Gasvorkommen

„Fracking muss nicht schädlich sein"

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Fracking ist nicht überall beliebt, stellt sich laut Experten aber als nicht so gefährlich heraus wie befürchtet.

Hannover - Bislang wurde die Ausbeutung von Gasvorkommen - das sogenannte Fracking - von vielen Seiten als umweltgefährdend kritisiert. Jetzt kommt die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffen zu anderen Ergebnissen.

Fracking ist nach Einschätzung der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) längst nicht so gefährlich wie befürchtet. Die Ausbeutung von Gasvorkommen in tiefen Schiefergesteinsschichten sei möglich, ohne dabei die Qualität des Trinkwassers zu beeinträchtigen. Das ist das Fazit einer bisher unveröffentlichten Stellungnahme des BGR im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums. Die Geologen aus Hannover sollten ein Gutachten des Umweltbundesamtes (UBA) bewerten, dass sich Anfang September kritisch zum Fracking geäußert hatte. Beim Fracken wird ein Gemisch aus Wasser und Chemikalien unter hohem Druck in die Erde gepresst. Umweltschützer sorgen sich daher unter anderem um die Qualität des Trinkwassers in Niedersachsen.

In der Stellungnahme des BGR, die der HAZ vorliegt, widersprechen die Geologen in wesentlichen Punkten dem Gutachten des Umweltbundesamtes. Der Präsident des UBA, Jochen Flasbarth, hatte aufgrund der Untersuchung im September davon abgeraten, das in tiefen Gesteinschichten eingeschlossene Gas im großen Stil auszubeuten. Für die Energiewirtschaft war das keine gute Nachricht. In tiefen Schiefergesteinsschichten schlummern laut BGR bis zu 2,3 Billionen Kubikmeter Gas - vor allem in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. Damit ließen sich die Haushalte in Deutschland mehr als 20 Jahre lang versorgen.

Das Problem: Mit konventionellen Fördermethoden lässt sich der Rohstoff nicht ausbeuten - mithilfe des umstrittenen Frackings schon. Dabei wird ein Cocktail aus Wasser, Sand und Chemikalien unter hohem Druck in den Boden gepresst, wodurch Risse im Gestein entstehen und das eingeschlossene Gas austritt. Dieser Chemikaliencocktail könnte ins Grundwasser gelangen, lautet die Sorge von Umweltschützern.

Dem widerspricht das BGR: „Selbstverständlich“, sagt der Sprecher des Bundesamtes, sollte vor jeder Fracking-Maßnahme die Geologie vor Ort genau untersucht werden, um mögliche Verunreinigungen des Trinkwassers durch den Einsatz von Fracking-Fluiden auszuschließen“. So sehen es auch die Geologen der Bundesanstalt in ihrer Stellungnahme: Wenn das geschieht und solange die gesetzlichen Vorschriften eingehalten werden sowie technische Vorsorge getroffen wird, ist „aus geowissenschaftlicher Sicht prinzipiell ein umweltverträglicher Einsatz der Fracking-Technologie möglich“.

Die Geologen des BGR bemängeln am Gutachten des Umweltbundesamtes, dass es federführend von Hydrogeologen verfasst worden sei. Diese hätten nicht ausreichend berücksichtigt, dass die oberflächennahen Grundwasser mit dem Fracking-Cocktail gar nicht in Berührung kämen. Das Grundwasser nahe der Oberfläche würden ausreichend durch Gesteinsschichten geschützt, die Trinkwasser und die Gasvorkommen in großer Tiefe voneinander trennen.

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