dass das Ehrenamt attraktiver werde - sie könnten zum Beispiel freien Eintritt ins Schwimmbad gewähren, schlägt Graulich vor. Güntzler setzt darauf, den Nachwuchs schon im Kindesalter zu rekrutieren - „bevor sie andere Interessen entwickeln“. Mit der Brandschutznovelle würden erstmals Kinderfeuerwehren gesetzlich verankert.

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