Experten warnen

Frauen-Einfluss in der rechten Szene unterschätzt

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Weibliche Neonazis haben verstärkt Einfluss in der rechten Szene.

Erfurt - Sie schreiben Hetzreden oder kaufen Immobilien: Frauen sind inzwischen mehr als nur der soziale Kitt am rechten Rand. Ihre Rolle im Rechtsextremismus wird nach Meinung von Experten jedoch häufig unterschätzt.

Der Rechtsextremismus gilt vielen als absolute Männerdomäne. Das Klischee "rechts, männlich und gewaltbereit" hält sich hartnäckig, dabei haben Frauen längst auf zahlreichen Ebenen mit aktiven Gesinnungsgenossen gleichgezogen. Kennerinnen der rechten Szene sind überzeugt: Der Einfluss von Frauen im rechtsradikalen Spektrum ist weitaus größer als bisher angenommen. Frauen würden wesentlich weniger wahr- und noch weniger ernst genommen als männliche Neonazis, sie seien aber deshalb bei weitem nicht weniger gefährlich, warnt etwa die Thüringer Grünen-Landtagsabgeordnete Astrid Rothe-Beinlich, die sich seit Jahren mit der Thematik befasst.

Frauen erweckten vor allem den Anschein von Normalität, meint die Politikerin. "So stellt sich die provokante Frage: Hätten die beiden Männer des NSU ohne Beate Zschäpe so lange unerkannt quasi nebenan leben, Banken ausrauben und morden können?" Erst kürzlich beschrieb ein Zeuge im NSU-Prozess vor dem Münchner Oberlandesgericht Zschäpe als "liebe, gute Nachbarin", mit der man zusammen lachen konnte. Nach Lesart der Anklage hat Zschäpe für den legalen Anstrich gesorgt und somit die Anschläge der aus Jena stammenden Terroristen des "Nationalsozialistischen Untergrunds" (NSU) erst ermöglicht.

Die rechte Frau, die nach außen ein freundliches Image pflegt und im Hintergrund agiert, sei kein Einzelfall, sagt die Politikwissenschaftlerin und Soziologin an der Technischen Hochschule Nürnberg, Renate Bitzan."Frauen wirken innerhalb der rechtsextremen Szene stabilisierend und machen rechtsradikale Parteien anschlussfähig."

Wer sich als Frau in der rechten Szene engagiere, finde dort vielfältige Betätigungsfelder, weiß Bitzan. Nach ihren Worten pflegen diese Frauen nicht nur soziale Kontakte, organisieren Kinderfeste und Hausaufgabenhilfen, sondern entwerfen auch Flugblätter, mieten Räume für Veranstaltungen oder schreiben Propagandatexte.

Männer mit Familienwunsch müssten heute der braunen Szene nicht mehr den Rücken kehren, weil ihre Partnerinnen zugleich überzeugte "Kampfgefährtinnen" seien, meint Bitzan, die zu den Mitbegründerinnen des im Jahr 2000 ins Leben gerufenen Forschungsnetzwerks "Frauen und Rechtsextremismus" gehört. "Es gibt zunehmend Kinder, wo beide Elternteile diese Gesinnung haben." Das Familienleben sei daher auch stärker in den Fokus der rechten Parteien und Organisationen gerückt. "Von der Wiege bis zur Bahre gibt es in der Szene inzwischen Rundumangebote, das ist eine neue Qualität."

Organisiert sind Rechtsextremistinnen unter anderem in der "Gemeinschaft Deutscher Frauen", die sich einer sogenannten Brauchtumspflege und Mutterschaftsideologie verschrieben hat, sowie im "Ring Nationaler Frauen", der mehr auf politische Ziele abhebt.

Die Führungsposten bei rechtsextremen Parteien bleiben aber meist in Männerhand. So zählt die NPD nach eigenen Angaben in ihrem 33-köpfigen Bundesvorstand drei Frauen. Schätzungen zufolge sind von den rechten Parteimitgliedern bundesweit 20 Prozent weiblich. Unter den Wählern rechter Parteien findet sich etwa ein Drittel Frauen. Bei den rechten Einstellungen gibt es laut den gängigen Studien hingegen keine nennenswerten Unterschiede zwischen Frauen und Männern

Für den Szenekenner Stefan Heerdegen von der Mobilen Beratung in Thüringen (Mobit) steht fest: "Frauen sind in der Szene sichtbarer geworden." Parteien und Organisationen hätten sich mehr für sie geöffnet. "Das ist zwar ein langsamer Prozess, der aber Früchte trägt."

dpa

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