Studie über das Altern

Forever young

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Kopfsache: Dieter Hallervorden als Marathon-Mann im Kinofilm.

- Eine britische Studie belegt: Ältere Menschen, die sich jünger fühlen als sie sind, leben länger als andere.

Für viele Menschen bedeutet es eine Zäsur, wenn der 50. Geburtstag ansteht. Nicht wenige befällt eine Art Seelenkummer, gemeinhin als Midlife-Crisis beschrieben. Das Glas, es scheint halb leer – da trösten auch schlagerselige Weisheiten nicht, in denen das Leben ab 66 Jahren gepriesen wird. Und doch könnte da etwas dran sein.

Deutschen Rentnern geht es heute so gut wie keiner Generation vor ihnen. Geistig. Körperlich. Wirtschaftlich. Und es kommt noch besser, verspricht eine Studie britischer Forscher. Sie liefern Belege für die These, dass man nur so alt ist, wie man sich fühlt. Isla Rippon und Andrew Steptoe, zwei Epidemiologen vom University College in London, begleiteten beinahe 6500 Senioren – acht Jahre lang. Antwort geben sollten die Best Ager auf die Frage, wie alt sie sich denn fühlen.

Zu Beginn der Studie waren die Probanden älter als 52 Jahre, im Durchschnitt 65,8 Jahre. Mehr als zwei Drittel der Befragten hatte sich drei Jahre jünger eingeschätzt, von ihnen verstarben in den folgenden acht Jahren lediglich 15 Prozent. Von denen, die sich so alt fühlten, wie es ihr Geburtsdatum auswies, erlebten bereits 20 Prozent das Ende der Studie nicht mehr. Dramatisch wurde es bei denjenigen, die sich rein mental ein Jahr älter wähnten, als sie in Wirklichkeit waren – knapp 25 Prozent starben vor Ablauf der Untersuchung. Erhebliche Unterschiede, die die Forscher beobachteten und die sie nicht allein mit chronischen Krankheiten, Behinderungen und ungesundem Lebensstil beantworten konnten.

Welche Mechanismen dem Zusammenhang zwischen selbst empfundenem Alter und Sterberate zugrunde liegen, sei nicht bekannt. Nur so viel: Fühlt man sich jung, beeinflusst dies „die tatsächlichen Alterungsvorgänge positiv“, schreiben die Autoren. Und weiter: Möglich sei, dass gesundheitsbewusstes Verhalten, Belastbarkeit und ausgeprägter Lebenswille eine prominente Rolle einnehmen. Zudem sei der unbedingte Wunsch, Jüngeren auf Augenhöhe zu begegnen, förderlich. Weitere Studien seien nötig, um zu klären, wie die Selbsteinschätzung des Alters ihre Wirkung auf die Lebenserwartung entfaltet. Mediziner wissen seit Langem: Ältere Menschen sind heute biologisch bis zu einem Jahrzehnt jünger und leistungsfähiger als noch die 65- oder 75-Jährigen vor 50 Jahren.

Juliane Lange

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