Flüchtlingsunterbringung in Niedersachsen

Flüchtlinge auf die Nordsee-Inseln?

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Foto: Platz für Flüchtlinge? Die Insel Juist.

Hannover/Aurich - Auf der Suche nach Quartieren für Flüchtlinge schließen Landkreise an der Küste nicht mehr aus, Asylbewerber auf ostfriesischen Inseln unterzubringen. Derweil plant das Land die Errichtung von zwei weiteren Aufnahmestellen. Von der Insel Juist soll ein erstes Wohnungsangebot einer Vermieterin vorliegen.

Auch der Landkreis Leer schließt nach einem Bericht der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ eine Unterbringung von Flüchtlingen auf der Insel Borkum für die Zukunft nicht aus. Eine konkrete Planung gibt es jedoch derzeit nicht.

Bislang war die dezentrale Unterbringung von Flüchtlingen in kleinen Wohneinheiten das Ziel, sagte Rainer Müller-Gummels vom Landkreis Aurich. Doch das Angebot von Vermietern sei inzwischen begrenzt, daher werde in der Kreisstadt über die Teilnutzung der ehemaligen Kaserne nachgedacht. „Warum sollten wir dann nicht auch ein Angebot von den Inseln annehmen, wenn dort die baulichen Voraussetzungen stimmen?“, sagte Müller-Gummels.

„Der Druck nimmt zu, wir müssen darüber nachdenken“, sagte auch Dieter Backer vom Landkreis Leer. Dort kamen im vergangenen Jahr 520 Asylbewerber an. In diesem Jahr sollen es bis zum Ende des dritten Quartals schon 710 Asylbewerber sein. Hauptproblem auf den Inseln ist jedoch der teure Wohnraum. Besonders im Sommer sind die Quartiere knapp. Hinzu kommt die Pendelei zum Festland, wenn sich Flüchtlinge bei Ämtern wie der Ausländerbehörde melden müssen. „Das wird mit den Fährfahrten schnell zu einer Tagesreise“, sagt Backer. Wenn eine größere Gruppe Flüchtlinge etwa auf Borkum wohnen würde, müsse dort auch regelmäßig ein Behördenvertreter ansprechbar sein.

Um die weiter steigenden Flüchtlingsströme bewältigen zu können, sucht das niedersächsische Innenministerium derzeit nach Standorten für eine fünfte und eine sechste Aufnahmestelle, die jeweils 500 Flüchtlingen Platz bieten soll.

Von Hans-Christian Wöste und Heiko Randermann

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