Uni Göttingen

Führende Mediziner unter Plagiatsverdacht

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Die Universitätsmedizin in Göttingen.

Göttingen - Zwei hochkarätige Mediziner stehen unter dem Verdacht, ihre Hochschulprüfungen in Göttingen vor 40 Jahren unter fragwürdigen Umständen abgelegt zu haben. Es geht um den Karrierestart von Jörg Rüdiger Siewert, heute Leitender Ärztlicher Direktor der Uniklinik Freiburg, und seines früheren Schülers Hans-Fred Weiser, Verbandspräsident der Leitenden Krankenhausärzte Deutschlands.

Siewerts Habilitationsschrift für die Hochschullehrerprüfung und Weisers Doktorarbeit stimmen teilweise bis in den Wortlaut überein - ohne dass die Übernahmen als Zitate gekennzeichnet sind. Der Wächterrat für gute wissenschaftliche Praxis an der Universitätsmedizin Göttingen ist bei einer Überprüfung zu dem Ergebnis gekommen, dass es „einen Anfangsverdacht wissenschaftlichen Fehlverhaltens“ gebe. Die beiden betroffenen Mediziner sollen dazu nun schriftlich Stellung nehmen.

Erste Plagiatsvorwürfe hatten den Dekan der Göttinger Medizinischen Fakultät und UMG-Vorstandsvorsitzenden Prof. Heyo Kroemer nach eigenen Angaben schon im September erreicht. Das Ombudsgremium erklärte sich aber zunächst für unzuständig, weil Siewert und Weiser längst nicht mehr in der Göttinger Uni-Medizin beschäftigt sind. Diese Auffassung war allerdings ein Rechtsirrtum, wie ein Gutachten im Auftrag von Dekan Kroemer zu Jahresanfang zeigte.

Das laufende Göttinger Verfahren hat hochschulpolitische Brisanz: Denn die Universität Freiburg hat ihren leitenden Mitarbeiter Siewert schon Mitte Dezember von jedem „Anfangsverdacht“ freigesprochen. Zu diesem Ergebnis war eine Sonderkommission gekommen, die der Rektor auf Siewerts eigene Bitte eingesetzt hatte. Das eigentliche Ombudsgremium der Universität Freiburg war nicht eingeschaltet worden. Die genaue Begründung für Siewerts Entlastung hält die Universität Freiburg wegen angeblich vorrangiger „persönlicher Interessen“ geheim. Hingegen will der Dekan der Medizinischen Fakultät in Göttingen, Kroemer, das Ergebnis der anstehenden Göttinger Klärung „transparent und nachvollziehbar kommunizieren“.

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