Hells Angels auf Mallorca

Frank Hanebuth bleibt in Haft

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Rocker in Handschellen: Der ehemalige Hells-Angels-Chef Frank Hanebuth.

Hannover - In Handschellen auf Mallorca: Der Ex-Chef der hannoverschen Hells Angels, Frank Hanebuth, ist am Donnerstagvormittag dem Haftrichter auf der Urlaubsinsel vorgeführt worden. Bis Freitagmittag bleibt der Rockerchef in Haft.

Um kurz nach 10 Uhr stoppte am Donnerstag ein dunkelgrüner Peugeot-Kleinwagen vor dem Gerichtsgebäude in Palma de Mallorca. Zwei Beamte der Guardia Civil öffneten eine der hinteren Türen. Von der Rückbank zwängte sich der knapp zwei Meter große Frank Hanebuth ins Freie. Der 48-jährige Hells Angel – nach Ermittlungen der spanischen Polizei Kopf des Rockerklubs auf Mallorca – trug Flipflops, kurze Hose, ein Hemd der Firma Harley-Davidson und ein Paar Handschellen. Als ein wartender Journalist Hanebuth um einen Kommentar zu den Ermittlungen und den Vorwürfen gegen ihn und die übrigen 24 Mitglieder seines Charters bittet, lächelt er und ruft: „Alles bestens!“

Den ganzen Tag lang, abgesehen von einer halbstündigen Mittagspause, wurden der ehemalige Präsident der Hells Angels Hannover und zehn weitere Rocker von Ermittlungsrichter Eloy Velasco vernommen. Anwaltlich vertreten wurde der Rockerchef von dem deutschen Juristen Klaus Beyer, der seine Kanzlei in Port d’Andratx hat, und einem spanischen Kollegen – einem ausgewiesenen Strafrechtsexperten. Die hannoversche Kanzlei von Hanebuths langjährigem Freund Götz von Fromberg hatte den Kontakt zu den spanischen Kollegen hergestellt.

Die professionelle Hilfe ist auch notwendig. Denn die Vorwürfe gegen Hanebuth und seine Rocker wiegen schwer. Die spanischen Strafverfolger werfen ihm unter anderem die Bildung einer kriminellen Vereinigung, Drogenhandel und Schutzgelderpressung vor. Zudem sollen die Höllenengel den Plan gefasst haben, ihr durch illegale Prostitution in Deutschland und der Türkei verdientes Schwarzgeld auf Mallorca zu waschen, indem sie den Bau einer Formel-1-Rennstrecke finanzieren wollten. Das Innenministerium teilte unterdessen mit, dass die bei der sogenannten Operation „Casablanca“ am Dienstag festgenommenen Rocker über Millionensummen verfügten.

Offenbar wollten die Hells Angels auf der bei deutschen Urlaubern beliebten Insel zum zweiten Mal den Plan realisieren, der bereits am Steintor in Hannover so gut funktioniert hat. Aus einem ehemals schmuddeligen Rotlichtbezirk hatten die Engel innerhalb weniger Jahre ein Szeneviertel für junge Leute gemacht, mit Klubs und Bars, die in der Regel von Mitarbeitern von Frank Hanebuths Sicherheitsfirma Bodyguard Security kontrolliert wurden – und damit eine in ihre Taschen sprudelnde Geldquelle erschlossen. Auch auf der inzwischen sehr in Verruf geratenen mallorquinischen Vergnügungsmeile, dem „Ballermann“, sollen sich die Rocker bereits eingekauft haben. Medienberichten zufolge sollen ihnen dort unter anderem mehrere Tabledancebars gehören. Dort sollen die Mitglieder des Mallorca-Charters regelmäßig Präsenz gezeigt haben. Die Rocker haben hier viele Stammlokale. Häufig sollen sie im „Casablanca“ zusammengesessen haben.

Erst gegen 19.30 Uhr beendete das Gericht die Vernehmung der Rocker. Sie soll heute ab 12 Uhr fortgesetzt werden. Für Frank Hanebuth bedeutete das eine weitere Nacht in einer Gefängniszelle. „Er hat die Sache ganz gut aufgenommen, jeder andere wäre nervöser gewesen“, sagt sein spanischer Rechtsanwalt Klaus Beyer der HAZ.

Der Bund Deutscher Kriminalbeamter begrüßte unterdessen das Vorgehen der spanischen Behörden. Den kriminellen Rockergruppen müsse klar sein, dass man in Deutschland verfügte Vereinsverbote nicht durch eine einfache Verlagerung ins europäische Ausland umgehen könne, sagte Gewerkschaftschef André Schulz. „Der BDK fordert ein bundesweites Verbot der kriminellen Rockergruppierungen. Dies wäre ohne Weiteres möglich, wenn der Mut und Wille auch bei den verantwortlichen Politikern vorhanden wäre“, sagte Schulz.

So geht es weiter

Ermittlungsrichter Velasco hat heute eine schwere Entscheidung zu treffen: Reichen die Beweise für einen dringenden Tatverdacht, kann er gegen Hanebuth Haftbefehl erlassen – und der Rockerchef muss in U-Haft. Es besteht die Möglichkeit, den Haftbefehl gegen Auflagen auszusetzen. Dann käme Hanebuth frei, müsste sich aber regelmäßig bei der Polizei melden. Reicht die Beweislage nicht, kommt der Höllenengel sofort frei.

tm/sup/dpa

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