Landkreis Cloppenburg

Geflügelpest-Verdacht im Emsland

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Hannover - In einem Entenmastbetrieb ist bei einer Eigenkontrolle das Grippevirus H5 nachgewiesen worden / Amtliche Bestätigung steht aus

Im Landkreis Cloppenburg hatten die Geflügelhalter am Freitag gerade erst aufgeatmet – keine neuen Vogelgrippe-Infektionen seit dem Ausbruch der Tierseuche zu Wochenbeginn, hieß es noch am Mittag. Niedersachsen schien von einer großflächigen Ausbreitung der Tierseuche zunächst verschont geblieben zu sein.

Doch dann kam gestern die schlechte Nachricht aus Meppen: Bei Eigenkontrollen ist in einem Entenmastbetrieb im Nachbarlandkreis Emsland ein Verdachtsfall aufgetreten, wie die Kreisverwaltung am Nachmittag mitteilte: „Der ermittelte Befund betrifft das Influenza-Virus H5.“ Derzeit sei der Betrieb gesperrt, sagte Kreissprecherin Anja Rohde am Freitagabend. „Es geht nichts mehr rein und nichts mehr raus.“ Wo der betroffene Stall liegt, wollte Rohde nicht mitteilen: „Er befindet sich im nördlichen Emsland“, sagte die Sprecherin lediglich. Angeblich soll der Betrieb in der Gemeinde Neubörger sein.

Noch ist unklar, ob es sich bei dem Verdacht um die hoch ansteckende Variante H5N8 handelt. Das zu ermitteln ist nun Aufgabe des Landesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit in Oldenburg und des Friedrich-Löffler-Instituts auf der Insel Riems in Mecklenburg-Vorpommern. „Wir rechnen im Verlauf des Wochenendes mit ersten Ergebnissen“, sagte Rohde. Da es sich bei dem Befund um eine Eigenkontrolle handelt, ist der Verdacht auch noch nicht amtlich bestätigt. Das betonte gestern ein Sprecher des Agrarministeriums in Hannover. Sollte sich aber herausstellen, dass auch im Emsland die hoch ansteckende Variante der Vogelgrippe H5N8 aufgetreten ist, wäre es der zweite Befund innerhalb weniger Tage in Niedersachsen.

Im Emsland wird noch mehr Geflügel gehalten als im Landkreis Cloppenburg: Entlang der Ems gibt es auf einer Fläche von 2881 Quadratkilometern nach Angaben des Landkreises 34,5 Millionen Geflügelplätze. Im Landkreis Cloppenburg werden auf 1418  Quadratkilometern 13,5 Millionen Puten, Hühner und Enten gehalten. Ein Ausbruch der Tierseuche könnte also einen wirtschaftlich noch größeren Schaden verursachen als im Kreis Cloppenburg.

Dort lief gestern Abend der sogenannte Stand Still aus. Ebenso wie in den Kreisen Leer und Ammerland, wo die Verwaltung zur Vorsicht ebenfalls Tiertransporte im gesamten Kreisgebiet untersagt hatte. Im Kreis Cloppenburg waren, nachdem in einem Putenmastbetrieb in Barßel die Vogelgrippe ausgebrochen war, 120  000 Tiere getötet worden. Trotz der Aufhebung des Stand Still blieb in einem Umkreis von zehn Kilometern um den Hof in Barßel das Transportverbot bestehen. Auch gab es am Freitag keine endgültige Entwarnung im Kreis Cloppenburg. Noch nicht alle genommenen Proben aus Betrieben waren untersucht worden. Die Stallpflicht blieb in der gesamten Weser-Ems-Region ohnehin bestehen.

Wie trotz des Ausstallungsverbots das Virus in den Stall in Barßel und möglicherweise in den Entenmastbetrieb im Emsland geraten konnte, ist nach wie vor unklar. Zuvor war das aus Asien stammende Virus H5N8 in Mecklenburg-Vorpommern, den Niederlanden und in Großbritannien gemeldet worden. Als am wahrscheinlichsten gilt eine Übertragung durch Wildvögel. Niedersachsen ist mit rund 100 Millionen Stück Geflügel der wichtigste Produzent in Deutschland.

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