Streit um Kutterkonzessionen

Der Fischbrötchen-Krieg

+
Foto: Machen mächtig Ärger: Die Fischbrötchen vom Stralsunder Hafen.

Stralsund - Der Backfisch von der Stralsunder Kaikante gehört für viele Urlauber zum Ostsee­urlaub wie Sand und Meer. Aber ausgerechnet hinter der urig-maritimen Hafenfassade tobt monatelang ein brutaler Streit um die Konzessionen für den Betrieb der Fischverkaufskutter.

Zwar fahren die alten Kutter im Hafen von Stralsund nicht mehr auf die See hinaus, und der verkaufte Fisch stammt oft nicht aus dem morgendlichen Fang, sondern vom Großhandel.

Das Stralsunder Landgericht hat nun im Prozess um den „Fischbrötchen-Krieg“ drei Angeklagte zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt – unter anderem, weil sie den für Verkaufslizenzen zuständigen Vizebürgermeister Dieter Hartlieb mit einem Totschläger angriffen.

Die wüste Geschichte von der Ostseeküste begann im vergangenen Sommer. Ein 29-Jähriger aus der Gegend lauerte den Richtern zufolge dem Vizebürgermeister Hartlieb mit einer Sturmmaske auf und attackierte ihn brutal. Der Mann aus dem Rathaus wurde schwer am Kopf verletzt und steht seitdem unter Polizeischutz. Der 29-Jährige muss für drei Jahre ins Gefängnis. Sein 34-jähriger Komplize wurde unter anderem wegen Anstiftung zur gefährlichen Körperverletzung zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt. Beide müssen zudem ein Schmerzensgeld von 2500 Euro an Hartlieb zahlen.

Gegen den dritten Angeklagten im Alter von 33 Jahren verhängte das Gericht eine Haftstrafe von zweieinhalb Jahren. Er war nach Überzeugung der Richter an Brandanschlägen auf einen Kutter und ein Auto einer Familie beteiligt, die in das Geschäft in Stralsund einsteigen wollte. Später hatten Unbekannte zudem im Bauamt eine Bombenattrappe hinterlegt.

Wer als Drahtzieher hinter den Angriffen steckt, ist aber auch nach dem Prozess nicht abschließend geklärt. Einer verdächtigen Stralsunder Fischkutter-Betreiberin, der Verbindungen ins Rostocker Rotlichtmilieu nachgesagt werden, war keine Tatbeteiligung nachweisbar. Die Verurteilten streiten die Tat nach wie vor ab und sehen sich als Opfer eines Racheaktes.

Sicher ist, dass das Geschäft mit den „Futter-Kuttern“ an der Ostseeküste sehr lukrativ ist – und mitunter düstere Gestalten anzieht. Branchenkennern zufolge macht ein Fischbrötchenkutter im Jahr etwa eine halbe Million Euro Umsatz. Da die Ware schnell verdirbt, biete der Fischhandel zudem gute Abschreibungsmöglichkeiten – beste Voraussetzungen für Geldwäsche, orakelte ein Ermittler am Rande des Prozesses. Beweise gibt es für derlei Theorien nicht.

Auch in anderen Häfen an der Küste von Mecklenburg-Vorpommern lief die Vergabe der Hafen-Konzessionen in der Vergangenheit bisweilen ruppig ab. So fühlte sich im Mai 2011 ein Gastronom in Zingst auf dem Darß von der Verwaltung hintergangen, weil er seine Lizenz an einen Konkurrenten verloren hatte, und vermutete Mauschelei. Ärger gab es auch in Warnemünde, weil dort ohne Erlaubnis ein älteres Schiff gegen ein neueres ausgetauscht worden sein soll.

Gerhard Kleine Wördemann

Kommentare