Dachverband „Vernunftkraft.Niedersachsen“

Gegenwind für die Windkraft in Niedersachsen

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Stein des Anstoßes: Gegen den Windkraftausbau gibt es Widerstand.

Hannover - Die Windkraft bekommt in Niedersachsen jetzt gebündelten Gegenwind. Über 100 Bürgerinitiativen haben sich in dem neuen Dachverband „Vernunftkraft.Niedersachsen“ zusammengeschlossen – sie fordern mehr Augenmaß bei der Energiewende.

In Niedersachsen haben sich mehr als 100 Bürgerinitiativen gegen den weiteren Ausbau der Windkraft zusammengeschlossen. Der Dachverband „Vernunftkraft.Niedersachsen“ fordert, das Tempo der Energiewende zu verlangsamen und den Ausbau der Windkraft vorläufig zu stoppen. „Wir denken, dass das Maß voll ist“, sagt Matthias Elsner, Vorsitzender des Landesverbands. Im Ausbau der Windkraft sei „zu schnell und aus unserer Sicht auch zu radikal vorgegangen“ worden. Es sei jetzt an der Zeit, innezuhalten und die Technologie genauer unter die Lupe zu nehmen.

Es fehle derzeit noch an einer funktionierenden Speichertechnologie für Strom aus Windenergie. Diese müsse erst entwickelt werden, heißt es in dem Positionspapier des Verbands. Auch müssten die Gesundheitsrisiken erst erforscht werden. Insgesamt solle der Anteil der Windkraft am Energiemix nicht mehr als 20 bis 25 Prozent betragen.

„Wir sind keine Atomkraftbefürworter“

Doch wie kommt man dazu, gegen eine Technologie zu protestieren, die als Schlüssel im Kampf gegen den Klimawandel gilt? „Wir sind keine Atomkraftbefürworter“, stellt Elsner klar. Er selber habe früher gegen die Atomkraft protestiert und sich gefreut, als nach Fukushima in Deutschland die Energiewende beschlossen wurde. „Und ich habe gedacht: Windkraft ist des Rätsels Lösung.“ Doch wenn man sich in die Details einarbeite, stelle man Erschreckendes fest, sagt Elsner. So gebe es Hinweise, dass Infraschall-Emissionen der Windräder gesundheitsschädigend seien.

Hervorgegangen ist der Verband Vernunftkraft aus dem Landesverband Landschaftsschutz und dem Windkraftnetzwerk Niedersachsen, einer bislang eher losen Verbindung von Initiativen, die als Reaktion auf den Windkrafterlass des Landes entstanden sind. Die beteiligten Bürgerinitiativen hätten alle die gleiche Erfahrung gemacht, dass sie auf kommunaler Ebene auf ihre Fragen keine zufriedenstellenden Antworten bekommen hätten, so Elsner. „Daher kam die Idee, unsere Kräfte zu bündeln.“

Um sich nicht nur landesweit, sondern auch mit der bundesweiten Initiative Vernunftkraft zu vernetzen, gab sich der Verband einen neuen Namen und warb außerdem gezielt um neue Mitglieder. War der Landesverband Landschaftsschutz vor allem rund um die Region Hannover und im Cuxland ansässig, kamen nun unter anderem regionale Gruppen aus dem Raum Cloppenburg/Oldenburg (Windkraftnetzwerk Niedersachsen), Ostfriesland (Weitblick) und Südniedersachsen (Bürgernetzwerk Energiewende) hinzu. Innerhalb weniger Tage hätten sich 50 Bürgerinitiativen angemeldet. „Wir sind kaum mit dem Verbuchen neuer Mitglieder hinterhergekommen“, sagt Lutz Taddiken, ehemals Vorsitzender des Landesverbands Landschaftsschutz.

Ministerium zeigt sich offen für Dialog

Wie viele Menschen letztlich hinter Vernunftkraft stehen, kann Elsner nicht sagen. Die Mitgliederschaft der beteiligten Bürgerinitiativen sei aber parteineutral und repräsentiere „die Mitte der Gesellschaft“, sagt der Zahntechniker aus dem Landkreis Ammerland. Unter den Mitgliedern seien viele Ingenieure, Physiker oder auch Mediziner, die sich mit ihrem Fachwissen in die Diskussion einbrächten.

Niedersachsens Umweltministerium zeigte sich für einen Dialog mit dem Verband offen. Man setze sich „gleichermaßen ernsthaft mit den unterstützenden wie den kritischen Rückmeldungen aus allen gesellschaftlichen Breichen auseinander“, sagte ein Ministeriumssprecher.

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