Erinnerung in München

Gedenkfeier für Opfer des Olympia-Attentats

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Foto: In München ist am Mittwoch der Opfer des Olympia-Attentats von 1972 gedacht worden.

München - Es ist ein Trauma - und die Wunden sind bei vielen bis heute nicht verheilt. 40 Jahre nach dem Olympia-Attentat von 1972 wird in Bayern der Opfer gedacht. Neben Kranzniederlegungen, Trauerreden und Klarinettenklängen gibt es auch Schuldzuweisungen.

Es sollten bunte Spiele eines weltoffenen Deutschlands werden - doch dann brach der Terror herein: 40 Jahre nach dem Olympia-Attentat ist in Bayern mit einer bewegenden Gedenkfeier der Toten von 1972 gedacht worden. Bei vielen saß der Schmerz noch tief, das wurde in den Reden am Mittwoch immer wieder deutlich. Der Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland, Dieter Graumann, warf den deutschen Sicherheitskräften schwere Versäumnisse vor.

Am 5. September 1972 hatten palästinensische Terroristen Mitglieder der israelischen Olympiamannschaft im Olympischen Dorf als Geiseln genommen. Der Anschlag endete auf dem Militärflughafen von Fürstenfeldbruck in einem Blutbad.

„Die Sicherheitsbehörden damals zeigten einen desaströsen Dilettantismus, wie wir ihn uns niemals hätten vorstellen können“, sagte Graumann bei der zentralen Gedenkfeier in Fürstenfeldbruck. „Und von Selbstkritik keine Spur.“ Die Entscheidung des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), die Spiele nach kurzer Unterbrechung fortzusetzen, nannte Graumann kalt. Der Satz „The games must go on“ von IOC-Präsident Avery Brundage habe ausgedrückt, „dass jüdisches Blut billig war in den Augen der Welt“. Bei dem Attentat waren neun Geiseln getötet worden - insgesamt starben 17 Menschen, darunter fünf Terroristen und ein Polizist.

Münchens Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) bat um Fairness - trotz der offensichtlichen Versäumnisse der Behörden. Sie änderten nichts an der „Alleinschuld der Täter“. Die Verantwortlichen hätten damals bewusst andere Spiele schaffen wollen als 1936 unter der Nazi-Diktatur - auch auf Kosten der Sicherheit. Die Ausrüstung der Sicherheitsleute und die Personalstärke seien unzureichend gewesen. Das „Staatsverschulden“ liege aber „auf einer ganz anderen Ebene“ als der Terrorakt an sich. Der Kritik Graumanns hielt er entgegen, die überlebenden israelischen Sportler hätten es damals richtig gefunden, dass die Spiele trotz des Attentats fortgesetzt worden seien.

Der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes, Thomas Bach, verteidigte das IOC. Es habe damals nicht resigniert und deshalb die Spiele fortgesetzt - als entschlossenes Zeichen im Kampf gegen den Terrorismus. Die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde für München und Oberbayern, Charlotte Knobloch, sagte: „Der Mensch war, ist und bleibt zu Unmenschlichkeit imstande.“ Es sei kein Attentat auf Israel oder die Juden gewesen. „Es war ein Anschlag auf alle.“

Die Gedenkfeierlichkeiten begannen mit einer Kranzniederlegung im Olympischen Dorf. Zwischen den Reden gab es einen gemeinsamen Gottesdienst für Christen und Juden und immer wieder musikalische Einlagen.

Auch der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) sagte, das Attentat habe die gesamte demokratische Welt getroffen. „Das Attentat hat die Welt verändert. Aber machen wir uns nichts vor. Die Gefahr terroristischer Anschläge ist auch heute noch eine reale Größe.“ In München solle es künftig einen eigenen Ort des Gedenkens an die Opfer des Olympia-Attentates geben. Der Gedenkraum solle in der Nähe des Anschlagortes im Olympiadorf errichtet werden, kündigte Seehofer an. „Wir können die Wunden nicht heilen, aber wir können versuchen, den Schmerz zu lindern.“

dpa/sag

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