Havarierter Containerriese

„Flaminia“ kann nach Wilhelmshaven

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Der Containerriese „Flaminia“

Cuxhaven - Der Containerriese „Flaminia“ steuert weiter auf Wilhelmshaven zu. Ehe die teilweise gefährliche Fracht geborgen werden kann, sollte das Schiff am Samstagabend kurz vor Helgoland noch einen Stopp einlegen. Am Sonntag darf der Havarist zum Jade-Weser-Port geschleppt werden.

Der im Atlantik havarierte Containerfrachter „Flaminia“ nähert sich mit seiner teils gefährlichen Fracht immer mehr seinem Ziel Wilhelmshaven.

Nachdem das Schiff am Samstagmorgen deutsche Gewässer erreicht hatte, wurde es nördlich an den ostfriesischen Inseln vorbei in Richtung Helgoland geschleppt. Gegen 21.30 Uhr sollte die „Flaminia“ nach Einschätzung des Havariekommandos in der Tiefwasser-Reede etwa 30 Kilometer westlich der Hochsee-Insel eine Pause einlegen. Nach weiteren Prüfungen an Bord gaben die Experten für die Weiterfahrt des Großfrachters am Sonntag nach Wilhelmshaven grünes Licht.

„Vor Helgoland wird er am Abend und in der Nacht erst einmal verharren, weil die Einfahrt in Wilhelmshaven aus Sicherheitsgründen nur bei Tageslicht möglich ist“, sagte ein Sprecher des Havariekommandos in Cuxhaven der Deutschen Presse-Agentur. „Der Schleppverband kann morgen nach Wilhelmshaven einlaufen.“

Die unter deutscher Flagge für eine Buxtehuder Reederei fahrende „Flaminia“ war im Juli im Atlantik verunglückt. Nach einem Brand hatte es an Bord auch Explosionen gegeben. Das stark beschädigte Schiff trieb zunächst wochenlang im Ozean, weil gleich mehrere Länder keinen Nothafen für den Havaristen zur Verfügung stellen wollten. Das 300 Meter lange Schiff hat mehr als 2800 Container geladen, darunter 151 mit Gefahrgut. Auch das Löschwasser könnte verschmutzt sein.

Deutsche Bergungs- und Gefahrgut-Experten hatten den Frachter nach dem Durchfahren des Ärmelkanals und der niederländischen Nordsee in Empfang genommen und wollten Technik und Ladung an Bord der „Flaminia“ genauer untersuchen. Dabei kamen zwei Schiffe der Bundespolizei, das Mehrzweckschiff „Neuwerk“ und ein Seenotkreuzer zum Einsatz. „Unser Team wird abends wieder runtergehen“, hieß es aus dem Havariekommando. „Die Kollegen haben die Zeit seit dem Einfahren in deutsche Gewässer aber genutzt, um weitere Prüfungen zu machen.“

Es gebe nach wie vor keine Hinweise darauf, dass ein Weiterschleppen des Schiffes sowie die Bergung von Ladung und Löschwasser zu riskant für die Umwelt und das Wattenmeer seien.

Die Bergungsfahrt der „Flaminia“ heizte auch die Debatte um eine Reform des europäischen Notfall-Managements für Unfälle auf hoher See neu an. Vertreter verschiedener Parteien sprachen sich für eine Überarbeitung aus. Niedersachsens Wirtschaftsminister Jörg Bode (FDP) sagte auf dem 22. Hafentag in Stade, dass Deutschland für die Rückführung des Schiffes verantwortlich sei. Es müsse aber darüber diskutiert werden, ob die bestehenden internationalen und europäischen Regelungen zur maritimen Notfallvorsorge ausreichten.

Auch der Verband Deutscher Reeder (VDR) forderte die Politik zu Nachbesserungen auf. „Wer an Bord alles tut, um einen sicheren Schiffsbetrieb zu gewährleisten, darf im Notfall von Landseite nicht im Stich gelassen werden“, kritisierte VDR-Präsidiumsmitglied Ralf Nagel. „Die Umwelt darf im Fall einer Schiffshavarie nicht in Gefahr geraten, nur weil das europäische Notfallkonzept nicht greift.“ Die Erfahrungen mit der „Flaminia“ müssten in der Europäischen Union Folgen haben. Der Verband dring auf eine Aufarbeitung des Falls.

dpa

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