Papstbesuch in Süditalien

Franziskus exkommuniziert die Mafia

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Foto: „Die Mafiosi sind nicht in der Kommunion mit Gott“: Papst Franziskus bei seinem Besuch in Kalabrien.

Rom - Franziskus hat das Finanzkapital, den Menschenhandel und den Umgang mit den Flüchtlingen gegeißelt. Jetzt zieht er gegen die organisierte Kriminalität zu Felde.

Papst Franziskus hat Italiens Mafiosi als „Anhänger des Bösen“ jede Zugehörigkeit zur katholischen Kirche abgesprochen. „Diejenigen, die den falschen Weg wählen, wie auch die Mafiosi, sind nicht in der Kommunion mit Gott. Sie sind exkommuniziert“, sagte der Papst am Sonnabend bei einem Besuch in der süditalienischen Region Kalabrien, einer Hochburg der organisierten Kriminalität in Italien.

„Wenn die Bewunderung für Gott durch die Bewunderung für das Geld ersetzt wird, dann öffnet sich die Straße der Sünde, des Eigeninteresses und der Unterdrückung“, sagte der Pontifex bei einer Messe in Sibari. Er rief die Jugendlichen auf, den Versuchungen des schnellen Geldes zu widerstehen.

Zuvor hatte der Papst im Gefängnis von Castrovillari Angehörige eines dreijährigen Jungen getroffen, der zusammen mit seinem Großvater und dessen Lebensgefährtin im Januar bei einem Racheakt der Mafia ermordet worden war. Die Leiche des kleinen Cocó wurde später in einem verbrannten Auto entdeckt. Er bete für Cocó und für alle Kinder, die Opfer dieses Leidens seien, sagte der Papst. Cocós Vater sitzt wegen Drogenhandels in Castrovillari ein, die Mutter steht unter Hausarrest. Der Junge war im Gefängnis geboren worden und später bei seinem Großvater aufgewachsen. Im März hatte der Papst in Rom rund 900 Angehörige von Mafia-Opfern empfangen.

Franziskus sprach vor rund 100.000 Menschen in Sibari auch direkt die 'Ndragheta an, Kalabriens Variante der Mafia. „Die 'Ndragheta ist genau das - die Bewunderung des Bösen, die Missachtung des Gemeinwohls. Gegen dieses Böse muss angekämpft werden.“ Die 'Ndragheta gilt als eine der mächtigsten Organisationen der Unterwelt mit Milliardenumsätzen. Ihre Verbindungen reichen bis nach Nordeuropa, Südamerika und den USA.

Italiens Ministerpräsident Matteo Renzi begrüßte die Papst-Worte. Die Botschaft sei stark und deutlich. „Nun ist es an den Menschen guten Willens, sich nicht dieser Kultur der Illegalität zu beugen“, schrieb Renzi auf Facebook

Die Präsidentin der Antimafia-Kommission des Parlaments, Rosy Bindi, erklärte, Franziskus habe klargestellt, dass ein Zusammenleben mit der Mafia nicht möglich sei. Der Papst ziehe eine deutliche Linie zwischen den Gläubigen und den Mafiosi. Die organisierte Kriminalität könne aber nur besiegt werden, wenn dafür auch ihre wirtschaftlichen Strukturen zerschlagen würden.

dpa

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