Tretboote und die Tücken der See

Fünf Kinder geraten in der Ostsee in Gefahr

+
Der Bootsverleiher Norbert Babies hat den Kindern die Regeln erklärt.

Lübeck - Fünf Lüneburger Kinder trieben vor Travemünde in einem Tretboot gefährlich ab – und wurden gerettet. Jetzt ermittelt die Polizei und will die Frage klären, ob die Betreuer ihrer Aufsichtspflicht nachgekommen sind.

Starker Wind aus Südwest, dazu eine gefährliche Strömung: Für fünf Kinder einer Jugendgruppe aus Lüneburg hätte ein Ausflug mit dem Tretboot in der Lübecker Bucht böse enden können. Immer weiter auf die Ostsee hinaustreibend, wurden sie am Dienstag vom Seenotretter „Hans Ingwersen“ gerettet.

Die Wasserschutzpolizei hat jetzt Ermittlungen aufgenommen, dabei geht es um die Frage, ob die Betreuer ihre Aufsichtspflicht verletzt haben. Weil die drei Mädchen und zwei Jungen unter zwölf Jahre alt waren, hätten sie nach der sogenannten See-Sportbootverordnung das Tretboot gar nicht mieten dürfen, erklärte die Wasserschutzpolizei. Insgesamt sollen vier Boote mit Kindern der Jugendgruppe aus Lüneburg auf dem Wasser gewesen sein, zwei von ihnen trieben immer weiter aus der Badezone heraus. Über die Entfernung gibt es allerdings unterschiedliche Angaben. Die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger spricht von fast 700 Metern, die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft, die ebenfalls mit einem Boot zu den Kindern eilte, gibt lediglich 300 Meter an.

„Die Tretboote waren auf jeden Fall außerhalb der erlaubten Badezone“, sagt Karsten Dose, Sprecher der Wasserschutzpolizei Travemünde. In der 200 Meter breiten Zone dürften keine Surfer und Motorboote fahren, Tretboote dagegen schon. „Von dem ablandigen Wind bekommt man zunächst wenig mit“, erklärt Dose. „Die See wirkt ruhig. Das ist das Trügerische. Erst auf dem Wasser selbst merkt man, wie der Wind Fahrt aufnimmt und wie ablandige Wellen dann dazukommen. Das unterschätzen viele.“ Gerade Touristen, die Tretbootfahren nur von Binnengewässern kennen, würden das Risiko nicht erkennen: „Da sind Eltern, Betreuer und natürlich die Bootsvermieter dringend gefordert, vor der Abfahrt über die Gefahren aufzuklären“, mahnt Dose.

Das hat Norbert Babies nach eigenen Angaben getan. Der Bootsverleiher aus Travemünde hatte den Kindern das Tretboot gegeben: „Jeder bekommt vor Beginn der Fahrt eine genaue Einweisung, wo gefahren werden darf.“

Jan Wulf, Lucas Braun

Kommentare