Kegelrobben

Der geburtenstarke Jahrgang

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Ein guter Platz zum Aufwachsen: Eine junge Kegelrobbe liegt am Strand von Helgoland.dpa

Helgoland/Wilhelmshaven - Es gab Zeiten, da tummelte sich keine einzige Kegelrobbe an der deutschen Nordsee. Mittlerweile gibt es sie wieder - auf Amrum und auf den ostfriesischen Inseln. Die größte Kolonie lebt auf Helgoland. Dort sind die Tiere so zahlreich vertreten wie noch nie.

Zweieinhalb Meter lang, 300 Kilogramm schwer. Damit ist die Kegelrobbe das größte frei lebende Raubtier und neben dem Seehund die zweite in Deutschland heimische Robbenart. Lange war sie aus den deutschen Gewässern verschwunden, doch jetzt ist sie wieder da. Und wie. Auf Amrum und den Ostfriesischen Inseln existieren kleine Kolonien - die meisten Kegelrobben bevorzugen allerdings Helgoland. Dort hat man in diesem Winter einen Rekord bei den Geburten der Tiere verzeichnet. 202 Tiere seien zur Welt gekommen, sagte Seehundjäger Rolf Blädel. So viele seien es noch nie gewesen, seit die einst vertriebenen Tiere 1974 wieder gesichtet wurden.

Auch im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer sind die Zahlen der größten einheimischen Raubtiere wie in den Vorjahren angestiegen. Sie lagen zuletzt bei rund 80 Jungtieren. Die Gesamtzahl der Kegelrobben wird noch bis April bei Fotoflügen ermittelt, wenn die Tiere wegen ihres Haarwechsels an Stränden liegen und gut zu beobachten sind.

„Die Geburtenzahlen auf Helgoland haben in den letzten Jahren kontinuierlich zugenommen“, berichtete Robbenexpertin Britta Diederichs vom Nationalparkamt in Tönning (Kreis Nordfriesland). Diese starke Zunahme sei im schleswig-holsteinischen Teil der Nordsee einmalig. Die Meeressäuger werden in der Regel im Zeitraum von November bis Januar geboren. Mitten in der Geburtszeit der Kegelrobben zog jedoch Orkantief „Xaver“ über die Nordsee, 47 Robbenbabys wurden anschließend vermisst. Was aus ihnen geworden ist, bleibt unklar - zumal nicht alle markiert waren. „Wahrscheinlich hat es die Mehrzahl nicht geschafft“, erklärte Diederichs. „Das ist ein Wermutstropfen, aber das wird die Entwicklung der Population kaum merklich beeinträchtigen.“

Die Sterblichkeitsrate der Jungtiere sei im ersten Jahr ohnehin besonders hoch. Nach Angaben von Blädel mussten in diesem Winter acht Jungtiere eingefangen und zur Seehundstation nach Friedrichskoog (Kreis Dithmarschen) gebracht werden. Ein Tier sei gestorben, sagte Biologin Stefanie Mahal von der Seehundstation. „Rolf“ und „Charlotte“ hätten inzwischen aber wieder ausgewildert werden können. Expertin Diederichs rechnet damit, dass die Geburtenzahl bei den Robben auf Deutschlands einziger Hochseeinsel in den nächsten Jahren weiter ansteigen wird. „Je mehr Kegelrobben geboren werden, desto mehr gebärfähige Tiere kommen natürlich in den kommenden Jahren wieder dazu“, erklärte die Biologin.

Die Bedingungen auf der Helgoland vorgelagerten Düne seien für die Tiere sehr gut, denn auf den etwas erhöhten Liegeplätzen seien sie im Normalfall sicher vor Wellen, und im Wasser finde sich anscheinend genügend Fisch. Außerdem bleiben die Jungtiere zunächst an Land, die Mütter lassen ihre Jungen oft stundenlang alleine, um Nahrung zu suchen. Laut Blädel gibt es momentan 350 bis 400 Kegelrobben sowie rund 200 Seehunde auf Helgoland. Der Seehundjäger der Insel - so seine offizielle Bezeichnung - kümmert sich um verletzte, verwaiste oder verendete Kegelrobben und Seehunde. In Ausnahmefälle muss er todkranke Tiere auch erschießen.

Von Stephanie Lettgen und Hand-Christian Wöste

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