Kampf gegen Vorurteile

Freimaurer feiern Jubiläum

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Foto: Das Bild der Freimaurer ist von vielen Vorurteilen geprägt - das soll sich nach dem Jubiläum ändern.

Hamburg - Vor 275 Jahren wurde in Hamburg die erste deutsche Loge der Freimaurer gegründet. Zum Jubiläum will die als geheimnisvoll geltende Bruderschaft mehr Offenheit zeigen und so gegen Vorurteile vorgehen. Mehrere Ausstellungen sollen die Freimaurer vorstellen.

Zu ihrem 275-jährigen Jubiläum wollen die deutschen Freimaurer ihre Arbeit präsentieren und so Vorurteile abbauen. Im September plant der traditionsreiche Bund Ausstellungen, eine musikalische Uraufführung und Diskussionen in Hamburg. „Wir wollen uns zeigen und das Anliegen der Freimaurer vorstellen“, sagte der Großmeister der Vereinigten Großlogen von Deutschland, Rüdiger Templin, am Dienstag bei der Vorstellung des Programms.

Die Bruderschaft ist seit ihren Anfängen im 18. Jahrhundert von vielen Geheimnissen und verschwörerischen Theorien umgeben, sie trat bislang nur selten in der Öffentlichkeit auf. Rund 14.000 Männer bundesweit sind in sogenannten Logen organisiert. Die älteste ist die 1737 gegründete Hamburger Loge „Absalom zu den drei Nesseln“.

Es gibt auch Frauenlogen, deren Dachverband mit 400 Freimaurerinnen existiert aber erst seit 1982. Ein wichtiges Prinzip der Mitglieder ist die Verschwiegenheit über ihre Rituale.

Freimaurer bezeichnen sich selbst als politisch und religiös unabhängig. Sie treten nach eigenen Angaben für Brüderlichkeit und Toleranz ein. Zu den Zielen gehört auch die Hilfe für Menschen in Not. Schirmherrschaft für das Jubiläum hat Hamburgs Ex-Bürgermeister Ole von Beust (CDU) übernommen. „Ich bin kein Freimaurer, aber in der Haltung finde ich vieles interessant und bemerkenswert“, sagte er.

Anlässlich ihres Jubiläums wollen die Freimaurer die Initiative „Mehr Menschlichkeit im Alltag - eine Ressource im Überfluss?“ starten. Vom 15. bis 30. September ist eine Ausstellung im Rathaus geplant. 70 Karikaturen zu den Freimaurern sollen zudem vom 20. September bis 2. November in der Handelskammer zu sehen sein. Vom 28. bis 30. September werden dann bis zu 3000 Freimaurer aus aller Welt zu einem großen Festprogramm erwartet. Die Freimaurer stiften auch einen Brunnen für den Hamburger Michel. Höhepunkt des Festes soll die Uraufführung einer Sinfonie zur Ringparabel aus Lessings „Nathan der Weise“ sein, die für Freimaurer wichtige Botschaften enthält. Dabei will die Komponistin Gloria Bruni Klänge aus dem Handwerk einbauen.

Feiern wollen die Freimauer ihre seit Jahrhunderten andauernde Arbeit am „Rauen Stein“ für mehr Menschlichkeit. Das bedeutet, dass ein Freimaurer sein eigenes Denken und Handeln immer wieder selbstkritisch hinterfragt, um ein besserer Mensch zu werden. Wer Freimaurer werden will, muss ein „freier Mann von gutem Ruf“ sein, darf keine Schulden haben und nicht vorbestraft sein.

1717 wurde die erste Großloge in London gegründet. Die Zeremonien gehen auf mittelalterliche Bruderschaften von Steinmetzen zurück. Heute gibt es weltweit rund vier Millionen Freimaurer. Ihren Versammlungsort nennen die Freimaurer Tempel, organisiert sind sie in Logen. Freimaurer legen großen Wert auf ihre rituellen Arbeiten, die wie ein Theaterstück mit verteilten Rollen ablaufen. Zum Ritual in den fensterlosen Tempeln tragen die Männer einen schwarzen Smoking, einen Zylinder, weiße Handschuhe, einen Maurer-Schurz in Weiß und das Emblem der Loge. Streng geheim sind die drei Erkennungszeichen: ein Wort, ein Griff, ein Zeichen.

dpa

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