Das Wetter spielt verrückt

Frühling im Januar

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Foto: Im Berggarten in Herrenhausen blühen die Zierkirschen bei milden Temperaturen.

Hannover - Im Garten singen schon Amseln und Meisen, der Apfelbaum trägt erste Blüten - mit Winter haben diese milden Januartage wenig zu tun.

Die Gärtner in Niedersachsen immhin freut’s. „Das Wetter macht Lust auf Primeln und andere Frühblüher“, sagt Lutz Arnsmeyer vom Wirtschaftsverband Gartenbau, der rund 1000 Floristikbetriebe im Land vertritt. „Viele Menschen entsorgen jetzt ihre Weihnachtssterne und kaufen etwas neues Frisches.“ Zudem sei es so warm, dass bereits einige Gartenarbeiten erledigt werden könnten.

Für die Vögel ist es laut Nabu am besten, wenn man die Natur noch möglichst lange sich selbst überlässt und im Garten nur wenig aufräumt. Denn in Stauden und Sträuchern finden Vögel Nahrung. Es sei auffällig, dass es für Buntspechte und Kleiber, die oft im Winter an den Vogelhäusern picken, jetzt noch in den Wäldern genug zu fressen gebe, sagt Nabu-Sprecher Ulrich Thüre. Für die Eisvögel sei es gut, dass die Gewässer nicht zugefroren seien, und Maulwürfe könnten im weichen Boden noch viele neue Gänge graben. Die milden Temperaturen halten auch viele Kraniche, Stare und Graugänse, die sonst längst gen Süden unterwegs sind, noch in niedersächsischen Gefilden. Das seien aber meist nur vereinzelte Tiere, heißt es beim BUND. Viele Schwärme seien schon in Nordafrika, Spanien und Frankreich. Auch in der Baubranche freut man sich darüber, dass die Maschinen nicht einfrieren, Radwege weiter geteert und Betonfundamente für Häuser gelegt werden können. „Das Wetter spielt uns in die Karten“, sagt Matthias Wächter, Hauptgeschäftsführer vom Baugewerbe-Verband.

Trotz der Regel „Ist der Winter warm, wird der Bauer arm“ bleibt man beim Landvolk entspannt. Wintergetreide und Raps seien zwar schon gut entwickelt. „Entscheidend ist aber, wie der Rest des Winters verläuft“, sagt Sprecherin Gabriele von der Brelie. Problematisch sei es nur, wenn es plötzlich kalt werde, aber kein Schnee falle. Kühe, Pferde, auch Hühner könnten bei Temperaturen um die 15 Grad ohne Weiteres auch draußen sein: „Bei Tieren ist es wie bei den Menschen, frische Luft tut immer gut.“

Das frühlingshafte Wetter gefällt allerdings nicht allen. Mineralölhändler befürchten Umsatzeinbußen, Geschäfte bleiben auf Wintermänteln sitzen und Liftbetreibern im Harz fehlt der Schnee. Man hofft auf den Februar. Der Winter sei zuletzt ohnehin immer später gekommen. Wenn im Januar schon die Vögel sängen, könnte man vielleicht dafür im März noch Rodeln gehen. Wem dann wärmende Kleidung fehlt, der sollte jetzt einkaufen: „Ende des Monats wird es richtig billig“, rät Hans-Joachim Rambow vom Einzelhandelsverband.

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