Zwei Tote bei Absturz

Flugzeug zerschellt auf dem Brocken

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Brocken - Es gab einen Knall, dann fing die Cessna Feuer: Im dichten Nebel über dem Brocken ist am Freitagmorgen ein Kleinflugzeug abgestürzt. Die beiden Insassen sind laut Polizei verbrannt. Der 38-jährige Pilot und der zweite Insasse waren auf dem Weg von Rügen nach Hessen.

Es war am Freitagmorgen um 7 Uhr, als der Besitzer eines Rügener Autohauses und ein Begleiter in einer Cessna in Richtung Frankfurt am Main starteten. Auf dem Brocken stürzten sie mit dem Flugzeug in den Tod.

Der Meteorologe Matthias Glenk, der routinemäßig seinen Dienst in der Wetterstation auf Norddeutschlands höchstem Berg antritt, ahnt nicht, dass dieser Tag ganz anders sein wird als alle vorhergegangenen. Um 8.35 Uhr hört er einen ohrenbetäubenden Knall. „Ich bin ins Freie gelaufen und sah schon das brennende Flugzeug liegen“, erzählt er. Zum Zeitpunkt des Absturzes herrscht auf dem Berg dichter Nebel. „Wir nennen das Brockenwetter“, sagt Glenk, der seit 1991 auf dem Harzgipfel arbeitet. Die Waschküche lässt fast keine Sicht zu.

Nachdem Glenk den ersten Schock verdaut hat, alarmiert er per Notruf die Polizei. Es ist der erste Flugzeugabsturz auf dem Brocken. Offenbar, so schlussfolgert Glenk, kollidierte die tieffliegende Maschine mit dem 27 Meter hohen Windmast der Wetterstation, der nun völlig verbogen ist. Dann schlug sie kurz hinter der Teufelskanzel auf – nahe dem alpinen Brockengarten ins Renaturierungsgelände. Zurück bleibt ein brennender Trümmerhaufen. „Gott sei Dank hielt sich zum Zeitpunkt des Unglücks dort niemand auf“, sagt Brockengärtner Gunther Karste.

Gegen Mittag erklärt die Polizei, dass die Maschine von Rügen kam – vom Flugplatz Güttin – und in Richtung Reichelsheim bei Frankfurt am Main unterwegs war. Geflogen wurde die Cessna von Ralf H. Der 38-Jährige ist Besitzer eines Autotuningunternehmens in Samtens. Wer sein Begleiter war, ist unklar.

„Das ist ein furchtbares Unglück“, sagt Ina Waldürer vom Brockenhotel, das sich nur wenige Schritte von der Wetterstation entfernt befindet. „Wir haben den Knall gehört, aber die Sicht war so schlecht, dass man zunächst gar nicht sehen konnte, was passiert war.“ Brockenwirt Daniel Steinhoff fügt hinzu: „Wir haben Glück gehabt, dass das Flugzeug nicht gegen das Hotel geflogen ist, dann hätte es viel mehr Tote gegeben.“

Immer wieder bläst der Sturm über das Gipfelplateau und treibt dicke Wolken vor sich her. Als die Einsatzkräfte aus Schierke nur 20 Minuten später eintreffen, können sie nichts mehr unternehmen. „Wir konnten beiden Männern leider nicht mehr helfen“, erklärt Kreisbrandmeister Kai-Uwe Lohse. Während brennende Wrackteile gelöscht werden, bergen Feuerwehrleute die beiden Toten.

War es die schlechte Sicht? Flog der Pilot zu tief? War der Sturm schuld? Wie immer in solchen Fällen wird sofort die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung in Braunschweig eingeschaltet. Die Experten untersuchen das Unglück Harz.

Der Brocken

Der Brocken im östlichen Teil des Harzes ist mit 1141 Metern der höchste Berg Norddeutschlands. Nach dem Mauerbau 1961 war das beliebte Ausflugsziel bis Ende 1989 nicht für Besucher zugänglich, weil es in der Sperrzone an der innerdeutschen Grenze lag. Stasi und russische Spionageeinheiten hörten vom Gipfel Funk und Telefongespräche im Westen ab und überwachten den Luftraum. Seit Grenzöffnung und Wiedervereinigung kommen bis zu zwei Millionen Menschen jährlich auf den Brocken. Die meisten fahren mit einer Schmalspurbahn hinauf. Andere nehmen einen der Wanderwege. Allerdings hüllt sich der Berg im Nationalpark Hochharz häufig in Nebel oder Wolken. Im Winter sind Schneehöhen von 1,50 Meter keine Seltenheit.

Von Andreas Dunte

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