Rätselraten um Absturz auf dem Brocken

Funkspruch noch kurz vor dem Tod

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Hannover - Im April stürzt ein Kleinflugzeug am Brocken ab, zwei Menschen sterben. Einen Monat nach dem Unglück ist die Ursache noch nicht geklärt. Jetzt wurde bekannt, dass der Pilot offenbar noch kurz vor dem Unfall einen Funkspruch absetzte und sich nach dem Wetter erkundigte.

Viele halten es schlicht für einen tödlichen Fehler des 38 Jahre alten Piloten, dass er mit seiner Cessna 182 am 11. April 2014 im dichten Nebel gegen den 27 Meter hohen Windmesser auf dem Brocken flog und abstürzte. Doch die Ermittler dieses bisher einmaligen Flugzeugunglücks im Oberharz, bei dem Pilot und Passagier in den Trümmern ihres Cockpits bis zur Unkenntlichkeit verbrannten, sind vorsichtiger. „Wir wissen bisher noch nicht einmal genau, welche Instrumente die Cessna an Bord hatte“, sagte einer der Ermittler der HAZ.

Denn das Kleinflugzeug war an jenem Freitag gegen 8.35 Uhr mit einer Geschwindigkeit von rund 180 Stundenkilometern ungebremst gegen die höchsten Aufbauten auf dem Brocken gerast und in die Anlagen des Botanischen Gartens dahinter gestürzt. Die Zerstörungen durch den schweren Aufprall wurden durch das anschließende Feuer noch größer. Denn die restlichen, rund 50 Liter Flugbenzin in den Tanks setzten die Trümmer in Brand. Die Unglücksmaschine hatte auf ihrem Flug von Rügen nach Reichelsheim nördlich von Frankfurt über dem Harz rund zwei Drittel der Strecke schon geschafft.

„Die sind bestimmt nicht mit Absicht in den Nebel geflogen“, hieß es am Freitag bei Ermittlern des Unglücks. Neben einem möglichen Pilotenfehler schließen sie eine Vielzahl anderer, noch unbekannter Einflüsse nicht aus. Offenbar hat sich der Pilot auf seinem Sichtflug noch kurz vor dem Absturz beim Fluginformationsdienst nach dem Wetter erkundigt. Ihm seien von dort keine Warnmeldungen übermittelt worden.

Kenner des besonderen Brockenwetters aber wissen, dass sich um den 1141 Meter hohen Gipfel, der sich für Flieger aus dem Norden schroff aus dem vorgelagerten Flachland auftürmt, direkt nach Sonnenaufgang die Sicht schlagartig ändern kann. „Wer unvorbereitet in diesen grauen, nebligen Hintergrund einfliegt, merkt das erst, wenn es zu spät ist“, so die Ermittler. Mit der Vorlage erster Erkenntnisse rechnen sie in einigen Wochen.

Von Hartmut Reichardt

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