Waldglashütte aus dem 9. Jahrhundert

Forscher stoßen auf Glashütte aus dem Mittelalter

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An der Oberweser haben Forscher eine Waldglashütte aus dem 9. Jahrhundert entdeckt.

Bodenfelde - An der Oberweser wurde im Mittelalter vermutlich schon deutlich früher Glas produziert als bisher angenommen. Er sei im Landkreis Northeim auf die Reste einer sogenannten Waldglashütte aus dem 9. Jahrhundert gestoßen, sagte der Archäologe Prof. Hans-Georg Stephan.

Bisher sei man davon ausgegangen, dass die mittelalterliche Glasherstellung in Deutschland erst im 12. Jahrhundert begonnen habe. Die Glashütte habe sich auf einer Waldwiese bei Bodenfelde befunden, sagte der Forscher von der Universität Halle-Wittenberg. Bisher sei nur ein kleiner Teil freigelegt. Für 2013 plane er aber eine größere Grabung.

Das Weserbergland war im Mittelalter eine der wichtigsten Regionen für die Glasproduktion. Nirgendwo in Europa gebe es eine größere Dichte von Waldglashütten, sagte Stephan. "Wir kennen mittlerweile fast 200 Standorte". Die ältesten bisher bekannten Glashütten stammen aus der Zeit um 1150.

Die Standortbedingungen zur Glasproduktion seien in der Region wegen des feinen Sandes, des vielen Holzes und der relativ guten Verkehrsbedingungen relativ gut gewesen, sagte der Archäologe. "Die Weser spielte dabei eine große Rolle".

Die Reste der jetzt entdeckten Glashütte seien ganz unscheinbar. "Die Spuren sind in den vergangenen 1100 Jahren durch Erosion stark verwischt worden". Dennoch haben die Forscher Reste der verglasten Ofenwandung gefunden, dazu Reste von Schmelzgefäßen und Gebrauchskeramik. "Diese Keramik ist besonders wichtig für die zeitliche Einordnung". Stephan vermutet, dass die Hütte im Auftrag des zu Beginn der 9. Jahrhunderts gegründeten Klosters Corvey Rohglas produziert hat, das dann im Kloster weiter verarbeitet wurde.

dpa

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