Skifahren im Harz

Ganz in Weiß

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Foto: Das sieht schon richtig nach Winter aus, wenn die Seilbahn auf den Gipfel des Wurmbergs fährt.

Braunlage - Ab Sonnabend werden auf dem Wurmberg im Harz die Bretter angeschnallt: Erste Pisten sind dann befahrbar – HAZ-Redakteur Karl Doeleke hat sie vorab schon einmal getestet.

Noch bevölkerten am Freitag die Wanderer den höchsten Berg Niedersachsens. Das ändert sich ab heute: Auf dem Wurmberg werden die ersten Pisten für Skifahrer, Snowboarder und Rodler freigegeben. Zweimal schon war der Start im runderneuerten Skigebiet verschoben worden – es war zu warm, um die Schneekanonen schießen zu lassen. Am Sonnabend ist das vergessen. „Wir freuen uns riesig, endlich geht’s los“, sagt Dirk Nüsse, der Leiter der Wurmberg-Seilbahn. „Das wird super.“

Viele Touristen sind schon da. Man trifft sogar auf Niederländer, Dänen und Briten in der Gondel. „Wir sind sechs Stunden aus Dänemark hierhergefahren“, erzählt ein Ehepaar – „zum Skifahren“, sagen sie und gucken etwas unglücklich aus dem Fenster heraus. Sonntag reisen beide wieder ab – „bleiben noch eineinhalb Tage für die Piste“, rechnet er laut vor. Auch Liftchef Dirk Nüsse verschweigt nicht, dass die vergangenen Wochen an den Nerven gezehrt haben. Zwölf Millionen Euro hat die Betreibergesellschaft in Niedersachsens größtes Skigebiet investiert, das Land hat sich mit zwei Millionen Euro beteiligt, auch die Gemeinde Braunlage hat Geld in das für den Tourismus so wichtige Projekt gesteckt.

100 Tage weiße Pisten im Jahr, so lautete das Versprechen, das zugleich Hoffnung ist. Doch dann kam der ungewöhnlich warme Dezember, auch der größte Teil des Januar war einfach nicht kalt genug. Damit die Beschneiungsanlagen funktionieren, darf die Höchsttemperatur drei Tage lang minus drei Grad nicht übersteigen. Die Kritiker fühlten sich bereits bestätigt: Kunstschneeproduktion in Niedersachsen funktioniere einfach nicht.

Nüsse dreht den Spieß jetzt um: „Es war überall zu warm, ob in den Mittelgebirgen oder in den Alpen“, sagt der Seilbahnleiter. „Wir sind jetzt das einzige Skigebiet weit und breit, das geöffnet hat.“ 60 000 Kubikmeter Schnee haben die Schneekanonen seit Anfang der Woche bis Freitag produziert. Das reicht für den Skibetrieb: Am Sonnabend sollen 70 Prozent der Pisten befahrbar sein, ebenso die Rodelbahn und wahrscheinlich auch die neue „Snowtubing“-Strecke am Hexenritt. Am Sonntag sollen dann 80 Prozent der Strecken zur Verfügung stehen. „Dann ist hoffentlich auch die Talabfahrt geöffnet“, sagt Nüsse. 1800 Meter ist die längste Piste vom 971 Meter hohen Gipfel bis hinunter in den Ort lang. Bis Freitag gab es nur genug Kunstschnee für eine Fahrt bis zur Mittelstation der Seilbahn.

Optimal waren die Bedingungen gestern auch noch nicht. Die HAZ durfte vorab auf die Piste, sie ist recht hart. Man merkt, dass der Untergrund ausschließlich aus Kunstschnee besteht. Auf 30 Zentimeter aus den Schneekanonen kommen nur zwei Zentimeter natürlicher Schnee. Es braucht Arbeit, um mit den Kanten Griff im Untergrund zu finden, etliche Unebenheiten in der Piste verlangen Konzentration. Doch es geht. Wer sicher auf den Brettern steht, wird seinen Spaß finden. Anfänger sollten noch ein paar Tage abwarten. Hoffnung für Sonnabend machte aber eine weitere Nacht, in der die Schneekanonen und 100 Skilanzen einen großen Teil der insgesamt 5,4 Kilometer langen Pisten weiter ein-
weißen konnten. „Und in den kommenden Tagen soll auch Naturschnee dazukommen“, hofft Nüsse.

Erst am nächsten Wochenende wird das vollständige Skigebiet befahrbar sein – wenn die Temperaturen halten. Dann ist der Wurmberg das mit Abstand größte Skigebiet im Norden. Es bietet von der 1200 Meter langen Genießerpiste bis zum grimmigen, 60 Prozent steilen Hexenritt einiges an alpinem Skivergnügen. Und wenn dann oben am Kiosk auf dem Gipfel die üblichen Après-Ski-Hits aus den Lautsprechern dröhnen, fühlt es sich fast an wie in den Alpen.

Wurmberg-Infos:

  1. Aktuelle Schneehöhen: wintersport.harzinfo.de
  2. Anreise mit dem Auto: Der Wurmberg in Braunlage ist von Hannover aus in 1,5 bis zwei Stunden mit dem Auto zu erreichen. Ski- und Snowboardfahrer gelangen vom Hexenritt aus (Große Wurmbergstraße) am schnellsten auf den Gipfel. Die Talstation der Wurmberg-Seilbahn befindet sich im Ort (Am Amtswege 5).
  3. Parken: Unmittelbar an der Talstation der Wurmberg-Seilbahn befindet sich ein Parkplatz mit 400 Stellplätzen. Am Hexenritt befindet sich der neu angelegte Großparkplatz mit 600 Stellplätzen. Die Parkgebühr beträgt 4 Euro pro Tag.
  4. Anreise mit der Bahn: Der nächstgelegene Bahnhof befindet sich in Bad Harzburg. Von dort fährt stündlich ein Bus nach Braunlage (reine Fahrtzeit etwa eine Stunde und 15 Minuten).
  5. Skipasspreise: Die Tageskarte in der Hauptsaison (bis zum 16. März) kostet 
31 Euro für Erwachsene, Studenten und Schüler zahlen 23 Euro, Kinder 15 Euro. Die Karte für die gesamte Familie kostet 82 Euro am Tag. Vier Stunden kosten 22 bis 9 Euro, 61 Euro die Familienkarte.
  6. Skiverleih: Am Hexenritt und an der Wurmberg-Seilbahn befindet sich jeweils ein Skiverleih – der am Hexenritt bietet auch ein Skidepot (Ski- und Snowboardsets 20 bis 23 Euro pro Tag, Kinder: 14 bis 15 Euro). Im Ort Braunlage finden sich fünf weitere Skiverleiher.
  7. Rodeln: Am Wurmberg befindet sich die mit 1600 Metern längste Rodelbahn im Harz. Seit dieser Saison kann sie sogar künstlich beschneit werden. Von der Talstation geht es mit der Wurmberg-Seilbahn hoch bis zur Mittelstation.
  8. Snowtubing: Neu ist in dieser Saison das sogenannte Snowtubing am Hexenritt. Die Fahrt hinunter ist auf einem aufgeblasenen Lkw-Schlauch in einer 200 Meter langen Wellenbahn möglich. Das Einzelticket kostet 2 Euro (Kinder zahlen 1,50 Euro). Die Zehnerkarte kostet 12 Euro (Kinder 10 Euro).
  9. Weitere Informationen: www.wurmberg-seilbahn.de

Ein perfekter Tag im Harz

  1. Frühaufsteher sind im Vorteil. Wer einen Wintertag im Harz verbringen und nicht gleich im Stau stehen will, sollte möglichst früh um 8 Uhr losfahren. Gut anderthalb Stunden dauert die Fahrt von Hannover aus in die meisten Harzer Wintersportgebiete. Da es erst am Freitag richtig geschneit hat, ist Abfahrtskifahren außer auf dem Wurmberg noch kaum möglich. Die Schneelandschaft lässt sich beim Wandern sowieso viel besser erkunden. Viele schöne Wege führen auf den Brocken, dem mit 1141 Metern höchsten Berg des Mittelgebirges.
  2. Herunter kann man bequem mit der Harzer Brockenbahn fahren. Für die 15 Kilometer talwärts nach Schierke braucht die Dampflok eine halbe Stunde. Der erste Zug startet um 11.36 Uhr vom Brocken, der letzte um 17.07 Uhr. Die einfache Fahrt kostet für Erwachsene 21 Euro, für Kinder zwischen sechs und elf Jahren die Hälfte. Für eine Hin- und Rückfahrt zahlen Erwachsene 32, Kinder 16 Euro.
  3. Nach so viel frischer Luft tut eine Pause gut, beispielsweise in der „Kleinen Kapelle“ in St. Andreasberg, Herrenstraße 12. Das urige Lokal sieht von außen aus wie eine Kirche, drinnen aber ist es eine Kneipe. Serviert werden Schnitzel, Salate und einheimische Getränke, neben Bier aus Altenau auch „Gottesmilch“, ein Milch-Schnaps-Frucht-Mixgetränk.
  4. Jetzt ist Bewegung angesagt. In Torfhaus ist zehn Zentimeter Neuschnee gefallen und der Rodellift läuft am Sonnabend zwischen 9 und
16 Uhr. Eine Einzelfahrt kostet ein Euro, eine Tageskarte für Kinder bis 12 Jahre 13 Euro und für Erwachsene 18 Euro.
  5. Zum Aufwärmen eignet sich die Kristall-Saunatherme Heißer Brocken in Altenau. Das Solewasser ist besonders gesund und lässt einen fast schwerelos treiben. In der Sauna können Besucher dann richtig ins Schwitzen kommen.
  6. Ein perfekter Tagesausklang ist eine Fahrt mit der Burgberg-Seilbahn in Bad Harzburg, besonders wenn man es nostalgisch mag, denn die Seilbahn wird in diesem Jahr 85 Jahre alt. In nur drei Minuten gelangt man mit der Gondel, in die 18 Pasagiere passen, auf den Gipfel. Von dort aus starten viele Wandertouren.
  7. Vor der Heimreise ist Après-Ski in Braunlage ein Muss. Im Nachtcafé „Rock Garden“ oder in der Diskothek Tenne, wo ab 22 Uhr richtig Partyzeit ist, treffen sich Nachtschwärmer. Biker bevorzugen die Bar „bla bla“, auch Skifahrer trinken hier einen Absacker, gute Cocktails schenkt das Bistro „Jasper“ für seine Gäste aus.

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