Truppenübungsplatz Bergen

Wem gehört der Platz?

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Bergen - Nach Abzug der Briten könnte das Truppenübungsgelände Bergen Biosphärengebiet werden – doch die Bundeswehr will bleiben.

Er ist rund 280 Quadratkilometer groß und liegt mitten in der Lüneburger Heide: der Truppenübungsplatz Bergen, auch bekannt als „der Platz“. Seit 1935 ist er militärisches Sperrgebiet, wurde nach dem Zweiten Weltkrieg zum größten Nato-Schießplatz Europas. Gleichzeitig ist er ein Naturjuwel mit weiten Wäldern, Seen und Heideflächen, und auch die Steinzeitgräber Sieben Steinhäuser liegen in dem Gebiet. Nun wollen die britischen Streitkräfte als wichtiger Nutzer bis 2015 Deutschland verlassen, und das weckt in der Heide Begehrlichkeiten. Ein neuer Verein will den „Platz zum Schatz“ machen und ein Biosphärengebiet einrichten.

„Wenn die Briten gehen, fallen hier ganz viele zivile Arbeitsplätze weg“, sagt Egon Hilbich aus Bad Fallingbostel, Mitgründer des rund 50 Mitglieder zählenden Vereins „Biosphärengebiet Hohe Heidmark“. „Uns bleiben dann nur Schießlärm, die Randlage und andere Nachteile.“ Würde das Sperrgebiet aufgehoben, könnte sich die Region nach Ansicht des früheren Lehrers und seiner Mitstreiter zum Touristenmagneten entwickeln. An Attraktionen für Naturliebhaber mangelt es nicht: Hier gibt es die größten zusammenhängenden Heideflächen Europas, in den Mooren ist das vom Aussterben bedrohte Birkhuhn zu Hause, und außer Rot- und Damwildrudeln streifen neuerdings auch Wölfe durchs ausgedehnte Revier. Das liegt ausgerechnet am Militär: Die Natur konnte sich rund um die Schießbahnen und die von Panzern zerwühlten Trassen weitgehend von Menschen ungehindert entwickeln. Die Bundeswehr pflegte die Flächen, um sie nachhaltig nutzen zu können. An den Schießlärm haben sich die Tiere gewöhnt.

Ein Vorbild für die mögliche Umnutzung eines Truppenübungsplatzes gibt es in Nordrhein-Westfalen, das ebenfalls vom Rückzug der Briten betroffen ist. Dort wird schon länger über einen Nationalpark „Teutoburger Wald-Senne“ diskutiert, der bisheriges Sperrgebiet einbezieht. Auch die Initiative in Bad Fallingbostel hatte zunächst an einen Nationalpark gedacht. Ein Biosphärengebiet, wie es in Niedersachsen in der Elbtalaue eingerichtet ist, würde aus Sicht der örtlichen Initiative dem Charakter der Kulturlandschaft Heide aber besser gerecht und den umliegenden Gemeinden mehr nützen.

Während ineinem Nationalpark die Natur so weit wie möglich sich selbst überlassen bliebe, teilen die Unesco-Kriterien ein „Biosphärenreservat“ in drei Zonen ein: eine streng geschützte Kernzone (Naturwälder und Moore), eine Pflegezone (Heideflächen mit Beweidung, sanfter Tourismus) und eine Entwicklungszone in den umliegenden Dörfern, wo etwa Handwerk und nachhaltige Landwirtschaft unterstützt würden. Von der Förderung könnten die Landkreise Heidekreis und Celle profitieren. Im Dorf Ostenholz am Platzrand könnte ein Informationszentrum entstehen – die „Hohe Heidmark“-Initiative sieht hierfür eine vom Abriss bedrohte historische Gaststätte vor.

In der rot-grünen Landesregierung trifft der Vorschlag aus der Heide bei manchen durchaus auf Sympathie. Denkbar wäre, den Lückenschluss zwischen den bestehenden Naturparks Lüneburger Heide und Südheide mit Ausgleichspflichten zu verbinden, die sich etwa aus dem Bau neuer Bahntrassen ergeben. Aus dem Umweltministerium von Stefan Wenzel (Grüne) heißt es: „Da der Übungsplatz Bergen einen der größten und wertvollsten Moor- und Heidekomplexe in Niedersachsen darstellt, wäre er grundsätzlich für die Errichtung eines Großschutzgebietes geeignet.“ Bloß werde das so schnell wohl nicht gehen: „Zwar ist die Nutzung durch die britischen Streitkräfte weitgehend beendet, die Nutzung durch die Bundeswehr hält aber weiter an.“

Der „Biosphärengebiet“-Verein meint, der Truppe müsste der nördlich angrenzende Übungsplatz Munster eigentlich reichen – er umfasst zusammen mit Munster-Nord rund 170 Quadratkilometer. Oberstleutnant Jörg Heimann von der Kommandantur widerspricht: „Der Truppenübungsplatz Bergen spielt für die Bundeswehr wegen seiner Größe eine herausragende Rolle.“ Der Bund denke nicht an einen Verkauf des Geländes. Was die Immobilien der abziehenden Briten betrifft, hat die Bundeswehr schon Zeichen gesetzt: Sie hat an einer Übernahme der Kasernen in Bergen Interesse bekundet. In der Region Bad Fallingbostel, wo auch der Verein „Biosphärengebiet“ wirkt, gilt das nicht. Dort hofft man mehr auf den Tourismus, der hier bis in die dreißiger Jahre eine Blüte erlebte – vor der Errichtung des Übungsplatzes.

Auf dem Rad übers Bundeswehrgelände

Für Radfahrer ist der Truppenübungsplatz in der Regel tabu. Nur einmal im Jahr, am ersten Sonntag im August, lädt die Bundeswehr zum „Volksradfahren“ in die sonst aus Sicherheitsgründen gesperrte, weitgehend naturbelassene Heidelandschaft ein.

An diesem Sonntag, 3. August, werden drei Strecken mit einer Länge von 24 bis 77 Kilometer – vorwiegend auf Betonwegen – angeboten, die individuell im eigenen Tempo befahren werden. Eine vorherige Anmeldung ist nicht nötig, wohl aber die Registrierung zwischen 9 und 11 Uhr an einem der beiden Startpunkte bei Oerbke (Heidekreis) oder Hasselhorst (Kreis Celle). Dort erhalten Teilnehmer auch die Karten mit den farblich gekennzeichneten Routen. Die Startpunkte am Platzrand sind von Bad Fallingbostel beziehungsweise Bergen ausgeschildert. Unterwegs bietet die Bundeswehr Verpflegung an. „Vorsichtshalber sollten aber Getränke und etwas Proviant mitgebracht werden“, rät die Kommandantur. Bis 17 Uhr müssen alle den Platz verlassen.

An der Tour nehmen stets zwischen 2000 und 4000 Radfahrer teil.

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