150 Container Gefahrgut

„Flaminia“ kommt nach Wilhelmshaven

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Die Flaminia kommt nach Bremerhaven

Cuxhaven - Seit fünf Wochen ist der ausgebrannte und mit rund 150 Gefahrgut-Containern beladene Containerfrachter „Flaminia“ auf See. Flüssigkeiten laufen nicht aus dem Schiffsrumpf aus, hieß es. Nach einer Inspektion soll er in deutsche Gewässer gebracht werden.

Der havarierte Frachter „Flaminia“ soll mit rund 150 Gefahrgut-Containern an Bord Anfang September deutsche Hoheitsgewässer erreichen. Zunächst müssten aber die Ergebnisse einer geplanten Sicherheitsinspektion vor Land’s End an der englischen Südwest-Küste abgewartet werden, teilte eine Sprecherin des Havariekommandos in Cuxhaven mit.

Wegen schlechten Wetters gelangten zwei internationale Expertenteams am Freitag nicht an Bord. Die Fachleute aus England, Frankreich, den Niederlanden und Deutschland wollten sich vor der englischen Küste einen genauen Überblick über den Zustand von Schiff und Ladung verschaffen, teilte das Havariekommando in Cuxhaven mit. Bei besseren Wetterbedingungen wollen die Experten erneut versuchen, an Bord zu kommen.

Die Stau- und Ladepläne liegen den beteiligten Behörden vor, bestätigte die Sprecherin Angaben der Reederei NSB in Buxtehude. Zur Ladung wollte ein NSB-Sprecher keine genaueren Angaben machen. Nach Recherchen von NDR 1 Niedersachsen sollen an Bord allein 54 Container mit entflammbaren, ätzenden oder giftigen Flüssigkeiten sein. Dabei soll es sich etwa um verflüssigtes Gas handeln, das zur Herstellung von Kühlmitteln verwendet werden kann.

Derzeit treten nach Angaben des Havariekommandos keine Flüssigkeiten aus dem Schiffsrumpf aus, ein Ölüberwachungsflugzeug hätte die „Flaminia“ am Donnerstag überflogen, hieß es in Cuxhaven.

Am 14. Juli war auf dem fast 300 Meter langen Frachtschiff ein Feuer in einem der Laderäume ausgebrochen. Ein Besatzungsmitglied kam ums Leben, ein zweites wird vermisst. Ein Seemann wird in einer Spezialklinik behandelt. Die „Flaminia“ soll nach aktueller Planung zunächst 22 Kilometer westlich von Helgoland ankern und dann nach Wilhelmshaven in den JadeWeserPort geschleppt werden.

Der ausgebrannte Containerfrachter solle so schnell wie möglich an die Küste gebracht und gelöscht werden, hat der Verband Deutscher Reeder (VDR) gefordert. Deutschland habe als Flaggenstaat eine Verantwortung, die dankenswerterweise vom Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung übernommen werde, erklärt Ralf Nagel, Präsidiumsmitglied des VDR. Es sei unverständlich, dass der Sinn des europäischen Notfallkonzeptes für Schiffshavarien seit mehreren Wochen von allen Küstenstaaten unterlaufen werde.

Die SPD-Landtagsfraktion hat am Freitag in Hannover eine außerordentliche sofortige Sitzung des Unterausschusses für Häfen und Schifffahrt beantragt. „Angesichts der bisher bekannten Informationen muss man sich sehr gut überlegen, ob man die Verbringung der „Flaminia“ in küstennahe deutsche Gewässer sowie ihre Entladung im JadeWeserPort in Wilhelmshaven so einfach erlauben darf“, erklärte der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Olaf Lies. Als „nicht akzeptabel“ bezeichnete Bremens Wirtschaftssenator Martin Günthner (SPD) die „Verweigerungshaltung“ anderer europäischer Staaten. „Diese Havarie zeigt, dass wir dringend eine verlässliche internationale Nothafenplanung benötigen“, sagte Günthner.

dpa

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