Keine Rückkehr in die JVA Lingen

Flucht des Sexstraftäters Thema im Landtag

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Hannover - Der nach seiner Flucht aus der JVA Lingen geflohene und nach einer Woche wieder festgenommene Sexualstraftäter soll jetzt von niedersächsischen Polizisten vernommen werden. Der 51-Jährige soll während seines Freigangs eine 13-Jährige missbraucht haben.

In die Justizvollzugsanstalt Lingen soll der Sexualstraftäter nicht wieder zurückgebracht werden.

Nach der Festnahme des flüchtigen Häftlings am Niederrhein haben sich niedersächsische Ermittler auf den Weg nach Kleve gemacht. Sie wollen den 51-Jährigen, der während seines Freigangs in Lingen eine 13-Jährige missbraucht haben soll, noch am Dienstag vernehmen, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Osnabrück, Alexander Retemeyer.

"Ob er da was sagen wird, müssen wir im Lauf der nächsten Tage sehen", sagte der Oberstaatsanwalt. Inzwischen habe das zuständige Gericht in Kleve einen Haftbefehl verkündet. Bei dieser Gelegenheit habe der 51-Jährige nichts zu den Vorwürfen gesagt. In die Justizvollzugsanstalt Lingen wird er voraussichtlich nicht mehr zurückkehren, sondern in die zentrale Einrichtung für Sicherungsverwahrte in Rosdorf bei Göttingen gebracht werden, sagte ein Sprecher des Justizministeriums.

Am Mittwoch beschäftigt sich der Landtag mit der Flucht. Justizministerin Antje Niewisch-Lennartz (Grüne) wird am frühen Nachmittag dem Rechtsausschuss in nicht-öffentlicher Sitzung berichten. Nach der Flucht waren Fragen aufgekommen, ob Gutachter die von dem Mann ausgehende Gefahr unterschätzt haben. Er war 2002 wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilt worden und befindet sich seit 2007 in Sicherungsverwahrung. Zuvor war er wegen Totschlags und dreier Sexualdelikte verurteilten worden.

Die oppositionelle CDU hatte der Ministerin mangelhafte Informationspolitik vorgeworfen. Ihr Verhalten werfe die Frage auf, wie sie grundsätzlich zur Sicherungsverwahrung stehe, sagte die Vize-Vorsitzende der CDU-Landtagsfraktion, Mechthild Ross-Luttmann, laut einer Mitteilung.

Niewisch-Lennartz hatte nach der Festnahme des 51-Jährigen am Samstag in Emmerich (Nordrhein-Westfalen) Erleichterung bekundet und für ihr Ministerium Aufklärungsarbeit angekündigt. Denn der Flüchtige hatte noch zwei Tage nach dem mutmaßlichen Missbrauch des Mädchens telefonisch Kontakt mit dem Gefängnis. Zu dem Zeitpunkt war bereits die Vergewaltigung bei der Polizei angezeigt. Der Anruf war schon Thema in der Sitzung des Landtags-Unterausschusses für Justizvollzug.

lni

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