Umsatzrückgänge von 30 Prozent

Früherer Chef setzt Lotto in Hannover zu

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Foto: Rolf Stypmann

Hannover - 24 Jahre lang leitete Rolf Stypmann das staatliche Lotteriewesen in Niedersachsen. Nun hat er die Seiten gewechselt - und arbeitet für das in Deutschland als illegal angesehene Portal Lottoland.com.

Schon lange klagt das staatliche Lotto über illegale Konkurrenz durch Online-Glücksspiele. Rund 30 Prozent Umsatz büßte Lotto Niedersachsen binnen zehn Jahren ein. Der Kampf gegen die Internetangebote aber ist schwierig, zumal mit Rolf Stypmann ein erfahrener Jurist auf der Gegenseite arbeitet, der 24 Jahre lang das staatliche Lotteriewesen in Niedersachsen leitete. Seit knapp vier Monaten arbeitet der 67-Jährige für Lottoland.com. Das Unternehmen wird zwar in Deutschland als illegal betrachtet, verfügt jedoch über Wettkonzessionen in Gibraltar und Großbritannien, also in der EU.

Er solle doch „lieber seinen Ruhestand genießen“, hatte Stypmanns Nachfolger Axel Holthaus dem Vorgänger vor gut einem Jahr geraten. Da lieferten sich der alte und der neue Lottochef einen Kleinkrieg um Tantiemen vor Gericht. Doch der „Ruheständler“ heuerte überraschenderweise ausgerechnet bei der privaten Konkurrenz an, die die staatlichen Gesellschaften vehement bekämpfen. „Ich möchte Lottoland dabei unterstützen, wieder mehr Menschen für Lotto zu begeistern und das Image von Lotto zu entstauben“, erklärte Stypmann als neuer Sprecher von Lottoland.

Umsatzrückgang von rund 30 Prozent

Er sei „genau der Richtige für die Interessenvertretung unserer Spieler in Deutschland“, frohlockten die Onlineanbieter, während Stypmanns frühere Mitstreiter in Hannover grollten. Niedersachsen habe wegen der Konkurrenz durch das Online-Glücksspiel binnen zehn Jahren einen Umsatzrückgang von rund 30 Prozent verkraften müssen, erklärte gestern Lotto-Niedersachsen-Chef Axel Holthaus. Auch wenn sich die Spieleinsätze der Niedersachsen bei staatlichen Lotterien und Sportwetten im vergangenen Jahr stabilisierten, setzten illegale Glücksspielangebote im Internet dem staatlichen Lotto weiter zu.

Der Ärger von Lotto Niedersachsen richtet sich auch auf die von Malta aus betriebene Seite Lottoland.com. Wer hier tippe, könne gerichtlich belangt werden, der Verbraucher- und Datenschutz sei ebenso wenig gewährleistet wie die Überweisung eines Gewinns auf ein deutsches Konto, sagte Holthaus. Lottoland.com unterdessen sieht sich im Recht. Wie das Unternehmen erklärte, verstoße der deutsche Glücksspielstaatsvertrag gegen EU-Recht, wodurch auch das Verbot der meisten Formen privater Online-Glücksspiele hinfällig sei. Einen Eingriff in den Zahlungsverkehr hält Lottoland für unvereinbar mit EU-Recht und für technisch nicht realisierbar.

Von Michael Evers und Michael B. Berger

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